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Das Heinrich Schütz Musikfest frischt sich weiter auf - Am Donnerstag beginnt der Vorverkauf für ausgewählte Konzerte

Das Heinrich Schütz Musikfest frischt sich weiter auf - Am Donnerstag beginnt der Vorverkauf für ausgewählte Konzerte

Ein altes Notenblatt zum Fernrohr gerollt, blickt ein Junge in die Welt; die Saiten einer Gambe kreuzen das Bild. Das Motiv, mit dem das Heinrich Schütz Fest für sein diesjähriges Programm wirbt, hat in zweierlei Hinsicht Symbolcharakter.

Es steht zum einen für das Thema, unter dem sich vom 11. bis 20. Oktober 40 Veranstaltungen reihen: "Die Welt zu durchsehen". Zum anderen für das neue öffentliche Auftreten, mit dem die Veranstalter noch deutlicher unterstreichen wollen, was ihnen wichtig ist: Heinrich Schütz, seine Musik und die seiner Zeitgenossen ins Heute zu tragen.

Auffällige Plakate, eine aufgefrischte Website, erstmals ein eigenes Logo mit einem auch als Buchstabe H deutbaren Notenschlüssel, wie ihn Hein-rich Schütz einst schrieb und an des-sen charakteristischem Häkchen nach unten sich seine Handschrift identifizieren lässt - der äußere Wandel ist deutlich. "Im vergangenen Jahr hat die Gesamt-Besucherzahl erstmals die 5000 überschritten", erklärt Intendantin Christina Siegfried, Vorsitzende des veranstaltenden Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen e.V. (MBM), "auch haben wir vergleichsweise viele junge Hörer im Publikum". Gleichwohl gelte es weiterhin, Hemmschwellen abzubauen.

Das will man nicht nur mit dem neuen Outfit, sondern auch mit einem modifizierten Preissystem angehen. Fortan wird, je nach Veranstaltungsort, in zwei bis drei Preisgruppen gestaffelt, so dass sich teilweise günstigere Kartenpreise ergeben; zudem gibt es ein "Junior! Ticket" für fünf Euro für Kinder bzw. Schüler, die im Besitz eines gültigen Schülerausweises sind. Begann der Kartenverkauf bislang im Juni, geht das diesjährige, wieder von den Dresdner Neuesten Nachrichten präsentierte Musikfest mit acht ausgewählten Konzerthöhepunkten bereits heute in den Vorverkauf.

Neugier wecken - das steht 2013 auch thematisch im Mittelpunkt. Das Motto "Die Welt zu durchsehen" ist einer Rückschau des Sagittarius auf seine Italienreise im Jahr 1609 entlehnt. Ein "junger, und die Welt zu durchsehen auch begieriger Mensch" sei er gewesen, als er sich in die fremde Welt Venedig begab. Schütz tat dies in einer Zeit faszinierender neuer Erkenntnisse: Im selben Jahr führte Galileo Galilei auf dem Turm von San Marco dem Dogen sein Teleskop-Fernrohr vor. Johannes Kepler veröffentlichte seine "Astronomia nova", sein bahnbrechendes Buch über unser Sonnensystem, knapp zwei Jahre später gab Hieronymus Megiserius eine vielgelesene Übersetzung der Reiseberichte des Venezianers Marco Polo heraus. Neugier auf Musik, daraus erwachsende Inspiration zu Eigenem, Offenheit und Toleranz, wie sie ein Reisender braucht - die Verbindungen aus der Schütz-Zeit hin zu unserem Blick auf seine und auf unsere heutige Welt sind vielfältig. Und sie knüpfen nicht zuletzt Berührungspunkte des Heinrich Schütz Musikfestes mit dem Themenjahr der Lutherdekade "Reformation und Toleranz".

Das Programm jedenfalls, dessen Veranstaltungen traditionell in den Schütz-Wirkungsstätten Bad Köstritz, Weißenfels und Dresden, zudem in Gera und erstmals in Zeitz stattfinden, präsentiert Ergebnisse von Schützens Italien-Aufenthalt ebenso wie Souvenirs anderer musikalischer Bildungsreisen oder das Tun musikalischer wie weltanschaulicher Grenzgänger.

Das beginnt mit den "Artists in Residence" 2013 - dem Ensemble Sette Voci unter Peter Kooij, die in drei Konzerten Schütz' "Italienische Madrigale" und "Cantiones sacrae" aufführen. Ebenfalls an drei Orten laden Bl!ndman [sax] und Bl!ndman [vox] zu ihrer ganz eigenen Sicht auf Schütz ein: Das belgische Saxophon-Quartett und seine singenden Kollegen geben dem respektvollen Blick auf die alten Klänge zukunftsweisende eigene Ideen bei. Zudem präsentieren sie die Uraufführung eines Auftragswerks des Komponisten Oliver Schneller, mit der das Musikfest seine 2012 begonnene Reihe "Kontrapunkt modern" fortsetzt. Vom Ergebnis der Italienreise des Weißenfelsers Kapellmeister Johann Philipp Krieger zeugt das Konzert der Rheinischen Kantorei und des Kleinen Konzerts unter Hermann Max, die in Weißenfels die "Marienvesper" von Alessandro Melani zu Gehör bringen. Achtes der jetzt in den Verkauf gehenden Konzerte ist der Abschluss des Festivals am 20. Oktober in der Dresdner Frauenkirche. Hier richten Collegium 1704 und Collegium Vocale 1704 unter Václav Luks den Blick auf den bedeutendsten böhmischen Komponisten des 17. Jahrhunderts - Adam Václav Michna, den sie zu seinem sächsischen Kollegen Schütz in Beziehung setzen. Nach diesem ersten Ausblick auf die Festtage wird das Gesamtprogramm im Juni präsentiert; dann beginnt auch der Vorverkauf für die restlichen Veranstaltungen.

iWanderausstellung "Klangraum Mitteldeutschland - Eine multimediale Zeitreise in die mitteldeutsche Barockmusik": Eröffnung heute, 16 Uhr, im Evangelischen Kreuzgymnasium Dresden (Dornblüthstr. 4)

www.mibamu.org.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.04.2013

Sybille Graf

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