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Das Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt stellt Werke von Elisabeth Richter aus

Das Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt stellt Werke von Elisabeth Richter aus

Wer schon längst oder auch mit gerade erst erworbenen, möglicherweise als Geschenk erhaltenen künstlerischen Arbeiten von Elisabeth Richter zusammenlebt, wird diese liebenswerte Gesellschaft gewiss zu schätzen wissen.

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Elisabeth Richter. Grit und Lucy (2001), Lithografie (oben).

Quelle: Repro

Weil die so eigenen, vielfach gewitzten Schöpfungen eben etwas ganz Besonderes sind. Und das in jeglicher Erscheinung, ganz egal, mit welchen Materialien Elisabeth Richter dabei auch umgeht. Denn ihre Gestalten, Bauten, Landschaften sind sowohl in dichten als auch in spielerisch luftigen Schwarz-Weiß-Nuancierungen auf Papier gebannt, oder sie tummeln sich auch skurril und in sensibler Farbwahl auf Kalendern, Leporellos und Keramik.

Diverse Zeichnungen, Grafiken und Objekte der Künstlerin sind derzeit im Kinderzentrum Dresden-Friedrichstadt zu erleben, einer Vereinigung von Kinderärzten unterschiedlicher Fachrichtungen, deren Domizil, das freundlich gestaltete Zentrum auf der Friedrichstraße 38-40, unweit vom Krankenhaus gelegen ist. Es wird mit seinen hellen Fluren, Zwischenräumen und Spielecken schon längst und mit Kontinuität für Ausstellungen genutzt. Und diese wecken wie derzeit die recht umfassende Auswahl von Arbeiten Elisabeth Richters sowohl bei Kindern wie auch Erwachsenen gleichermaßen Neugier und die Lust des Wahrnehmens.

Einige Lithografien, darunter das zauberhafte Blatt "Grit und Lucy" (2001) mit dem stattlichen, etwas schrägen Pferd und seiner Begleiterin, stammen noch aus Elisabeth Richters Studienzeit an der Hochschule für Bildende Künste Dresden, wo sie zudem Meisterschülerin von Max Uhlig und Elke Hopfe war. Bereits zu dieser Zeit machte sie im oberen Foyer vom Dresdner Schauspielhaus mit ihren "Dorf"-Impressionen nachwirkend auf sich aufmerksam. Ein Thema, das sich speziell auch auf den erzgebirgischen Ort Seifersdorf bei Dippoldiswalde bezieht, wo sie mit ihrer Familie nach wie vor lebt. Und sie dringt in der künstlerischen Wahrnehmung dessen, was sie unmittelbar umgibt, in ihren mit scheinbarer Leichtigkeit gehandhabten Zeichnungen stets zum Wesentlichen vor, kann weglassen und verdichten, schöpft aus der ureigenen Empfindung und entdeckt dabei eben auch die Wunder abseits vom Wege.

Stets hat man das Gefühl, dass ihre Arbeiten jeden neuen Ausstellungsort in einer Art verwandeln, die diesen zugleich beleben können und auch zu einem Geschichtenort machen. Das geschieht selbstbewusst und kraftvoll, zuweilen mit einer hintergründigen, wunderbar eigenen Gewitztheit. Und man kann sich immer wieder über Hinzugekommenes freuen wie auch bereits Bekanntes neu entdecken. Zum Beispiel diese Lithografie "Frau Giernots Kleinwarenladen" (2005), wo das Haus zu tanzen beginnt, sich auch gleich noch der Strommast wie im Winde wiegt und alles miteinander in Bewegung gerät.

Elisabeth Richter muss für ihre Entdeckungen nicht zwingend - obwohl das auch ganz schön sein kann - in die Ferne reisen. Als begnadete Zeichnerin und Grafikern, die beschenkt ist mit vielen künstlerischen Begabungen, findet sie das Besondere überall heraus, vermag zum Beispiel Licht und Dunkel so denkwürdig miteinander zu verquicken, dass etwas Rätselhaftes entsteht. Und wird, da sie eher bescheiden und im Bannkreis des Alltäglichen lebt, wo sie sich die gewünschte Zeit für ihre Kunst gewissermaßen abringen muss, zuweilen eben auch übersehen. Zu Unrecht natürlich, weil jeder, der ihre Arbeiten liebt, sehr genau weiß, wie sehr sie einem gut tun können.

Da verwundert es vielleicht doch, dass sie eine ganz besondere Anerkennung erst aus der Ferne erreicht hat. Als 2012 von insgesamt 187 Künstlerinnen und Künstlern aus allen Gebieten Deutschlands bei der Galerie Laubach im gleichnamigen oberschwäbischen Ort Bewerbungsarbeiten zum Thema "Mensch im Raum" eingingen, schaffte es ausgerechnet und verdientermaßen nach zwei Juryrunden Elisabeth Richter, mit ihren Werken an die Spitze der Pyramide zu gelangen - und sie gewann den ersten Preis. Ein Aufmerken, das noch viele weitere nach sich ziehen sollte, ebenso in hiesigen Landen. Bei der derzeitigen Lektüre der Briefe von Camille Pissarro, die dieser an seinen Sohn Lucien vor weit über 100 Jahren schrieb, ist mir einmal mehr deutlich geworden, wie elementar diese Kunst sein kann. Pissarro beschwört Lucien geradezu: "Alles ist zum Zeichnen gut, alles. Wenn man den allgemeinen Charakter eines Baumes zu erfassen versteht, sieht man die Gestalt. Man braucht kein Spezialist zu sein, das ist der Tod der Kunst-" Und er ermutigt ihn zu einer Vielzahl kleiner Entwurfsskizzen, um schnell zu sehen und den Charakter des Ganzen wiederzugeben.

bis 26. Februar, Kinderzentrum DD-Friedrichstadt, Friedrichstr. 38-40. Geöffnet Mo bis Fr 8 bis 17 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2015

Gabriele Gorgas

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