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Das Erich Kästner Museumsfestival Dresden zieht eine Verbindungslinie zum heiligen Hieronymus

Begegnungen Das Erich Kästner Museumsfestival Dresden zieht eine Verbindungslinie zum heiligen Hieronymus

Das Erich Kästner Museumsfestival 2016 beginnt am 11. Februar mit einem Prolog. Zum Auftakt gibt es eine #WOD-Veranstaltung „Kästner International“ für Neu- und Altdresdner im Literaturhaus Villa Augustin. Zum Programm des Festivals ab 23. Februar gehören Beiträge aus Literatur, Bildkunst, Musik und kultureller Praxis.

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Dem Gemälde „Der hl. Hieronymus im Gehäus“ von Antonello da Messina nachempfunden hat Ruairi O’Brien das Piktogramm

Quelle: Erich Kästner Museumsfestival

Dresden. Erich Kästner (1899-1974) und der heilige Hieronymus (347-420) – sollten sie tatsächlich etwas miteinander zu tun haben? Man stutzt und rätselt zunächst, erfährt man, dass dies das Thema des Dresdner Erich Kästner Museumsfestivals ist, das vom 23. bis 25. Februar dauert, aber bereits am 11. Februar mit einem Prolog beginnt. Doch gibt es sie, die Verbindungen. Eine ist das Konzept des Museums.

Mit dem inzwischen markenrechtlich geschützten Begriff „micromuseum“ hat Architekt Ruairi O’Brien, Vorsitzender des Fördervereins, es nach seiner Gründung 1999 beschrieben. Ganz klein anfangen und Stück für Stück wachsen, hieß das Prinzip. Im Raum verteilt stehen heute schmale hölzerne Regalsäulen mit vielen Schubfächern. Das mag Ruairi O’Brien an jenes Gemälde erinnert haben, das der Italiener Antonello da Messina (um 1429-1479) im Jahr 1474 malte: „Der hl. Hieronymus im Gehäus“. Jedenfalls nahm er das Bild als Vorlage für eines seiner 15 Piktogramme für das Museum.

Zudem gibt es eine geistige Klammer: „Dieses Humanitas-Konzept des Hieronymus reicht über Renaissance und Aufklärung bis hin zu Kästner“, sagt Museumschefin Andrea O’Brien. Auch diese Art eines dem Volk zugewandten Gelehrtentums, dazu das Interesse an Literaturwissenschaft hätten sowohl der antike Kirchenvater als auch der populäre Schriftsteller praktiziert.

All diese Verbindungslinien werden einem als Besucher in der neuen Kabinett-Ausstellung dargestellt. Da lernen wir Hieronymus kennen als jenen spätantiken Theologen und Gelehrten, der die Bibel ins Lateinische übersetzte, jene „Vulgata“, die Heilige Schrift der christlichen Kirche. Gelebt haben soll er als Einsiedler in Syrien. Da denken wir heute sofort an Flüchtlinge. Auch dieses brisante Thema soll vorkommen. Um Vorstellungen von Nationalkultur und Migration soll es gehen.

Deshalb eröffnen Geflüchtete und Dresdner das Festival am 11. Februar mit „Kästner international“, einer Lesung von Texten des Schriftstellers unter anderem auf Arabisch, Deutsch, Farsi, Türkisch und Urdu. Übersetzt sind seine Bücher in immerhin 70 Sprachen.

„Erich Kästner und der heilige Hieronymus“

11. Februar: 19 Uhr: Prolog I, „Kästner International“, Lesung auf Deutsch und andere Sprachen; Folgeveranstaltung von „meet new friends – Begegnungsfest für Refugees und Leute von hier“

12. Februar: 17 Uhr, Messe Dresden, Halle 1, Prolog II, Führung und Gespräch mit Ruairi O’Brien an dessen Gedenkwand „Slaughterhouse Five“ zum Originalschauplatz von Kurt Vonneguts Anti-Kriegsroman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“; Anmeldung unter Tel. 0351 / 8996888

23. Februar: 19 Uhr, Eröffnung der Kabinettausstellung mit musikalisch-literarischem Programm „Der tägliche Kram“

24. Februar: 19 Uhr, Friedrich Dieckmann spricht zu „Kulturnation und Nationalkultur - von alten und neuen Herausforderungen“in Vortrag und mit Moderator Hans-Peter Lühr

25. Februar: 19 Uhr, Bildvortrag von Ruairi O’Brien zu „Als ich ein kleiner Junge war – Kästners Stadt vor 1945. Literatur als Architekturbarometer der Zeit“ gä

Ort: (bis auf Prolog II) Erich-Kästner-Museum in der Villa Augustin, Albertplatz / Antonstr. 1; Tel. 0351 / 8045086

www.erich-kaestner-museum.de

Zum Start der Kabinettausstellung am 117. Geburtstag Kästners, dem 23. Februar, gibt es ein musikalisch-literarisches Programm mit Kästner-Texten. Die trägt Thomas Kressmann vor, als freiberuflicher Schauspieler quer durch die Bundesrepublik unterwegs. Dazu spielt das „Mercurios-Duo“ mit Alexander Köhler (Klavier) und Christoph Geibel (Violine).

„Kulturnation und Nationalkultur – von alten und neuen Herausforderungen“ hat Friedrich Dieckmann seinen Vortrag überschrieben (24. Februar). Im Mittelpunkt steht sein noch unveröffentlichter Essay, in dem er einen Deutungsversuch über deutsche Selbstbestimmung in der Krise vornimmt: Gibt es in der globalisierten Welt noch eine Nationalkultur? Der Schriftsteller und profunde Essayist Dieckmann, Jahrgang 1937, lebt heute in Berlin.

Ein Bildvortrag von Museumsarchitekt Ruairi O’Brien schließt das Festival ab (25. Februar). Unter dem Titel „Als ich ein kleiner Junge war – Kästners Stadt vor 1945. Literatur als Architekturbarometer der Zeit“ spricht er über Erinnerungskultur in Dresden und das bürgerschaftliche Engagement für weltoffenes, nachhaltiges Denken.

www.literaturhaus-dresden.de

Von Tomas Gärtner

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