Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Das Heinrich Schütz Musikfest 2014 widmet sich dem Thema "Musik und Politik"

Das Heinrich Schütz Musikfest 2014 widmet sich dem Thema "Musik und Politik"

"Eine herrliche Music anzuordnen" war und ist zu allen Zeiten beliebtes Mittel unter Machthabern, wenn es gilt, sich selbst zu feiern. Höfe stellten eigene Musiker an, Diktatoren ließen sich zu zackigen Liedern huldigen, ein omnipotener Präsident adelt seinen Wahlaufruf mit einer schönen Sopranistin.

Voriger Artikel
Bühne kann Spaß machen: Das Dresdner Festival "Kids on stage" im Festspielhaus Hellerau war ein Erfolg
Nächster Artikel
Semesterabschluss als Neustart: Das TU Sinfonieorchester musizierte unter neuer Leitung in der Lukaskirche

"Artist in residence" des Schütz Musikfestes 2014 ist Ars Nova Copenhagen.

Quelle: Ditte Capion

Dass der Musiker seinerseits gleichwohl beim Staate um angemessene Bezahlung meist kämpfen muss, ist auch nicht neu.

Wenn sich das Heinrich Schütz Musikfest 2014 unter oben angeführtem Zitat aus einem Traktat von 1639 dem Thema "Musik und Politik" widmet, will Intendantin Christina Siegfried vom veranstaltenden Verein Mitteldeutsche Barockmusik in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen (MBM) dies aber weit über die zunächst eher negative Konnotation hinausgehen sehen. Nicht nur, weil Werke wie Schützens "Psalmen Davids" zwar in staatspolitischem Zusammenhang entstanden, sich jedoch bald davon gelöst hätten, sondern auch, weil sie Politik als "Beziehung zwischen Menschen" verstehe. Etwa wenn abseits der Anstellung ein "Musicus" ein Klagelied auf den Tod eines Angehörigen sang oder auf des angesehenen Nachbarn Hochzeit spielte.

Auf solch weitem Feld also ackert das Dreiländer-Fest vom 10. bis 19. Oktober in 40 Veranstaltungen (plus 4 am Geburtstag Schütz' am 8. Oktober) in sechs Städten. Des Sagittarius Hauptwirkungsstätte Dresden steht mit 17 Veranstaltungen an der Spitze. Weißenfels, Bad Köstritz, Halle, Zeitz und Gera sind die weiteren Orte.

Den musikalischen wie programmatischen Auftakt gibt der diesjährige "Artist in residence: Ars Nova Copenhagen und Concerto Copenhagen unter Leitung von Paul Hillier. Der Blick nach Dänemark liegt auf der Hand, war doch Schütz Ende 1633 an den Kopenhagener Hof geholt worden, um die Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen Christian mit der kursächsischen Prinzessin Magdalena Sybilla zu leiten. Ein zweiter Aufenthalt in Kopenhagen folgte ein Jahrzehnt später.

Die dänischen Gäste gelten als die führenden Alte-Musik-Ensembles Skandinaviens. Zwei Programme haben sie im Gepäck: Während sie im Eröffnungskonzert am 10. Oktober in Bad Köstritz Werke von Schütz und Monteverdi mit solchen von dänischen Komponisten der klassischen Moderne und Gegenwart kombinieren, kommt Dresden am 11. Oktober in den Genuss, großbesetzte Werke u.a. aus den "Psalmen Davids" oder den "Symphoniae sacrae" in selten zu erlebender, von 30 Interpreten gebotener Klangpracht zu erleben.

Ebenfalls aus dem Königreich Dänemark - dessen Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Per Poulsen-Hansen, die Schirmherrschaft über das diesjährige Fest übernommen hat - kommt das Ensemble Spielgarten, das am 19. Oktober in der Schlosskapelle im Residenzschloss einen Eindruck davon vermittelt, wie verbreitet deutschsprachige geistliche Musik in Kopenhagen und überhaupt in Skandinavien war.

Mit dem vom französischen Ensemble Sagittarius gestalteten Sonderkonzert im Rahmen der Frauenkirchen-Bachtage ist ein ebenso hochkarätiger Abend zu erwarten, wie vom Auftritt des gefeierten Jazzers und Serpent-Virtuosen Michel Godard plus Ensemble in der Annenkirche, die mit der Begegnung zwischen Jazz & Schütz und Monteverdi einen weiteren Akzent in der Reihe "Kontrapunkt Modern" setzen. Eine Brücke zwischen den Jahrhunderten schlägt auch die erstmalige Zusammenarbeit mit dem Militärhistorischen Museum. Dort wird im Rahmen der Sonderausstellung "14 - Menschen - Krieg" der Dresdner Kammerchor mit Werken von Schütz, Maurice Ravel und Karl Amadeus Hartmann unter dem Titel "Friede anno 48" die Zusammenhänge von Gewaltgeschichte und Musikgeschichte beleuchten.

Schütz, sein Umfeld und seine Zeit nah ans Heute zu holen, dieses Ansinnen verfolgt das Musikfest in den letzten Jahren verstärkt auch mit Angeboten von der und für die heranwachsende Generation. Wiederum also gibt es Auftritte von Schülern des Schütz-Konservatoriums und des Dresdner Kreuzchores, wiederum steht eine spezielle Kinderveranstaltung (ab 8) im Plan: das von einer sehr musikalischen Maus erzählende Theaterstück "Heinrich & Heinrich". Zudem können Inhaber eines Schülerausweises für alle Konzerte Junior!_Tickets für fünf Euro erwerben.

Lukrative Ermäßigungen gibt es auch für das erwachsene Publikum, wenn beim Kauf von sechs Tickets zehn bzw. von zehn Tickets gar 15 Prozent Rabatt gewährt werden. Bei dem umfangreichen Programm, das durch einen Workshop und Führungen ergänzt wird, sind so viele Karten schnell zusammen.

Christina Siegfried hofft, den in den letzten beiden Jahren konstanten Besucherzuspruch von 5000 (entspricht einer Auslastung von 72 Prozent) auf 6000 Hörer heben zu können. Das 180 000 Euro umfassende Budget für das Fest speist sich aus 130 000 Euro Sockelfinanzierung durch die MBM plus Ticketeinnahmen und Gelder kommunaler und institutioneller Partner. "Das feste Netzwerk, über das wir mittlerweise verfügen, hilft uns sehr. Vorhandene und damit quasi ehrenamtlich zur Verfügung gestellte Logistik unserer Partner vor Ort (in Dresden der Dresdner Hofmusik e.V., d.A.) macht Dinge möglich, die andere Festivals teuer bezahlen müssen. Ein Programm in dieser Fülle und Vielfalt gäbe es sonst nicht", so die Intendantin. Nun ist es am Publikum, die Güte zu erkennen und die Fülle zu nutzen.

Schütz-Geburtstag: 8. Oktober: 19 Uhr Heinrich-Schütz-Residenz - Kammerkonzert Schütz-Konservatorium; 19.30 Uhr Annenkirche - "Aus der Tiefe rufe ich", Kantaten und Motetten von Bach, Bernhard, Schütz, Collegium 1704, Collegium Vocale 1704

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.07.2014

Sybille Graf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr