Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau macht den professionellen Tanz massentauglich

Das Europäische Zentrum der Künste Hellerau macht den professionellen Tanz massentauglich

Zwei Tänzer sitzen auf dem Boden und tun so, als würden sie Flöte spielen. Der dritte macht einen Kopfstand und bewegt sich schlangenartig zu dieser imaginären Musik.

Voriger Artikel
Der Dresdner Maler und Zeichner Stefan Plenkers wird heute 70
Nächster Artikel
Guter Erzähler: Jan Josef Liefers fand sein Publikum im Alten Schlachthof

Drei Verwandlungskünstler: Joseph Hernandez, Roderick George und Mami Kawabata (v.l.).

Quelle: Peter Fiebig

Die Beschwörung der Kobra ist eine der lustigsten Szenen bei "Floor on Fire", der zweiten Ausgabe des getanzten Wettkampfs "Battle of Styles" im Festspielhaus Hellerau. Damit versucht das Haus für den zeitgenössischen Tanz in etwa das, was der Poetry Slam einst für die Literatur wagte: die Öffnung in die leichter zugängliche Unterhaltung. Es ist ein Konzept, das mittlerweile so oder so ähnlich erfolgreich auf anderen Bühnen umgesetzt wurde und von dem sich auch für Dresden schon jetzt behaupten lässt, dass es sehr gut funktioniert.

Es sollen vermutlich viele Menschen angesprochen werden, die sonst nicht nach Hellerau rausfahren. Das beginnt beim Preis. Sechs Euro sind vergleichsweise wenig für das Europäische Zentrum der Künste Dresden, das kann sich vermutlich fast jeder leisten. Die beiden sich gegenüberstehenden Tribünen sind dann auch, genau wie beim ersten Mal, bis oben hin voll und lange vorher ausverkauft. Darauf sitzen 460 Menschen, die in den nächsten zweieinhalb Stunden zum Ballett Szenenapplaus oder bei einer besonders akrobatischen Tanzeinlage johlen werden. Vor einer Woche wurde hier an der Front zwischen DJ-Pult und Symphonieorchester gekämpft, nun verläuft der Graben zwischen klassischem Ballett, zeitgenössischem Tanz und Breakdance. Natürlich ist so ein Battle keine echte Kampfhandlung - alle eint die Anerkennung der anderen Profi-Tänzer. Es ist eher ein Versuch, die einzelnen Tanzformen in ihren zuweilen doch sehr unterschiedlichen Herangehensweisen miteinander sprechen zu lassen. "Floor on Fire" ist ein Experiment in tänzerischer Kommunikation. Musikalisch begleitet wird es von DJ Kid Cut, der ebenfalls die Grenzen verschwimmen lässt und von James Blunt bis zu Tschaikowskis Nussknacker-Suite und von den Backstreet Boys bis zu Moderat alles spielt, dem man einen guten Beat untermischen kann.

Die Kobra-Szene zeigen zwei Breakdancer und ein zeitgenössischer Tänzer. Es ist einer von mehreren Choreografieeinfällen. Viel Zeit für Absprachen bleibt jedoch nicht, es soll vor allem spontanes Mit- und Gegeneinander sein. Am Anfang werden insgesamt 16 Tänzer vorgestellt und in vier Gruppen aufgeteilt. An diesem Abend sind das die Gruppe "Ballett" mit Tänzern aus dem Semperoper-Ensemble und einem Hallenser Ballett, zwei "Contemporary"-Gruppen mit Forsythe-Ensembletänzern und Freien aus Dresden, Görlitz und Prag sowie die Gruppe "Breakdance", vertreten durch vier B-Boys von den amtierenden deutschen Meistern im Breakdance, "The Saxonz". Die Gruppen sind international bunt durchmischt, was für Dresden schon mal Gutes tut, bevor irgendwer überhaupt auf die Matte steigt. Dann treten sie gegeneinander an, in ausgelosten Kombinationen, nach einem System, das, wie auch beim Poetry Slam, nicht verhindern kann, dass sehr gute Tänzer rausfliegen, durch Gruppenwertungen der Jury, die mit im Publikum sitzt und angeleuchtet wird, wenn sie den Arm nach rechts oder links bewegen und damit entscheiden muss, wer bleibt.

Bleiben dürfen nur zehn. Leider stellt sich schnell ein Ungleichgewicht zwischen Breakdancern und den anderen ein. Denn alle vier "Saxonz" kommen in der ersten Runde weiter, was auch daran liegt, dass sie sich, weil sie als Gewinner einen von den Verlierern auswählen können, für einen von ihrer Crew entscheiden. Nicht zum Vorteil für die Abwechslung. Denn gerade die B-Boys haben ihre Probleme damit, sich den anderen Genres zu nähern, da sie choreografisch in ihrer Akrobatikwelt festhängen, die immer wieder beeindruckt, jedoch den Dialog mit den Gegnern und den anderen in der Gruppe häufig vermissen lässt. Auch bei den Balletttänzern merkt man, sie können nicht so leicht aus ihrer Haut. Erwartungsgemäß fällt es vor allen den zeitgenössischen Tänzern bald leichter, mit allen zu kommunizieren, da sie sowieso eher intuitiv an ihren Tanz herangehen und sich wunderbar einlassen können auf das, was um sie herum geschieht. Erwähnenswert an dieser Stelle ist Joseph Hernandez, als Balletttänzer angetreten, aber schon bald ist er derjenige, der sowohl die graziösen Pirouetten und den Spitzentanz drauf hat, aber auch so was von "contemporary" ist und selbst die Powermoves der B-Boys aufnimmt und immer mal wieder in seiner eigenen, poetischen Sprache beantwortet. Auch dem B-Boy Robby "Easy One" Schlabs und den zeitgenössischen Tänzern Mami Kawabata, Takuya Fujisawa und Roderick George schaut man unglaublich gern dabei zu, wie sie sich Battle für Battle ein bisschen mehr vereinen mit ihrem Gegner und ihn dabei immer wieder gewitzt zum Tanz auffordern.

Im September 2015 ist die nächste "Floor on Fire - Battle of Styles" geplant.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.04.2015

Juliane Hanka

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr