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Das Landesjugendorchester Sachsen feierte 20. Geburtstag in Dresden

Das Landesjugendorchester Sachsen feierte 20. Geburtstag in Dresden

Die große Besetzung des Landesjugendorchesters Sachsen, die beinahe die Bühne des Konzertsaals der Dresdner Musikhochschule sprengte, war dem Anlass des Konzertes angemessen: Seit 20 Jahren gibt es das LJO Sachsen nun, doch naturgemäß hat die Besetzung mehrfach gewechselt, denn Jahrgang um Jahrgang der Musikschüler verlässt das Orchester auch wieder.

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Also gilt es, das angestrebte hohe musikalische Niveau immer neu zu erarbeiten. Dirigent Milko Kersten, seit 13 Jahren Leiter des LJO Sachsen, geht dafür einen Weg, der bemerkenswert ist, denn er fordert mit hoch anspruchsvoller Literatur das Können der Schülerinnen und Schüler bis an die Grenzen. Doch offenkundig fördert dies die Begeisterung der Orchestermitglieder für die Musik und das hörbare Ergebnis verblüffte nicht wenig.

Auch muss ein Jubiläum nicht unbedingt mit vergnüglichen Stücken gefeiert werden. Einige Gedanken über den Weg von 20 Jahren und die Zeitgeschichte schlechthin fanden sich in der Überschrift "Die Welt von Gestern...", verbunden also mit einem Verweis auf Stefan Zweigs Betrachtung Europas am Beginn des 20. Jahrhunderts, für alle im Orchester sonst Stoff des Geschichtsunterrichts. Entstanden war ein an musikalischen Charakteren äußerst reiches Programm. Die letzte, die Sinfonie Nr. 15 A-Dur von Schostakowitsch war zu Beginn jenes Werk, mit dem das Orchester an seine Grenzen ging und sie dennoch überschritt. Die Verbindung aus persönlichsten Einsichten des Komponisten, intensivem Rhythmus, diffizilen Soli und einer riesigen dynamischen Spanne bietet Schwierigkeiten in Fülle. Perfektion erreichen zu wollen, wird kaum die Intention der Aufführung gewesen sein, und es gab wenige Momente, in denen Milko Kersten die Spannung zugunsten der Konzentration auf das Zusammenspiel zurücknehmen musste. Doch in der Summe der genauen Erfassung des Werkes, der Mischung von Humor und Ernst oder einer inhaltlich nichts beschönigenden Klangentfaltung entstand eine Intensität, die höchste Bewunderung abnötigte. Und spätestens die Verdichtung des Schlusses ließ einen den Atem anhalten.

Im völligen Kontrast zu Schostakowitschs fast karger Musik stand die mit expressiver Kraft hervorbrechende Komposition "TIME BLAST" von Alexander Keuk (geb. 1971), die in diesem Konzert uraufgeführt wurde. Einem Hornruf am Beginn folgte unmittelbar ein Fortissimo des Orchesters in einer Klangfülle, die bei neuer Musik oft gemieden wird. Doch Keuk beschränkte sich nicht auf Kraft, sondern führte im Trio der Soloinstrumente Horn (Friedrich Müller), Violoncello (Sophia Dimitrow) und Klarinette (Yuriy Nepomnyashchyy) die Energie immer wieder zurück auf fast zerbrechliche Stimmen und den Dialog mit dem Orchester. Die große Geste jedoch, die der Komponist sich gestattete, hatte etwas Erfrischendes und Befreiendes, alle denkbaren Farben mischte er mit merklicher Freude in sein großes Klangspektrum, auch die Sprache fand sich in einem großen Crescendo verwendet. Ein wirkungsvolles Stück, das dabei nicht auf Konventionen setzt.

Wieder eine andere Klangwelt eröffnete das Landesjugendorchester in Karol Szymanowskis Violinkonzert Nr. 1 gemeinsam mit dem Solisten Albrecht Winter (Gewandhausorchester Leipzig). Flirrende Klangmalerei auf der einen und überschwängliche Leidenschaft auf der anderen Seite wechselten hier in mitreißender Art, und Milko Kersten ließ das Orchester förmlich glühen. Es war musikalisch einfach grandios, und allerspätestens hier hatte man nicht mehr den Eindruck, Musikschüler vor sich zu haben. Was wohl das schönste Geschenk war, das sich das Orchester selbst machen konnte.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.11.2012

Hartmut Schütz

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