Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Das Dresdner Streichquintett im 2. Kammerkonzert

Das Dresdner Streichquintett im 2. Kammerkonzert

Für die Besetzung des Streichquintetts mit Kontrabass ist Zuwachs im schmalen Repertoire willkommen. Also durfte man sich freuen, dass das Dresdner Streichquintett, das sich vor 15 Jahren mit dem Anspruch ambitionierten Musizierens gründete, zum kleinen Jubiläum mit einer Neuigkeit aufwartete.

Auch wenn diese schon fast 200 Jahre alt ist. Barocke Ausgrabungen sind fast alltäglich, solche aus der Klassik dagegen rar. Mit der Neuentdeckung am Beginn des 2. Philharmonischen Kammerkonzerts im Schloss Albrechtsberg zeigten die Musiker beiläufig, dass sie ihrem Anspruch treu geblieben sind. Das Understatement, mit dem Primarius Wolfgang Hentrich das Jubiläum erwähnte, spiegelte auch die Idee, mit der das Dresdner Streichquintett (Wolfgang Hentrich, Alexander Teichmann, Violinen; Michael Horwath, Viola; Matthias Bräutigam, Violoncello; Tobias Glöckler, Kontrabass) spielte: ohne den vordergründigen Effekt zu suchen, dagegen stets mit eleganter Klangauffassung am Tiefgang der Interpretation arbeitend.

Das in der British Library überlieferte "Famous Solo" fis-Moll für Kontrabass und Streichquartett des Kontrabassvirtuosen Domenico Dragonetti (1763-1846) war besagte Entdeckung. Das im Kern ernste, zweisätzige Stück erwies sich als charmantes, auch mit freundlichen Zügen ausgestattetes Werk, das seinem Solisten überlegenes Können abverlangt. Nicht nur die Fähigkeit, sich mit dem dominanten Instrument ins Ensemble einzufügen und doch präsent zu sein, erfüllte Tobias Glöckler ganz selbstverständlich. Die breite Palette des Ausdrucks, die Dragonetti auf engem Raum abhandelt, erfuhr eine intensive, lebhafte Umsetzung. Das Werk ließe sich sicher auch mit vielen Äußerlichkeiten zum Spaß des Publikums untersetzen, aber darauf verzichteten Glöckler und seine Kollegen wohlweislich.

Als Nachzügler des verstrichenen Jubeljahres folgte Giuseppe Verdis einziges Instrumentalwerk, das Streichquartett e-Moll. Stilistisch von Dragonetti ein halbes Jahrhundert entfernt, wandelte sich hier auch Wiedergabe stark. Denn obgleich bei Verdi der leichte italienische Ton gelegentlich durchscheint, lagen die Musiker mit ihrer zurückgenommenen, dunklen Auffassung des Quartetts ganz richtig. Die Balance von Ruhe, kraftvoller Färbung und emotional durchdrungener, doch nie überfrachteter Dramatik trug durch alle vier Sätze.

Als fleißiger, dilettierender Komponist genoss George Onslow (1784-1853) bei Zeitgenossen den Ruf, nicht sonderlich viel Dramatik zu entfalten. Die Musik des englisch-französischen Adligen, dessen Quartette und Quintette in seiner Generation beliebt, später vergessen waren, ist dennoch stärker, als gern befunden. Das Quintett Nr. 20 d-Moll op. 45 mit Kontrabass anstelle des zweiten Cellos - wie es bei der Uraufführung mit dem berühmten Domenico Dragonetti erklang - spielte das Dresdner Streichquintett mit stetig wachsender Expressivität. Darin konnten die poetischen Nuancen des langsamen Satzes ebenso schön wirken, wie das Finale ohne bravouröse Allüren auskommen durfte.

Wiederholung des 2. Kammerkonzerts am 15. Januar, 20 Uhr im Kronensaal von Schloss Albrechtsberg

www.dresdnerphilharmonie.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.01.2014

Hartmut Schütz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr