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Das Jealousy Mountain Duo und Amigo Tropical im Ostpol

Das Jealousy Mountain Duo und Amigo Tropical im Ostpol

Musik muss nicht immer schön sein, kann auch mal weh tun, verwirren und den Hörer zweifeln bis verzweifeln lassen. Wie sich das anfühlt, konnte man am Montagabend beim Doppelkonzert der Bands Jealousy Mountain Duo und Amigo Tropical im Ostpol am eigenen Leib spüren.

Die rein instrumentale Musik der beiden zweiköpfigen Formationen wirkt direkt auf den Körper, wirbelt einiges durcheinander, entzieht sich dem Versuch, einen Zugang zu finden, und lässt das Publikum teils ratlos, aber auch staunend zurück. Es ist die Selbstgenügsamkeit, der Verzicht auf jede Rechtfertigung, der beiden Bands - trotz ihrer Unterschiedlichkeit - gemein ist.

Den Anfang machen Amigo Tropical aus Berlin. Zwei Männer mittleren Alters - aber mit Hipster-Schnurrbart - besteigen die Bühne und rumpeln los. Eine bis zum Anschlag verzerrte Bassgitarre und ein wütend, exzessiv geschlagenes Schlagzeug machen den Sound von Amigo Tropical aus. "Noise" ist das erste Schlagwort, das im Kopf des unbedarften Zuhörers auftaucht. Die Band erinnert teils an die Einstürzenden Neubauten, aber gerade das Schlagzeug klingt immer wieder auffällig nach dem kalten Trashmetal der Nullerjahre, wie ihn Slipknot, Annihilator, oder Metallica auf dem "St. Anger"-Album etablierten - jedoch fraglich, ob gerade hier die Inspirationsquelle liegt. Der Bass, wenn auch weit weniger komplex, lässt Anleihen von Tony Levin in seiner ersten King Crimson-Phase erkennen. Die Songs folgen keiner klaren, erkennbaren Struktur. Die beiden Musiker spielen sich nach dem Prinzip "Frage und dissonante Antwort" durch ihre Setlist und sind dabei vor allem dreierlei: verdammt laut und wütend, aber auch wenig variant.

Fast schon versöhnlich kommt da im Anschluss das Jealousy Mountain Duo daher. Im Gegensatz zu Amigo Tropical sparen sich Schlagzeuger Jörg Schneider und Gitarrist Jens Berger das schlagartige Überrollen am Anfang ihrer Songs. Stück für Stück wird mit der Gitarre ein Klangteppich aufgebaut und flankiert vom Schlagzeug die Intensität gesteigert. Verwirrung stellt sich trotzdem ein. Das eben noch erfasste Motiv verschwindet in sphärischen Weiten und kommt irgendwann wieder - aber nicht, wenn man damit rechnet. Auch das Jealousy Mountain Duo versteht sich meisterhaft darauf, mit Dissonanzen zu spielen. Bei dieser Band ist man auch geneigt, das Wort Freejazz in den Mund zu nehmen. Allein schon wegen Schneiders virtuosem Schlagzeugspiel und der Polyphonie, die auch mit einer Loopstation und Synthesizern erzeugt wird.

Das Publikum im halbvollen Ostpol - teils bestehend aus Freunden der Bands, aber auch aus unbeleckten Spontanbesuchern, die sichtbar kurz tief Luft holen, wenn die Maschine anläuft - zeigt sich offen für diese sperrige Musik. Beide Bands werden gebührend gefeiert. Andernorts wäre die Resonanz sicher weniger wohlwollend bis ablehnend ausgefallen. Was Amigo Tropical und das Jealousy Mountain Duo auf die Bühne bringen, ist weniger Konzert und mehr Performance. Das setzt tolerante Hörer mit einem sehr weiten Kunstverständnis voraus. Die sollten zu so einem Konzert gehen - alle anderen eher nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.09.2015

Hauke Heuer

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