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Das Ensemble La Vie präsentierte mit "Tiefpunkt Hochzeit" einen komischen Theaterversuch frei nach Anton Tschechow im Projekttheater

Das Ensemble La Vie präsentierte mit "Tiefpunkt Hochzeit" einen komischen Theaterversuch frei nach Anton Tschechow im Projekttheater

Eine Komödie, die mit einer Hochzeit endet, ist der Anfang einer Tragödie. Diese Erkenntnis verdanken wir dem englischen Schriftsteller George Bernard Shaw, der 1898 beschloss, gemeinsam mit Charlotte Payne-Townshend die Tragödie zu beginnen.

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Natàlia Stepànowna (Anja Neukamm) und Iwàn Wassiljitsch Lómow (Timo Hastenpflug) reden in ihrer Ehe regelmäßig aneinander vorbei.

Quelle: Paul Voigt

"Tiefpunkt Hochzeit" ist nun der Titel einer Produktion des Ensembles La Vie, die im Projekttheater Premiere hatte, wobei es René Rothe war, der diesen "komischen Theaterversuch" frei nach Anton Tschechow in Szene setzte. Drei komische Einakter des russischen Arztes und Autors standen Pate: "Der Heiratsantrag", "Der Bär" und "Die Hochzeit". Alle drei Stücke, die Tschechow selbst lediglich als "Scherz" oder "dämliches Vaudevillechen" speziell für die Provinz bezeichnete, sind sie heiter wie tiefgründig, ein Markenzeichen der Werke Tschechows und mit ein Grund, weshalb sie heute immer noch gern gespielt werden.

Im Großen und Ganzen bereitet es Vergnügen zuzusehen, wie Anja Neukamm und Timo Hastenpflug auf der Bühne aneinander vorbeireden und -fühlen, sich wechselweise bezirzen und beharken. Man erkennt (sich) nur zu schnell: Der Mensch ist unfähig, das Glück zu erkennen, jederzeit bereit, sich über Nichtigkeiten zu ereifern.

So über die Ochsenwiesen. Keiner braucht sie, jeder ist "natürlich" bereit, sie selbstlos dem anderen zu überlassen, aber ihm geht's ums "Prinzip", sie "empört die Ungerechtigkeit". Alle Mittel werden beim Kampf um diese dämlichen Wiesen eingesetzt: Neukamm schwenkt als Natàlia Stepànowna zur Bekräftigung ihrer mit säuselndem Flehen vorgetragenen "Argumentation" den Hintern, der sich etwas zu oft verhaspelnde Hastenpflug spielt als hypochondrischer, donnernd aufbrausender Gutsherr Iwàn Wassiljitsch Lómow seine Körperlänge aus. Letztlich kriegen sie, was sie verdient haben: den jeweils anderen. Abzusehen ist, dass zu dieser Ehe der Streit gehört wie das Salz zur Suppe. Schon Tschechow wusste, was im Programmheft auch zitiert wird: "Eine Krise kann jeder Idiot haben. Was uns zu schaffen macht, ist der Alltag." Aber gut, die Ehe gilt nicht umsonst als einzige lebenslängliche Verurteilung, bei der man auf Grund schlechter Führung begnadigt werden kann.

Immer wieder treten Neukamm und Hastenpflug aus der Rolle heraus, fordern vom Beleuchter ein anderes Licht, streiten sich "in echt", wie eine Szene zu spielen sei. Manche Idee wirkt etwas aufgesetzt, arg bemüht im Streben nach Unkonventionalität. Dass die Zuschauer sich nach der Pause auf der Bühne befinden, sie von dort aus den jeweils in Textbuch in Händen haltenden Schauspielern bei der "Probe" ("Gib mir Sturm", "Gib mir Poesie") zuschauen dürfen, entlockt zumindest gestandenen Theaterfreunden nur noch ein müdes Gähnen. Da hadert man, so wie der Gutsbesitzer Grigóri Stepànowitsch Smirnow mit der weiblichen "Korsettlogik", mit der Regielogik. Die Idee, Annett Lousians Lied "Das alles wär' nie passiert ohne Prosecco" einzuspielen, ist hübsch, aber man kann es auch übertreiben - leider wurde es auch. Aber zum Glück überwiegen die guten Einfälle. Und die famos ausgespielten Momente, bei denen man über die Absurdität der Situation(en) und die Schrullen der Figuren lachen oder zumindest schmunzeln muss. Christian Ruf

nächste Vorstellung: Sonntag, 20 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.04.2012

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