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Das Folktrio Väsen begeistert in der Dreikönigskirche Dresden

Konzert Das Folktrio Väsen begeistert in der Dreikönigskirche Dresden

Ein „s“ im Namen kann einen großen Unterschied machen. Denn ein Andreas ist nun mal keine Andrea, eine Polska keine Polka, auch wenn der Namen dieses Tanzes belegt, welches Land da inspirierend war. Die Polska ist in der Tanzszene Schwedens allgegenwärtig.

Dresden. Ein „s“ im Namen kann einen großen Unterschied machen. Denn ein Andreas ist nun mal keine Andrea, eine Polska keine Polka, auch wenn der Namen dieses Tanzes belegt, welches Land da inspirierend war. Die Polska ist in der Tanzszene Schwedens allgegenwärtig. Die Vielzahl an Tanzfiguren und Spielweisen ermöglichen unzählige Tanzformen (Rundpolska, Slängpolska, etc.).

Die Mitglieder des Folktrios Väsen, einem Aushängeschild der skandinavischen Folkszene, sind obsessiv der Polska verfallen, den Großteil ihres Konzerts in der Dreikönigskirche bestritt die Gruppe mit Polskas. Nur einmal wurde definitiv ein Jig durchs Kirchenschiff „gejagt“, mal mit einem Walzer einem verstorbenen Freund die Reverenz erwiesen. Olav Johansson (Nyckelharpa), Mikael Marin (Bratsche) und Roger Tallroth, der aus seiner zwölfsaitigen Gitarre allerlei wunderbare Klänge zaubert, bescheren den Folk-Liebhabern einen ebenso hochkarätigen wie stimmungsvollen Abend. In der traditionellen Musik Schwedens werden Gitarre und Bratsche ja eher spärlich verwendet, aber letztlich hat sich die von Väsen praktizierte Kombination durchgesetzt, Väsen (das schwedische Wort hat mehrere Bedeutungen, etwa Wesen, Geist, Krach und Radau) begeistert seit nunmehr 26 Jahren die Fans, die den Sound, dessen Essenz der Zusammenhang der hohen kristallklaren Nyckelharpa mit der extra tief gestimmten Gitarre ist, zu schätzen wissen. Und da die im Deutschen mitunter als Schlüsselfiedel bezeichnete Nyckelharpa extrem viele Resonanzsaiten hat, ist Johannsson in der Lage, bei Bedarf einen geradezu „spacigen“ Sound zu produzieren. Zudem vermag es Tallroth, auf der Gitarre einen langsam auf oder abrollenden Klang zu erzeugen. Summa summarum ergibt das einen sanften, runden Höreindruck und irgendwo in der Mitte füllt dann die Bratsche den restlichen freien Platz.

Die Instrumentalmusik, mit der Väsen den Rest der Welt beglückt, reicht von der Gegenwart bis weit in die Vergangenheit zurück. Spannend: Manch Zuhörer hätte vermutlich das eine oder andere Stück aus längst vergangenen Tagen im Heute verortet, eine Reihe von Eigenkompositionen der drei Musiker hätte sicher auch schon im 19. Jahrhundert begeistert. Polskas und Walzer erklingen an diesem Abend, wie „Johans Vals“ aus der Feder Roger Tallroths, der wie seine Kollegen überhaupt ein ungemein kreativer Komponist zu sein scheint, wie die an diesem Abend gespielten Eigenkompositionen eindrucksvoll belegen. Mucksmäuschenstill ist es, als „Lilla Kulturbidragsvalsen“ erklingt, ein „kleiner, großer Walzer“, der pianissimo im Pizzicato dargeboten wird, einer Spielweise, bei der die Saiten nicht mit dem Bogen gestrichen, sondern mit den Fingern der rechten Hand, die normalerweise den Bogen führt, gezupft werden. Gänsehautgefühl! Aber voll!

Meist sind es zarte Klänge, die durch die Lüfte schweben und die Zuhörer betören, zu fortgeschrittener Stunde ist das Trio aber auch so frei, es auch mal es fast schon jazzig-schräg und rockig laut angehen zu lassen.

Christian Ruf

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