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Das Internationale Kinderchorfestival in Dresden ging mit einem Konzert im Flughafen-Terminal zu Ende

Das Internationale Kinderchorfestival in Dresden ging mit einem Konzert im Flughafen-Terminal zu Ende

Der Flughafen als weltoffenes Terrain - das galt am Sonnabend auch musikalisch. Kinder aus sieben Nationen trafen sich im Klotzscher Terminal zum Abschlusskonzert des 4. Internationalen Kinderchorfestivals.

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Das Interesse war riesig, das ausverkaufte Auditorium nicht etwa nur aus Dresdner Choreltern oder Herbergsgebern gespeist, wie man den Gesprächen in der heimfahrenden S-Bahn entnehmen konnte. Junge Stimmen aus Europa und Asien zu hören, das verhieß - auch wenn sich der Teilnehmerkreis des diesjährigen Festivals auf die östliche Hemisphäre beschränkte - spannende kulturelle Vielfalt zu erleben.

Was in dem der weltlichen Chorliteratur der jeweiligen Länder gewidmeten Programm auch erfüllt wurde, für mich freilich nicht ganz im erhofften Ausmaß. Der Wermutstropfen der Globalisierung ... "Brücken bauen - gemeinsam Singen" lautet das Motto des Chortreffens, das die universelle Sprache der Musik erlebbar machen will. Da sich die aber nicht im in verschiedenen Sprachen gehörten, aber stets ähnlichen Typus "Pop-Ballade mit perlendem Klaviervorspiel und hymnischem Schluss" erschöpft, hätte ich mir von einigen Chören noch etwas größeren Mut gewünscht, das Publikum zu animieren, diese allen verständliche Sprache auch in fremden Klängen zu entdecken. Natürlich: Jugendliche Sänger widmen sich jenem Genre gerne, ihre Musik will ja nicht nur eine gestrige sein. Und trotzdem schade, wenn zum Beispiel auf dem Podium die überaus begabten, mit staunenswert kräftigen, typisch kehligen Stimmen ausgestatteten kleinen Taiwanesen des Straßenkinderchores Puzangalan in ihrer bunten, stammestypischen traditionellen Kleidung stehen, die Reminiszenz an ihre ureigene Musik aber eine allzu kurze bleibt. Das nächste Mal also gern noch viel viel mehr weißrussischen Hintersinn (Musterchor Tutti, Minsk), steirische Bauernschläue (Chor des Bischöflichen Gymnasiums Graz), chinesischen Klangsinn (Shanghai Jiaoong Universitätschor) oder litauische Wehmut (Kinderchor der St. Bernardine Gesangsschule Vilnius).

Eröffnet hatten den mit viel Beifall aufgenommenen Reigen der gastgebende Philharmonische Kinderchor Dresden mit einer knappen Handvoll witziger zeitgenössischer Bearbeitungen deutscher Volkslieder und der Philharmonische Kinderchor Prag mit vorrangig landessprachlichen Variationen über das Echo. Am Ende fanden sich alle rund 300 Choristen zusammen, um in Teilen nochmals Volker Hahns für das Festival geschaffene Stück "Auf, auf, mein Herz, ermuntre dich" zu singen. "Freund, solln wir allesamt nur immer Eines schrein?", wird dort mit den Worten Johann Schefflers gefragt. "Ein jeder seinen Ton!" lautet die Antwort, was durchaus auch in Zeiten der Globalisierung gelten darf.

Die hat natürlich, das ist unbestritten, überhaupt erst mit sich gebracht, dass solch ein wunderbarer Austausch der Nationen vergleichsweise problemlos stattfinden kann. Neben den Konzerten und der dazugehörigen Probenarbeit hatte es im Rahmen des Festivals erstmals einen Workshop gegeben, bei dem die Chöre untereinander die Dirigenten tauschten und gegenseitig Lieder aus ihren Heimatländern einstudierten. Hervorragend kam auch wieder das dank der geschickten Kooperation mit diversen Dresdner (Berufs-)Schulen so umfangreiche Rahmenprogramm mit Dampferfahrt, Stadtführungen, Abschlussfest an.

Jürgen Becker, Dirigent des Philharmonischen Kinderchores Dresden und zugleich Künstlerischer Leiter des Festivals, zeigte sich jedenfalls sehr zufrieden. Die Stimmung sei hervorragend gewesen, das Miteinander toll, das Musizieren erlebnisreich. Auch vom das Treffen organisierenden Verein "Internationales Kinderchorfestival Dresden e.V." kommen zufriedene Stimmen, u.a. was die hervorragende Publikumsresonanz auf Eröffnungs- und Abschlusskonzert betrifft. Die Begegnungskonzerte, die sich mit ihrer Parallelität natürlich gegenseitig Hörer abziehen, will man künftig etwas entzerren, sagt Sabine Mesech vom Verein. Bezüglich der finanziellen Bilanz werde man erst rechnen müssen, da leider bislang nicht alle Fördergelder in erwarteter Höhe geflossen seien, so Mesech weiter. Es wäre mehr als bedauerlich, wenn die Potenzen dieses ambitionierten und öffentlichkeitswirksamen Projekts zum kulturellen Austausch einen Dämpfer erhielten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.05.2012

Sybille Graf

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