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Das Buch „Muslime in Sachsen“ räumt mit Fakten und Details Vorurteile aus

Analyse Das Buch „Muslime in Sachsen“ räumt mit Fakten und Details Vorurteile aus

Was Alltag ist für Muslime in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz? Das Buch „Muslime in Sachsen“ von Marie Hakenberg und Verena Klemm räumt durch Fakten und Details mit Vorurteilen auf.

 

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Dresden.  Was Alltag ist für Muslime in Großstädten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz – in diesem Buch wird es konkret. Wir lernen zum Beispiel eine ausgebildete Apothekerin aus Syrien kennen, Suria wird sie hier genannt. Ihr Mann hat sich eine feste Existenz in Dresden aufgebaut, die deutsche Staatsangehörigkeit erworben. Sie kommt nach – und erlebt schlimme Tage. Nachbarn ignorieren sie, wenn sie grüßt. „Manche fragten mich, warum ich in Deutschland bin, wenn ich ein Kopftuch trage, oder sie sagten gleich, ich Ausländerin solle raus aus Deutschland.“

Rund vier Millionen Muslime leben in der Bundesrepublik, haben die Behörden 2008 ermittelt, etwa fünf Prozent der Bevölkerung. In Sachsen waren es im Frühjahr 2015 um die 20 000, was einem Anteil von 0,48 Prozent entspricht. Ihre Zahl mag seit der Arbeit an diesem Buch etwas gestiegen sein, doch eine Minderheit sind sie geblieben.

Studierende der Arabistik, Ethnologie und Religionswissenschaft, Doktoranden, Mitarbeiter und Professoren des Orientalischen Instituts der Leipziger Universität haben Fakten zusammengetragen und mit vielen Menschen gesprochen. So wird einem deutlich, was Arabistik-Professorin Verena Klemm und ihre wissenschaftliche Mitarbeiterin Marie Hakenberg, die beiden Herausgeberinnen, feststellen: Dieser Religion Zugehörige seien keine abgrenzbare Gruppe: „Muslime in Sachsen repräsentieren eine große Heterogenität im Hinblick auf ihre Herkunft, die Gründe ihres Hierseins und entsprechend auch auf die Umstände, unter denen sie hier leben – wollen, können oder müssen.“

Dieses Buch bietet eine ungemein bereichernde Lektüre für alle, die sich nicht mit pauschalen Zuschreibungen begnügen, sondern es genauer wissen wollen. Hier erfahren sie detailliert, welche historischen und kulturellen Beziehungen Sachsen zum Vorderen Orient hat, etwas über Arbeit, Ausbildung und Lebensläufe von Muslimen, wie sie sich in Vereinen organisieren, wie sie ihre Religion praktizieren und bestattet werden, auf welchen Wegen Asylsuchende hierher gelangen, wo sie untergebracht werden, was sie bekommen, bis hin zu dieser speziellen Popkultur, die sie entwickelt haben.

Entstanden ist das Buch – die erste Veröffentlichung dieser Art – vor der großen Flüchtlingswelle, inzwischen sind mehr als 40 000 Asylbewerber nach Sachsen gekommen, wie Verena Klemm bei der Buchpräsentation in den Staatlichen Kunstsammlungen im Residenzschloss feststellte.

Nicht alle davon freilich seien Muslime. Dennoch würden sie von vielen einer Gruppe zugeordnet, de-individualisiert und dämonisiert. Nanette Snoep, Direktorin der Staatlichen Ethnographischen Sammlungen in Sachsen, brachte es auf die knappe Formel: „Entweder Terrorist oder Tausendundeine Nacht – dazwischen gibt es kaum etwas.“

Aus dem „Informationsgewitter“ seit Anfang 2015 seien kaum Informationen hängengeblieben, konstatierte Jürgen Opitz, CDU-Bürgermeister von Heidenau. „Nur die Botschaft: Du musst fürchterliche Angst haben und: Die tun uns weh.“

Islamische Religion pauschal als Erklärung für alles zu benutzen, bringe nichts, betonte Khaldun Al Saadi, Sprecher des Islamischen Zentrums Dresden. Wer eine Gruppe, häufig auf ihre Anzahl reduziert, jedoch als Menschen betrachte, begreife, wie unterschiedlich sie seien. „Deshalb ist dieses Buch so wichtig.“

Marie Hakenberg, Verena Klemm (Hg.): Muslime in Sachsen. Edition Leipzig / Seemann Henschel. 136 S., 9,95 Euro

Von Tomas Gärtner

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