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Das Jubiläum 800 Jahre Dresdner Kreuzkirche, -chor und -schule bietet 2016 zahlreiche Höhepunkte

Das Jubiläum 800 Jahre Dresdner Kreuzkirche, -chor und -schule bietet 2016 zahlreiche Höhepunkte

Ein 800-Jähriges würdig zu begehen, heißt nicht allein in die Historie einzutauchen, sondern aus der langen Tradition heraus auch Positionen und Inhalte zu finden, die den Institutionen eine Zukunft geben.

Dresden. Ersteres scheint einfach, für den zweiten Teil der Herausforderung indessen verlangt gerade unsere Gegenwart mit ihren sich verschärfenden sozialen Problemen besondere Verantwortung und auch Fantasie und Kreativität. 800 Jahre feiern Dresdner Kreuzkirche, Dresdner Kreuzchor und Dresdner Kreuzschule im Jahr 2016, und was zur kontinuierlichen Existenz der drei Institutionen beigetragen hat, waren Glauben, Verbundenheit, Austausch, Respekt und Kommunikation. "Werte einer langen guten Tradition", eines humanistisch-christlichen Tuns, seien es, die es zu bewahren und weiterzutragen gilt, sagte denn auch Kreuzkantor Roderich Kreile gestern bei der Vorstellung des detaillierten Jubiläumsprogramms.

Kreuzchorvespern und Gottesdienste als "Kontinuum unseres Tuns"

Es ist ein sehr umfassendes Programm geworden, das sichtlich anstrebt, die Facetten aus Vergangenheit und Gegenwart der Kreuzkirche, des Kreuzchores und der Kreuzschule, die heute ein evangelisches Gymnasium ist, abzubilden, zu vermitteln und zu interpretieren. Natürlich steht im Zentrum des kommenden Jahres eine Festwoche, die - nach einem gemeinsam von Sächsischer Staatskapelle und Kreuzchor am 4. März als geschlossene Veranstaltung in der Semperoper gestalteten Festakt "800 Jahre Kreuzchor" - vom 15. bis 24. April stattfindet. Eröffnet wird sie in der Kreuzkirche mit einer Ansprache von Bundesinnenminister Thomas de Maizière, Mitwirkende sind neben Chor, Kreuzkantor und -organist das von Dietrich Zöllner geleitete Kreuzschulorchester. Am 16. April gratulieren Dresdner Kantoreien im Rahmen der Vesper in der Kreuzkirche, am 17. April gibt es einen Festgottesdienst mit Landesbischof Carsten Rentzing, der in Deutschlandfunk und MDR Figaro live übertragen wird.

Zeitgenössisches erklingt, wenn - auch am 17. April - im Konzert der Dresdner Philharmonie eine Komposition des 1965 geborenen, ehemaligen Kruzianers Torsten Rasch als Auftragswerk des Orchesters uraufgeführt wird: ein Violinkonzert, dessen Solopart Konzertmeister Wolfgang Hentrich übernimmt. Weitere Programmpunkte der Festwoche sind ein Podiumsgespräch "Kirche für die moderne Stadt", Gottesdienste, Orgelmusik, Foren, Konzerte, Orgel und Tanz in der illuminierten Kreuzkirche, eine Theateraufführung des Kreuzgymnasiums, das Familienkonzert mit Gerhard Schöne und - als ein Höhepunkt des Konzertjahres der Kruzianer - die Aufführung der Missa solemnis von Ludwig van Beethoven unter Leitung Roderich Kreiles.

In seinem Jahresprogramm führt der Kreuzchor natürlich Bachs Weihnachtsoratorium, Matthäuspassion, das Brahms-Requiem und Weihnachtsliederabende auf, außerdem steht Bachs Messe in h-Moll am 25. September an. Auch die Kreuzchorvespern und Gottesdienste, das, wie Kreile sagte, "Kontinuum unseres Tuns", weisen zahlreiche inhaltliche Bezüge zum Jubiläum auf. Als Gäste begrüßt werden hierbei u.a. die Dresdner Kapellknaben unter Domkapellmeister Matthias Liebich von der benachbarten katholischen Hofkirche.

Das Gedenkkonzert zum 13. Februar indes wird von der Dresdner Philharmonie und dem Philharmonischen Chor unter Leitung von Chefdirigent Michael Sanderling und unter Mitwirkung von Kreuzorganist Holger Gehring gestaltet, mit Musik von Peteris Vasks, Benjamin Britten, Samuel Barber und Herbert Howells. Und im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele finden sich für eine Aufführung von Gustav Mahlers 8. Sinfonie, der "Sinfonie der Tausend", das Israel Philharmonic Orchestra, Prager und Dresdner Chöre und renommierte Solisten zusammen.

Die heute mehr als 3000 Sitzplätze bietende Kreuzkirche als älteste Dresdner Stadtkirche geht auf einen Bau zurück, der St. Nikolaus geweiht worden ist, noch bevor Dresden erstmals 1216 als "Stadt" erwähnt wurde. Im liturgischen Gesang in dem Gotteshaus sind die Anfänge des Kreuzchores zu benennen. "Die aufblühende Kreuzverehrung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts führte zum Anbau der ,capella sanctae crucis', die bald der Kirche, dem Kreuzchor und der Kreuzschule den Namen gab", heißt es im geschichtlichen Abriss zum Jubiläum. 1539 wurde hier die Reformation nun für alle Gebiete Sachsens eingeführt. Mehrfacher Zerstörung im Verlauf der Jahrhunderte folgte stets der Wiederaufbau, die Kreuzkirche blieb das wichtige evangelische Zentrum der Stadt und wurde als solches in den 1980er Jahren auch Treffpunkt für Oppositionelle und politischen Widerstand.

"Tafelwoche" in der Kreuzkirche

Die Verbundenheit zu den Bürgern der Stadt über die eigentliche Gemeinde hinaus soll auch im Jubiläumsjahr eine besondere Rolle spielen, wie gestern Superintendent Christian Behr und Pfarrer Holger Milkau betonten. So wird vom 21. bis 28. Februar 2016 zur "Tafelwoche" in die Kreuzkirche eingeladen. Das Gotteshaus wird erst leergeräumt und dann mit einer großen Festtafel bestückt, an der unvoreingenommene Gastfreundschaft genossen und Begegnungen gesucht werden können. Gemeinsam mit der Dresdner Initiative der "Nachtcafés" soll die Kirche für Wohnungs- und Obdachlose geöffnet sein, ebenso werden die diakonischen Einrichtungen Dresdens zum Gespräch einladen. Christian Behr freut sich über die große Unterstützung durch Hoteliers und Gastronomen.

Eine besondere Entdeckungsreise kann man unternehmen, wenn die Kreuzkirche im Sommer in einer Themenpredigtreihe vom 26. Juni bis 7. August in Kooperation mit dem Dresdner Stadtmuseum die dort lagernden zehn Gebotstafeln von Hans dem Maler in den Mittelpunkt rückt. Der Zyklus entstand 1528/29 und war einst Teil der Ausstattung der Kreuzkirche. In der Predigtreihe wird es um Werte gehen, die heute unsere Gesellschaft bestimmen, und für diese Reflektionen sollen Dresdner Partnerstädte wie Breslau, Salzburg, Straßburg und Skopje gewonnen werden. Viel Wissens- und Bedenkenswertes dürften auch die zahlreichen unter dem Namen "kreuzsplitter" angekündigten Veranstaltungen bieten, in denen die drei Fördervereine von Kreuzkirche, -chor und -gymnasium besondere Aspekte der 800-jährigen Geschichte vom 13. bis in unser gegenwärtiges Jahrhundert beleuchten.

Um Geschichte geht es auch, wenn zum Dresdner Stadtfest am 21. August ein historischer Festumzug zu erleben sein wird. "Der Kreuzgang" - eine Zeitreise in 26 Bildern mit über 800 Mitwirkenden - wird nicht nur bunt und vielgestaltig, sondern höchstwahrscheinlich von tausenden Dresdnern und Dresden-Besuchern bejubelt werden. Natürlich sind am Festumzug auch Schüler des von Gabriele Füllkrug geleiteten Kreuzgymnasiums beteiligt, wie sie überhaupt eine Säule der Jubiläumsfeierlichkeiten tragen. Zu den von ihnen dann präsentierten Veranstaltungen gehören Konzerte, Theater, bildende Kunst und ein Musical "Der Goldene Topf" nach E.T.A. Hoffmanns Erzählung. Für die Schulleiterin ist das 800-Jährige eine willkommene Gelegenheit, das Kreuzgymnasium und die durch dieses betonten Werte auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen zu können.

Dirk Hilbert, Dresdner Oberbürgermeister, spricht in Bezug auf die drei ältesten Einrichtungen Dresdens von "glücklicher Dreieinigkeit". Dieser euphorischen Betrachtung, die die Kontinuität der Dreierkonstellation herausstreicht, könnten das Jubiläumsjahr und die dafür angekündigten Höhepunkte eine lebendige Bestätigung angedeihen lassen.

www.kreuzkirche-dresden.de

Kerstin Leiße

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