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Das Festival "Dresdner Anatomie" zeigte eine Vielfalt kurzer Kunststücke

Das Festival "Dresdner Anatomie" zeigte eine Vielfalt kurzer Kunststücke

AP 316 M ist ein Rumpfskelett, nur eine von über 1000 Nummern im Verzeichnis der Anatomischen Sammlung der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK). Sie umfasst bis zu 200 Jahre alte Präparate wie dieses - und rückte am Wochenende im Rahmen des Festivals "Dresdner Anatomie" in den Fokus junger Kunst von heute.

Der Studiengang Bühnen- und Kostümbild der HfBK bespielte dabei zum 250. Bestehen der Dresdner Kunstakademie den Gebäudekomplex in der Güntzstraße 34 vom Fahrradkeller bis in das Labortheater sowie das Oktogon am Georg-Treu-Platz drei Tage lang mit genreübergreifenden Performances, Konzerten und einer Raummodulation.

In Kooperation mit den beiden Hochschulen für Musik Carl Maria von Weber Dresden und "Felix Mendelssohn Bartholdy" Leipzig servierten die Studenten kleine, jeweils nicht länger als 30 Minuten dauernde, daher gut verdauliche Kunsthappen verschiedener Sujets. Im Kern dieses vielseitigen Festivalprogramms ging es um Kunst in Dresden - darum, wie Raum und Zeit die Kunst und den Menschen beeinflussen, und nicht zuletzt um die Frage nach der (eigenen) Vergänglichkeit.

Kernstück war das sehr gut besuchte performative Konzert "Anatomie zerlegen", bei dem sich die Schauspieler Anya Fischer und Benedikt Kauff mit dem Projektensemble Auditivvokal der Dresdner Musikhochschule auf Entdeckungsreise durch die Geschichte der Anatomischen Sammlung sowie deren Präparate begaben. Im intimen Rahmen der Rundbühne im Labortheater legten sie aus Briefen und Dokumenten aus dem Archiv, Videoaufnahmen von Anatomieprofessoren und mittels Musik Teile der Historie dieser Sammlung frei, sezierten diese mit Blick auf heutige Sichtweisen und verwoben sie vor dem andächtig lauschenden Publikum zu einem neuen, szenischen Ganzen.

Die Vergänglichkeit festhalten, indem man sie zeigt, ja sogar spürbar werden lässt, war auch ein Thema der Raummodulation +/- 107 von Susanne Hardt, Katharina Kreßler und Lukas Pohlmann, die einen L-förmigen Gang - zwischen Lehre und Museum - im ersten Obergeschoss der Güntzstraße nach seiner Historie befragten. Mit einer Flasche Sand ausgestattet, der wie die Zeit still verrinnt, konnten die Besucher den Nachlass dieses nur scheinbar unscheinbaren Raumes selbst erkunden - hatten dafür aber nur so lange Zeit, bis der Sand aus einem Loch am Flaschendeckel vollständig in den Raum gerieselt war.

Deutlichere Bezüge zum Heute stellte die Performance "a round me" der Koreanerin Jeeyoung Shin und des Komponisten Lorenz Grau her. Im Mittelpunkt einer im Kreis fahrenden Diashow mit Bildern von Dresdner Stadtansichten fragte die Künstlerin nach der Möglichkeit von Identität und Anpassung in der Fremde. Eine blonde Perücke, etwas Schminkpuder und eine Taschenlampe begleiteten diese nachdenkliche wie berührende Reise in die eigene Persönlichkeit, fern von der Heimat Südkorea, bei der sie auch ihr Publikum als äußeren Spiegel einbezog.

Im Oktogon der Kunstakademie am Georg-Treu-Platz platzten am Sonnabend vier Sängerinnen und zwei Trompeter von Auditivvokal mit einem Konzert in die Ausstellung "geradezu momentan" hinein. Mit passend auf die Architektur des Oktogons abgestimmten Kompositionen machten sie die Wechselbeziehungen zwischen Raum, Zeit und Kunst mit ihrer konzertanten Performance sogar hörbar und stellten die eigentlichen Ausstellungsexponate dabei knapp 15 Minuten lang in den Hintergrund, blieben die Besucher doch alle fasziniert stehen.

Die Vielfalt der an diesem Wochenende präsentierten Kunstformen in eine (anatomisch exakte) Schublade zu pressen, fällt im Rückblick jedoch schwer, und viel wäre über die neun wechselweise gezeigten jungen Kunststücke noch zu sagen. Das Gesamtbild der "Dresdner Anatomie" zeigte sich in jedem Fall so stimmig wie ihre Einzelteile vielfältig. Völlig zu recht dankten die Studenten daher in ihrem Abspann zu "Anatomie zerlegen" auch AP 316 M, trug dieses Rumpfskelett mit allen anderen anatomischen Präparaten doch ebenfalls (s)einen Teil zur Inspiration für dieses erquickende Kunstfestival bei.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.05.2014

Nicole Czerwinka

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