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Das Dresdner Hegenbarth-Haus widmet sich Wols' druckgrafischem Werk

Das Dresdner Hegenbarth-Haus widmet sich Wols' druckgrafischem Werk

Nahezu parallel zur Will Grohmann gewidmeten Ausstellung "Im Netzwerk der Moderne" im Lipsius-Bau (DNN berichteten) rückt das Kupferstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden nach der - auch persönlichen - Beziehung des bedeutenden Kunstkritikers zu Josef Hegenbarth dessen Wertschätzung für Wols (1913-1951) in den Fokus.

Erinnert sei in diesem Zusammenhang, dass bereits 2001 eine Ausstellung mit Aquarellen und Zeichnungen des als Alfred Otto Wolfgang Schulze geborenen Künstlers in Dresden gezeigt wurde. Und schon 1992 hatte das Gemälde "Auberginefarbene Komposition" (um 1947) des als Mitbegründer des Informel geltenden Künstlers dank einer Schenkung Einzug in die Galerie Neue Meister gehalten.

Die kleine, im Hegenbarth-Haus gezeigte Schau unter dem Titel "'Mit allen Sinnen beteiligt'. Wols' druckgrafisches Werk - von Will Grohmann gesehen" stellt die Verbindung zweier Persönlichkeiten her, die zu unterschiedlicher Zeit Dresden verließen, um andernorts freier atmen zu können. Es ist durchaus möglich, dass sie sich einst begegneten - wahrscheinlich ohne groß voneinander Notiz zu nehmen. Denn beide verkehrten im selben Kreis von Kunstinteressierten um Ida Bienert. Der eine, Wolfgang Schulze, war damals noch ganz jung und mit Fritz Bienert befreundet, der andere, Will Grohmann, war bereits Gymnasiallehrer und als Kunstkritiker tätig.

Schulze, in Berlin geboren, durch die Berufung seines Vaters zum Chef der Staatskanzlei als kleines Kind nach Dresden gekommen, kam mit Kunst bereits durch sein Elternhaus in Berührung. Er lernte Maler wie Ludwig von Hofmann, Robert Sterl, Conrad Felixmüller und Otto Dix kennen, besuchte 1926 die "Große Internationale Kunstausstellung" und jene zum 50. Geburtstag Paul Klees. Früh begann er zu fotografieren, arbeitete im Atelier von Genia Jonas, wurde von Hugo Erfurth gelobt. Das Jahr 1933 brachte auch für Wolfgang Schulze den großen Einschnitt. War er 1932 mit einer Empfehlung von Laszlo Moholy-Nagy nach Paris, das damalige Zentrum der internationalen Moderne, gereist, so entschloss er sich - in Deutschland hatte sich die Nazi-Diktatur etabliert - Mitte 1933 endgültig zum Bleiben in der französischen Hauptstadt. Ein schwieriges, unstetes Emigrantenleben begann, das nichtsdestotrotz von produktiver künstlerischer Arbeit geprägt war - als Fotograf, als Zeichner, Schöpfer von Aquarellen, Grafiker (etwa ab 1942) sowie ab 1944 als Maler.

In der frühen Nachkriegszeit mag Will Grohmann vielleicht erstmals explizit auf den Künstler Wols - diesen Namen hatte sich Wolfgang Schulze ab 1935 zugelegt, auch weil er dann nicht so schnell als Deutscher erkennbar war - gestoßen sein, widmete er sich doch schon bald nach 1945 den deutsch-französischen Kulturbeziehungen. Wols hatte in den wenigen Lebensjahren, die ihm noch blieben - 1951 erlag er nach einer erfolgreichen Alkoholentziehungskur einer Fleischvergiftung -, zunehmend Erfolg gehabt, vor allem auch mit seinen Ölbildern. Ebenso trat er als Illustrator hervor. In diesem Zusammenhang entstanden großteils auch seine 53 Kaltnadelradierungen. Grohmanns Verdienst ist es, dass er dieses kleine grafische Werk erforschte und in der in Brüssel herausgegebenen Zeitschrift "Quadrum" (Heft 6, 1959), deren Redakteur er seit 1955 war, publizierte. Ebenfalls 1959 schrieb er dazu ein Katalogvorwort für die Galerie Europe (Brüssel, Paris).

Die Ausstellung im Josef-Hegenbarth-Haus erinnert an diese Wertschätzung Grohmanns für Wols. So findet man das "Quadrum-Heft" mit dem Werkverzeichnis, ebenso Bücher, die der Künstler illustrierte, Fotografien und Grafiken aus dem Bestand des Kupferstich-Kabinetts. Letztere stammen teils von posthumen Auflagen. Unter anderem hatte Grety Wols 1955 der Kölner Galerie Spiegel für die erste Wols-Ausstellung in Deutschland die Platten für eine 100er Auflage überlassen. Andere Nachdrucke entstanden 1962. Im Zusammenhang mit Büchern, etwa René Soliers "Naturelles" (Paris 1946) stehen Arbeiten wie die eigentlich titellose "Große Raupe", was in Klammern zu lesen ist. Charakteristisch für diese wie für alle Radierungen ist das feine Lineament, dessen "Striche wie Flimmerhaare (sind), die mit magnetischer Kraft Formbares anziehen", wie Grohmann formulierte. "So entstehen Gestalten, die nur scheinbar etwas sind, was wir kennen. Das wäre nicht so neu, wenn Wols es nicht vermöchte, zu seinem Ziel zu kommen, zu einem Resultat, das wie eine flüchtige Andeutung aussieht und dennoch präzis ist, im Ganzen wie im Einzelnen", so der Kritiker weiter in besagter Zeitschrift. Außer zu Werken von Solier entstanden solche "Gestalten" auch zu Sartres "Visages" (1948), etwa ein "Portrait". Mit dem Philosophen war Wols seit 1945 gut bekannt. Aber auch Werke von Kafka und Artaud beschäftigten ihn.

Zu guter Letzt trifft der Besucher noch auf den Künstler selbst: Es sind mehrere fotografierte Selbstbildnisse, aufgenommen 1936/37. 1937 hatte der Fotograf Wols auch seinen ersten größeren, gut dotierten Erfolg, war er doch der offizielle Fotograf für den Pavillon de l'Elégance der Pariser Weltausstellung, dessen Aufnahmen große Verbreitung fanden. Lisa Werner-Art

bis 28. Oktober, geöffnet immer So 15-18 Uhr, Do nach Vereinbarung (Voranmeldung unter Tel. 49143211), Kuratorenführung Do 25. Oktober, 11 Uhr.

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2012

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