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Das Dresdner Festival szene: Europa muss 2015 ausfallen

Das Dresdner Festival szene: Europa muss 2015 ausfallen

Das Dilemma ist kein übergroßes, trotzdem war es absehbar. Eine Frage des Geldes und kommunaler Entscheidungswege. All das führt in diesem Jahr dazu, dass ein Festival pausieren wird: szene: Europa im Societaetstheater und im Festspielhaus Hellerau, geplant für das Frühjahr, wird es 2015 nicht geben, die damit verbundene Vorstellung der zeitgenössischen Off-Theater-Szene Portugals auch nicht.

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Andreas Nattermann

Quelle: Archiv

Doch aufgeschoben soll in diesem Fall nicht aufgehoben sein. Und Andreas Nattermann, Geschäftsführer des Societaetstheaters, will auch gar kein Lamento anstimmen, im Gegenteil.

Dabei hätte er einigen Grund dazu. Bis Mitte Dezember 2014 musste er von einem städtischen Zuschuss für sein Haus ausgehen, der um 50 000 Euro unter dem des Vorjahres lag, bei gleichzeitigem Anstieg aller Kosten, von Energie bis Mindestlohn. Dass der neue Stadtrat dann schließlich ganz anders befand und dem Societaetstheater im Gegenteil 50 000 Euro mehr bewilligte, freute Nattermann genauso wie die freien Theatermacher, die sich regelmäßig bei ihm tummeln. Nur für die Organisation des besagten Festivals kam die Zusage schlicht und ergreifend zu spät, vor allem, weil der Planungsvorlauf für szene: Europa immer wieder ein stramm zu stemmender ist.

"Wir haben also den Festivaljahrgang gekappt, in Absprache mit Hellerau ebenso wie mit der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank", erzählt Nattermann. Die gute Nachricht: Das dafür gedachte Geld verfällt aber nicht, sondern kommt den freien Gruppen zugute, die regelmäßig am Societaetstheater ihre Neuproduktionen vorstellen, wie Cie. Freaks & Fremde, Theater La Lune oder shot AG. Sie sollen jetzt je ein neues Projekt im Jahr auf die Beine stellen, wenn alles klappt, auch noch zwei weitere Jahre. So wird aus dem Verlust des Festivaljahrgangs ein Gewinn für das Tagesgeschäft.

Das andere Festival, das im Haus ausgerichtet wird, Off Europa, kann dagegen auch 2015 fortgesetzt werden. Vom 20. bis 29. September steht dann wie geplant die Theaterszene Kroatiens im Mittel- und Blickpunkt, ein weiteres weißes Loch im europäischen Tischtuch. Das genaue Programm dafür steht aber noch nicht fest. Festivalleiter Knut Geißler sei noch am Auswählen, zwei bis drei Produktionen stünden bislang fest, hieß es.

Nattermann hat andererseits aber schon ein Extra in petto. Denn nach dem Saisonauftakt für 2015/2016 Anfang September mit dem Musikfest Sound of Bronkow heißt es vom 7. bis 13. September Off Dresden. Ein kleines eigenes Theaterfest soll es werden, "möglicherweise mit einer eigenen Premiere", wie er durchblicken lässt. Dazu sucht Nattermann noch einen zusätzlichen Spielort in Dresden, um "eine Art Spätsommerfest" aus dem Ganzen zu machen. Er stellt aber auch unmissverständlich klar: "Off Dresden ist kein Ersatz für szene: Europa."

Das Problem der Planungssicherheit, das aus der späten Etat-Entscheidung resultiert, kann dabei sehr bald wiederkehren. Der Stadtkämmerer Hartmut Vorjohann (CDU) habe bereits signalisiert, dass die nun für den Dresdner Doppelhaushalt 2015/2016 avisierte Summe für das Societaetstheater 2017 wieder um 100 000 Euro auf die Höhe von 2014 zurückgeschraubt werde. Diese neue, alte Summe von 721 000 Euro könnte Nattermann und seine Kollegen dann wieder vor neue, alte Probleme stellen.

"Wir sind dem Stadtrat sehr dankbar für die Erhöhung des Etats", betont der Theaterchef. Er appelliert aber gleichzeitig an die kommunalen Gremien, beim nächste Mal so früh wie möglich über die Zuweisungen zu entscheiden. "Sonst stecken wir wieder in ähnlichen Schwierigkeiten und müssten wohl wieder ein Festival absagen." Er bitte um langfristige Entscheidungen, "damit wir handlungsfähig bleiben".

Hinzuzufügen wäre noch, dass von dem späten Etat-Entschluss im Dezember auch die Planungen anderer Kultureinrichtungen betroffen waren. Übrigens ein Szenario, das auch schon vor zwei Jahren zu beobachten war. Damals wurde der Doppelhaushalt 2013/2014 gar erst im Januar 2013 entschieden. Ach so, und die Zusagen zum aktuellen Etat stehen unter Vorbehalt. Noch ist der aktuelle Haushalt nicht freigegeben.

www.societaetstheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.02.2015

Torsten Klaus

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