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"Das Buch istausgeliehen!" - Thomas Freitag überzeugte in der Dresdner Herkuleskeule

"Das Buch istausgeliehen!" - Thomas Freitag überzeugte in der Dresdner Herkuleskeule

Herr Schüttlöffel ist Bibliothekar und kann auf einen festen Bestand von immerhin 5800 Büchern verweisen. Das ist gewissermaßen noch überschaubar, weil sich damit durch das Land reisen lässt.

Auf dieser Basis hat der Kabarettist Thomas Freitag ein Programm geschrieben, das zugleich ein leidenschaftliches Plädoyer für die Zukunft des Buches ist. Das ist keinesfalls untertrieben, denn der gebürtige Hesse Freitag geht in seinem neuen Programm tatsächlich mit seinen Büchern auf Tour und lässt dabei jede Menge Dampf ab. Damit lebt zugleich die nahezu ausgestorbene Tugend wieder auf, dass auch Kabarettisten innerhalb eines Bühnenbildes bestens agieren können.

Am Montagabend kämpfte Thomas Freitag als "Der kaltwütige Herr Schüttlöffel" leidenschaftlich für eine Zukunft des Menschheitswissens zwischen den Buchdeckeln. Dabei schonte er weder die Nutzer der Bibliotheken, die widerspruchslos die Schließung ihrer Gemeindebibliothek hinnehmen, noch die Kulturpolitiker des Landes, die derart leichtfertig mit dem gesammelten Wissen der Menschheit umgehen. Für deren hilfloses Agieren prägte Freitag den schönen Satz: "Politiker haben Gesichter wie Ausrufezeichen, produzieren aber nur Fragezeichen." Bestes Beispiel: In einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern, wo Freitag ebenfalls auftrat, hing im Fenster der einstigen Bibliothek ein Zettel mit der Aufschrift "Bibliothek geschlossen - das Buch ist ausgeliehen!"

Gründe für diesen Zustand findet der Kabarettist haufenweise. Zuvorderst seien da natürlich die gigantischen Schulden genannt, die seit geraumer Zeit auf den Schultern der Menschheit lasten. "Jedes Baby, das heute auf die Welt kommt, hat mit seinem ersten Atemzug bereits 40000 Euro Schulden", rechnet Freitag vor. Zur Erklärung der Zusammenhänge innerhalb der Finanzwirtschaft lässt er den Finanzexperten schlechthin wieder auferstehen: Karl Marx. Der hat so seine Schwierigkeiten mit der Warenwelt der Gegenwart, findet aber dennoch Gefallen am Gedanken, im Internet einzukaufen: "Wenn Du auf'm Klo sitzt und das Papier ist alle, dann klickst Du einfach den Amazon-Expressdienst an und 'ne halbe Stunde später bekommst Du das neuste Buch von Thilo Sarrazin angeliefert."

Ein Programm mit Thomas Freitag wäre nicht vollständig, wenn er darin die Kunst des Parodierens auslassen würde. Es gibt ja kaum einen Promi, den er nicht wieder auferstehen lässt - wie den grantigen bayerischen Ex-Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Freitags Botschaften sind eindeutig und mitunter sehr deftig, etwa wenn er fragt: "Kann man auf Dauer eine Demokratie erhalten, in der ein Drittel immer reicher und zwei Drittel immer ärmer werden?" Nicht die Reichen, nein "die Guten sterben früh", weiß Thomas Freitag. Und revidiert sich gleich wieder. "Pardon, das ist doch eigentlich das Motto der Krankenkassen."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.01.2013

W. Zimmermann

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