Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Das Leben als Schnittstelle: Porträt des Förderpreisträgers Jacob Korn

Das Leben als Schnittstelle: Porträt des Förderpreisträgers Jacob Korn

Um den Blick ist er wirklich zu beneiden. Sechster Stock, Innenstadt. Dresdens markante Türme sind gut zu erkennen gegen den blauen Himmel. Draußen herrscht der Geräuschpegel des Alltags, drinnen die Atmosphäre eines Tonstudios: Keyboards, Computer, Mischpult, Boxen, dazu die obligatorische Schalldämmung an Teilen von Wand und Decke.

Gleich daneben stehen zwei Sessel, in einem sitzt Jacob Korn und lächelt etwas schüchtern. Der schlanke junge Mann wirkt auf den ersten Blick fast etwas unscheinbar.

Er sei gern Stadtmensch, gerade hier. Sagt er und man glaubt es sofort. 30 ist er jetzt, hinter der Brille funkelt immer noch jungenhafter Schalk. Doch Jacob Korn ist kein Unbekannter in seinem Metier, schon lange nicht mehr. Er macht Musik, einerseits. Live Acts, selbst produziert, computergeneriert. "Von der elektronischen Musik komme ich eigentlich, schon seit mehr als 15 Jahren." Fragt man ihn nach prägenden Einflüssen, kommt die Antwort sofort: Kraftwerk. "Deswegen stell' ich mir die Bude auch voll mit solchem Kram", sagt er und deutet auf einen jüngst erworbenen Synthesizer aus den Siebzigern, Marke Eigenbau. "Ich mag den Sound alter Aufnahmen." Später hätten ihn andere Stile beeinflusst, Chicago House zum Beispiel.

Andererseits ist da aber viel mehr: Jacob Korn redet dann von Schnittstellen. "In Hellerau kommt das alles zusammen: Musik, das Visuelle, der Tanz." Er weiß sehr gut, wovon er redet. Als Resident des Trans-Media-Labors in Hellerau war und ist er einer der hiesigen Treiber im Bereich digital-musikalischer Kunst. Wer ein wenig die Augen und Ohren offen hielt auf den vergangenen CYNETART-Jahrgängen, dem dürften die Arbeiten des studierten Medientechnologen nicht entgangen sein. Wobei er sein Kreativareal klar absteckt: "Ich bin eher der Klang-Typ, für das Bildmaterial sorgen meist Freunde oder Kollegen." Trotzdem müsse man sich bei dieser Art des Crossover auch stark eindenken können in die Arbeit der anderen, "sonst funktioniert das nicht".

Während Jacob Korn erzählt, schweift der Blick im Zimmer umher. Überall stehen Schallplatten, unzählige. Darunter sind auch die nicht gar so wenigen von ihm produzierten. Eine Ecke ist nochmals extra schallisoliert, ein Mikro steht dort, wie ein Indiz. Seine nächste Scheibe, die Anfang Juni erscheinen soll - "wenn alles klappt" -, wird nicht nur Sound zu bieten haben, sondern auch Gesang.

Das Zusammengehen mit anderen künstlerischen Ausdrucksformen - dort liegt für Jacob Korn der Reiz. "In Leipzig haben wir gerade fürs Grassi-Museum einen Raum komplett interaktiv gestaltet, ein Team aus sechs Leuten." Von ihm stammt der Klangpart. "Es bleibt immer noch Musikmachen - aber der Kontext wird neu, anders." Eine Kooperation ähnlicher Art mit einem Theater könne er sich gut vorstellen, räumt er ein. "Aber da warte ich, bis ich angesprochen werde." Überhitztes Selbstmarketing ist nicht sein Ding, das wird klar und klarer.

Dann noch ein Blick aus dem Fenster. Die Silhouette der Stadt inspiriere ihn durchaus, sagt er. In Dresden ist er seit Jahren zu Hause. Geboren und aufgewachsen ist er in der Sächsischen Schweiz, studiert hat er in Ilmenau. Sieht er sich mehr als Ingenieur oder als Künstler? Nach einigen Überlegen die Antwort: "Am ehesten als Musiker, Musikproduzent." Also Künstler.

Den Förderpreis des Dresdner Kunstpreises sieht Jacob Korn auch als generelle Anerkennung eines modernen, begrifflich nicht immer genau zu fassenden Kunstgenres. Für das Medium, für das auch er steht, sei das mit Blick auf die lange Tradition der CYNETART beispielsweise fast überfällig, merkt er an. Eine Feststellung. Man kann sie unterschreiben. Torsten Klaus

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.03.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr