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Das Heinrich Schütz Musikfest 2014 ging mit einem Besucherrekord zu Ende

Das Heinrich Schütz Musikfest 2014 ging mit einem Besucherrekord zu Ende

War es der Ferienbeginn, der viele Familien schon auf dem Weg in den Urlaub sah? War's das schöne Herbstwetter, das sie noch nutzen wollten? Mögliche Erklärungen finden sich immer.

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Umjubelter Glanzpunkt war das Konzert mit Michel Godard in der Annenkirche.

Quelle: Nicole Meier/MBM

Trotzdem schade, dass sich in Dresden mit seinen für gewöhnlich bestens besuchten Kinderkonzerten etwa von Staatskapelle oder Philharmonie an diesem Nachmittag nur eine kleine Schar beim Angebot des Heinrich Schütz Musikfestes einfand. "Heinrich & Heinrich" im Societaetstheater - eine Koproduktion des Musikfestes mit dem Theater Naumburg - war ein kleines und sehr feines Stück über Kindheit und Jugend Heinrich Schütz' bis hin zu seinen ersten Schritten als etablierter Komponist. In Zeitz und Weißenfels, wo die Schulferien erst am kommenden Wochenende beginnen, hatte man vor ausverkauftem Hause gespielt...

Nun, Hans-Georg Pachmann ließ sich's nicht verdrießen. Der Schauspieler und Sänger mit Kenntnissen auch im Blockflötenspiel von Piccolo bis Bass, auf Zupfinstrumenten, im "Singen in die Trompete" und Reiten auf dem Geigenbogen brillierte im einstündigen Parforceritt in verschiedensten Rollen und erzählte so in der Regie und Ausstattung von Stefan Becker eine Geschichte aus alter Zeit wunderbar kurzweilig, so witzig wie spannend und mit manch lehrreichem Aha-Effekt gewürzt.

Nach einem Konzert des Countertenors Franz Vitzthum und seiner Mitstreiter mit "Himmels-Liedern" in der Loschwitzer Kirche und dem Auftritt Michel Godards und seines Ensembles in der Annenkirche fand das Heinrich Schütz Musikfest mit dem Gastspiel des dänischen Ensembles Spielgarten seinen Abschluss. Erstmals seit der Rekonstruktion des Schlingrippengewölbes ging das Festival damit auch wieder an jenen Ort, von wo aus unter Schütz' Leitung die sächsische Musiktradition eine über Grenzen hinweg Aufmerksamkeit heischende Entwicklung nahm: die evangelische Schlosskapelle im Dresdner Residenzschloss.

Noch einmal waren - in diesem Sinne - des Sagittarius' Aufenthalte in Kopenhagen Thema, wohin er zur Ausgestaltung von Hochzeitsfeierlichkeiten am dänischen Hof gerufen worden war. "Tysk I København" lautete der Titel des Programms, das erhellte, wie das hierzulande entstandene Repertoire zusammen mit der protestantischen Lehre den Weg nach Skandinavien fand. Nicht nur Schütz weilte in Dänemark (und komponierte dort z.B. einen Teil der zweiten Sammlung der "Symphoniae sacrae", deren gedruckte Fassung er dem dänischen Thronfolger widmete), auch seine Schüler Matthias Weckmann und Christoph Bernhard oder der Lübecker Buxtehude-Vorgänger Franz Tunder. Anderes Repertoire - Werke von Andreas Hammerschmidt, Johann Rosenmüller oder vom Leipziger Universitätsdirektor Werner Fabricius etwa - fand den Weg in den Norden, ohne dass deren Schöpfer je dort waren, wurden ihrer Beliebtheit und Praktikabilität in der Ausführung wegen fester Bestandteil des Repertoires der Kopenhagener Gemeindekirchen.

Aus diesem reichen Schatz also schöpfte das Ensemble Spielgarten, vier Sänger und sieben Instrumentalisten unter Leitung von Jonas Hunt Nørgard. Das 2004 gegründete Ensemble steht noch am Anfang der Wahrnehmung auch außerhalb Skandinaviens und hinterließ mit seiner unverbrauchten, Herzblut offenbarenden Musizierweise einen sympathischen Eindruck. Sicher ist nicht alles interpretatorisch schon ausgereift, aber mit diesem Niveau als Basis sind alle Voraussetzungen für einen erfolgreichen weiteren Weg gegeben.

Dass der intensivere Blick auf die Alte Musik offenbar kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern die Musik Schütz' und seiner Zeitgenossen immer wieder eine nachwachsende Generation zu verlocken vermag, war überhaupt einer der prägenden Eindrücke des diesjährigen Schützfestes. Der Altersdurchschnitt der Musiker jedenfalls lag bei vielen der gastierenden Ensembles ziemlich tief bei zugleich großer Ernsthaftigkeit im Umgang mit dem Metier.

Sie alle, großenteils zum ersten Mal, nach Mitteldeutschland geholt und damit dem hiesigen Publikum einen aktuellen Blick auf eine rege Szene ermöglicht zu haben, ist Verdienst eines sich im Profil weiter schärfenden Heinrich Schütz Musikfestes. Nicht von ungefähr verzeichnen die Veranstalter für die das Thema "Musik und Politik" beleuchtende Ausgabe einen Besucherrekord: Fast 5400 Gäste wurden in mehr als 40 Veranstaltungen in sechs Orten gezählt. Das entspricht einem Zuwachs von 1400 Hörern im Vergleich zum Vorjahr und einer Auslastung von rund 84 Prozent. "Das ist das beste Ergebnis, seit sich das Festival 2010 programmatisch wie organisatorisch neu aufgestellt hatte", resümiert Sprecher Carsten Gehrt. Für das Musikfest 2015 (1. bis 11. Oktober) kündigt er "die vielfältigen Beziehungen und gegenseitigen Inspirationen der Schwesterkünste Malerei und Musik" als Thema an. Artist in residence sollen dann die Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert unter Hermann Max sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.10.2014

Sybille Graf

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