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Das Erik Truffaz Quartett spielt mit neuer CD im Dresdner Jazzclub-Tonne

Haltlos in der Welt Das Erik Truffaz Quartett spielt mit neuer CD im Dresdner Jazzclub-Tonne

Er beherrscht den Flow. Das Fließen. Den Tanz der Elemente, die auf den Familiennamen Jazz, Ethno, Fusion hören. Erik Truffaz ist angstfrei dem Mischen gegenüber. Mit der Trompete muss er körperlich präsent sein, weshalb soll er nicht auch unterfüttern und gleich gar nicht elektronisch, rockig, psychedelisch, popnah?

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Virtuos: Erik Truffaz.

Quelle: Foto: PR

Dresden. Er beherrscht den Flow. Das Fließen. Den Tanz der Elemente, die auf den Familiennamen Jazz, Ethno, Fusion hören. Erik Truffaz ist angstfrei dem Mischen gegenüber. Mit der Trompete muss er körperlich präsent sein, weshalb soll er nicht auch unterfüttern und gleich gar nicht elektronisch, rockig, psychedelisch, popnah? Truffaz spielt liebend gern lyrisches Horn, stopft sein Instrument oder lässt es frei von jeglicher Manipulation – auch hier will er sich nicht festlegen lassen. Sonst wäre es kein Flow.

Erik Truffaz ist 55 Jahre alt, Franko-Schweizer, aber im Herzen und der künstlerischen Ausrichtung Weltenbürger. „Doni Doni“ (Parlophone/Warner), die gerade erschienene CD, ist seine 20. Edition. Doch als Truffaz allein wollte er auch die nicht herausgeben. So wie er schon vor 25 Jahren mit Kollegen begonnen hatte.

Wenn „Erik Truffaz Quartet“ auf der Hülle steht, dann ist garantiert auch ein Quartett drin. Mindestens. Was meint: Die Stücke entstehen konsequent kollektiv, Truffaz selbst ist daran im gleichen Maße beteiligt wie die Gäste oder der Stamm um Benoit Corboz (Tasten), Marcello Giuliani (Bass) und Arthur Hnatek (Drums, Programming), der neuer Rhythmiker, der den langjährig involvierten Mark Ebetta abgelöst hat. Es ist die Truffaz-Band. Und genau die kommt in dieser Besetzung auf 2016er Tour in die Tonne.

„Doni Doni“ ist Bambara, die Sprache Malis. Es bedeutet „Schritt für Schritt“ und taugt zum Motto dafür, wie diese CD entstanden ist und wie sie sich akustisch präsentiert. Die Vermutung liegt nahe, Erik Truffaz sei mit seinen Männern in Nordafrika gewesen, hätte sich dort mit einheimischen Musikern eingeschlossen und die Stücke eingespielt, sei also einer Arbeitsweise gefolgt, die viele europäische und amerikanische Künstler in den letzten Jahren für sich entdeckt haben. Chris Eckmans Dirtmusic mag als Beispiel genügen.

Nicht so Truffaz! Sein Flow bedeutet, zwei malische Musiker zu „entführen“ und damit auch Zutaten ihres Kulturkochkreises. Es gibt auf „Doni Doni“ also kein klar zuzuordnendes Material, keine Adaptionen von Volksmusik. Besonders die nach Mali heimgekehrte Sängerin Rokia Traoré, die im März mit „Né So“ ihr sechstes eigenes Album herausbringt, wird in vier Stücken vorzüglich gebettet. Landsmann Oxmo Puccino bekommt im abschließenden Bonus-Track „Le Complément du verbe“ eine Art Rap, der nun wirklich wie die Verzierung einer „Torte“ wirkt, das Gesamtkonzept der Platte nicht zerstört, nur betont.

„Doni Doni“ war schon zuvor fertig. Denn einen besseren Abschluss als den Folk-Blues „Seydou“ hätte es nicht geben können. Meisterhaft in Sachen Arrangement, wird hier ein Banjo (!) neben Traorés präsente Stimme setzt. Sie vertragen sich trefflich. Und mit „Comptine“ beginnt die CD so nüchtern und trotzdem aufgeregt, wie man daheim eine Tasche packt, geht es auf Reisen.

Aufgenommen wurde in Brüssel, gemischt und gemastert in Lausanne. Auch das ist ein Statement. Es soll nicht folklorisierend sein, nicht anbiedernd an fremde Kulturen, sondern integrierend in eine künstlerische Haltung, die klar westlich ist und dabei offen genug. Rokia Traoré kommt und geht, als wäre sie zu Besuch. Dieses stringente Konzept der CD führt dazu, dass „Doni Doni“ ohne Mühe live spielbar ist, denn die Sängerin wird meistens fehlen. Schade, aber Faktum!

Hier treiben die Grooves, herrlich gezogen auch von Hammond und Fender Rhodes, dort misst Truffaz‘ Trompete einfach poetische Räume aus, wobei er selbst nie zeigen muss, dass er als Handwerker auch den Meisterbrief hat. „Djiki’n“ ist ohne Scheu ein Hit, beginnt mit feinem afrikanischen Mundklavier und Stimme, auf die sich Truffaz‘ zarte Trompete setzt, um später mit der ganzen Band – eben – im Flow zu enden.

Erik Truffaz hat mit Hip Hop experimentiert und die Sängerin Sophie Hunger engagiert. Er „möblierte“ seine Musik mit DJ-Pult und Drum’n’Bass. Er will den Norden Europas, den Trubel Südamerikas und Indiens, die Bremse Asiens. Und am kommenden Freitag will er den Jazzkeller Dresdens.

Erik Truffaz Quartet, Freitag, 21 Uhr, Jazzclub Tonne

Von Andreas Körner

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