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Das Gustav Mahler Jugendorchester machte in der Semperoper Station

Das Gustav Mahler Jugendorchester machte in der Semperoper Station

Als Claudio Abbado 1986 das Gustav Mahler Jugendorchester (GMJO) gründete, war es als Projektorchester für die talentiertesten Musikstudenten aus Österreich, Tschechien und Ungarn gedacht.

Auf des Dirigenten Initiative hin kamen 1988 erstmals junge Musiker aus der DDR dazu, der Fall der Mauer öffnete den Kreis noch mehr gen Osten, seit 1992 ist der Klangkörper gesamteuropäisch. Er darf als hochkarätige Talentschmiede für angehende Orchestermusiker gelten und heimst für seine emotionalen Konzerte überall auf den zwei Tourneen pro Jahr rauschende Ovationen ein.

Auch am Sonntagvormittag in Dresden, wo das GMJO seit 2009 auf Einladung der Sächsischen Staatskapelle alljährlich die Konzertsaison in der Semperoper eröffnet. In diesem Jahr war zwar Christian Thielemann 17 Stunden schneller, aber das steht einem neuen Chefdirigenten auch zu. Den konnten die nach Probespielen unter rund 2000 Bewerbern rekrutierten GMJO-Musiker aus 19 Ländern am Freitag in der Generalprobe zum Antrittskonzert bei der Arbeit mit der Kapelle beobachten - Startpunkt einer Intensivierung der Zusammenarbeit des traditionsreichen Dresdner Orchesters mit dem in Wien zentrierten Jugendensemble.

Dessen aktuelle Tournee, die nach Stationen u.a. bei den Salzburger Festspielen, beim Lucerne Festival und bei den Londoner Proms heute in Frankfurt/M. zu Ende geht, leitet Daniele Gatti. Und das Dresdner Publikum durfte sich - die zwar Wien in den Fokus rückende Programmauswahl wollte es so - über Reverenzen an die Elbestadt freuen. Das begann mit Wagner. Mit vollmundig-dunklem, vom ersten Moment an wunderbar organischem Streicherklang entwickelten sich das Vorspiel zum 3. Akt und der Karfreitagszauber aus dem "Parsifal".

Zum großen, fließenden Atem bildete die Feingliedrigkeit von Alban Bergs Violinkonzert einen starken, spannenden Kontrast; den Musizierstil entsprechend anzupassen gelang den Musikern brillant. Mit glasklarer Tonlichkeit, sinnlichem Klang und lebendiger Detailarbeit standen sie in hochkarätigem Miteinander mit Frank Peter Zimmermann. Der ist mit der ihm eigenen Verbindung von technischer Brillanz und Demut vor der Musik der ideale Solist für dieses so ernsthafte, von Tod, Erinnerung und Melancholie beeinflusste Konzert. Zimmermanns ausdrucksreiche Interpretation und das aufmerksame, von Gatti zurückhaltend geführte Spiel des Orchesters erreichten ihren Höhepunkt im berührenden, von wie aus einer anderen Welt herüberklingenden Klarinetten eingeleiteten Bach-Choral "Es ist genug".

Am Heimatort der Sächsischen Staatskapelle Strauss' "Rosenkavalier-Suite" zu spielen, heißt ein schweres Erbe anzutreten. Das GMJO tat dies selbstbewusst, mit einer Genauigkeit und Souveränität, die in jugendlich-kraftvoller Blüte stehen. Den ganz speziellen Strauss'schen Tonfall freilich - ob man ihn als Süffigkeit oder hintergründige Raffinesse versteht, ob man die nötigen Sandkörnchen im Walzerrhythmus-Getriebe oder das tonliche Glitzern meint - kann ein Orchester mit der Altersgrenze 26 wohl noch nicht haben. Zumal nicht unter einem Dirigenten wie Daniele Gatti, der zu den sehr durchdacht und präzise arbeitenden, in der Ausstrahlung aber eher zurückhaltenden Vertretern seiner Zunft gehört.

Interessanterweise funkelte der französische Walzerton in Ravels "La Valse" farbiger - vielleicht hätte es der Strauss-Suite gut getan, eine Dosis dieses impressionistischen Flairs einfließen zu lassen. Ein bisschen früh hob Gatti hier wie dort die Dynamik auf Anschlag; wie freilich die jungen Musiker den abschließenden Taumel im Ravel förmlich zelebrierten, fordert Respekt ab. Ebenso, mit welcher Ruhe sie in den dunklen Wagner-Samt zurückfanden: Das Vorspiel zum 3. Akt "Meistersinger" war Zugabe eines eindrucksreichen Konzerts.

Schon im November werden Mitglieder des GMJO wieder nach Dresden kommen. Dann musizieren im ersten Gemeinschaftsprojekt mit der Staatskapelle (in deren Reihen 14 Musiker mit GMJO-Vergangenheit sitzen) Instrumentalisten beider Orchester unter Vladimir Jurowski in der Frauenkirche.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.09.2012

Sybille Graf

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