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Das Boulevardtheater schreibt schwarze Zahlen, erweitert sich und holt die Olsenbande auf die Bühne

Das Boulevardtheater schreibt schwarze Zahlen, erweitert sich und holt die Olsenbande auf die Bühne

"In einem Theater sollte Geld nie die Hauptrolle spielen", meinte einmal der Bauingenieur und Dichter Erhard Horst Bellermann. Nun spielt auch im Boulevardtheater Geld nicht die Hauptrolle, aber froh sind Marten Ernst und Olaf Becker, die Leiter des Boulevardtheaters, schon, dass die Besucherzahlen und damit die Finanzen stimmen.

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Die Komödie "Harry und Sally" mit Peter Posniak und Katharina Eirich ist von Donnerstag bis Sonnabend jeweils 20 Uhr letztmalig im Boulevardtheater zu erleben.

Quelle: Robert Jentzsch

Bei de facto 297 offiziellen Spieltagen im dem von der TW.O GmbH betriebenen Haus kommt man - ausgehend vom 11. September 2014 - in der am 4. Juli zu Ende gehenden ersten Spielzeit auf 247 Vorstellungen von hauseigenen Produktionen sowie 123 Gastspiele, was summa summarum 370 offizielle Vorstellungen ergibt. Man hoffte auf 55 Prozent Auslastung und etwa 100 000 Besucher - geworden sind es zur Freude von Ernst und Becker 59 Prozent Auslastung und 102 126 Besucher (exakt 69 273 Besucher bei Eigenproduktionen und 32 853 Besucher bei Gastspielen). Spitzenreiter in der Publikumsgunst war die Inszenierung "Die Hexe Baba Jaga - Geburt einer Legende" mit 23 943 Besuchern, auf den Plätzen folgen die frivole Komödie "Herr Doktor, die Kanüle klemmt!" mit 14 595 sowie das Stück "Familie Bernd Seifert" mit 7323 Zuschauern.

Dazu gesellen sich noch 63 Einmietungen und geschlossene Veranstaltungen im Haus. Sie bilden das zweite wichtige Standbein der TW.O GmbH. Heinrich Schütz Konservatorium, Deutscher Anglerverband, IG-Metall oder auch Dresdner Verkehrsbetriebe AG - sie alle mieten schon Räumlichkeiten an. Auch Firmenpräsentationen und Jugendweihen gingen im Haus schon über die Bühne.

Es läuft so gut, dass man im September 2015 sogar eine zweite Bühne eröffnen will, ein "Theater im Theater", wie Becker verrät. "Pampelmuse" wird es heißen und ist als "fruchtig-herbe Kleinkunstbühne" gedacht - getreu dem Motto "sauer macht lustig". Dieses Chambre séparée für die Bühnenkunst der etwas intimeren Art wird über 99 Sitzplätze bei Reihenbestuhlung verfügen, bei Tischbestuhlung je nachdem dann weniger. Der multifunktionale Saal kann zudem von Privatpersonen und Unternehmen angemietet werden - für kleinere Feiern, private Partys, Workshops, Vorträge und Konferenzen sowie auch für exklusive Empfänge im besonderen Rahmen. Apropos Rahmen: Der Umbau des Theaters vor einem Jahr kostete rund 800 000 Euro. Mit einer solchen Summe hatte man nicht gerechnet, aber der alte Kasten, erbaut 1925 im Stil der Neuen Sachlichkeit mit dezenten Ausflügen ins Expressionistische, hat so seine Tücken. Die beiden alten Fluchtwegtüren waren sage und schreibe jeweils einen Zentimeter zu schmal. Nun kann der Amtsschimmel wieder beruhigt schlafen, aber Ernst und Becker kostete der Abriss und Neuaufbau halber Wände halt 10 000 Euro. Mag man also am Ende des ersten Geschäftsjahres auch schwarze Zahlen geschrieben haben, braucht aber noch einige ähnlich erfolgreiche Jährchen, um den Kredit bei der Bank abzustottern.

Wie auch immer. Der wirtschaftliche Erfolg schlägt sich ebefalls in den Beschäftigungszahlen nieder. Zählte die TW.O GmbH als Betreiberin des Boulevardtheaters im Sommer vergangenen Jahres ursprünglich sieben Festangestellte in ihren Reihen, so beläuft sich derzeit die Anzahl der Mitarbeiter auf 25. Dazu kommen laut Becker noch diverse freie Mitarbeiter in den Bereichen Service und Technik.

Dass man die eine oder andere Produktion auswärts zeigte, die "Hexe Baba Jaga" etwa im Theater Meißen oder auch im Stern in Riesa, spülte ebenfalls Geld in die Kassen. Rund 9600 Zuschauer lösten auswärts ein Ticket für eine Produktion der TW.O GmbH.

Apropos Hexe: Weil die verrückte Alte trotz Riesenzinken und unflätiger Sprache derart Kult wurde, dass seit 2005 peu à peu fünf Märchenkomödien das Licht erblickten, ist vom 1. bis 6. Oktober eine große Festwoche angesetzt, mit einer Best-Of-Show zum Ausklang. Da bleibt nur eins zu sagen (mit den Worten der sexy Hexy aus Saxony): Kruzitürkendrecksvermaledeiterhundekotzbrocken!

Erste Premiere in der kommenden Spielzeit 2015/2016 soll - am 13. September - das Stück "Die Olsenbande dreht durch" sein, verfasst von Peter Dehler auf der Basis sämtlicher Olsenbande-Filme und inklusive der legendären Szene, in der es mächtig gewaltig im Takt der Musik durch die Räume eines Theaters geht, die an sich durch stabile Wände getrennt sind, mit Hilfe von Bohrern, Brecheisen und Sprengsätzen aber überwunden werden können. Die Rolle von Egon Olsen wird in dieser Collage von Volker Zack gespielt, der sich damit einen Kindheitstraum erfüllt, wie Marten Ernst durchblicken ließ. Gang-Mitglied sind zudem Philipp Richter (als Benny) und Michael Kuhn (als Kjeld). Alles in allem neun Darsteller werden bei dieser Produktion zugange sein, "eine Menge für ein Privattheater", wie Ernst anmerkt. Regie wird Jürgen Mai führen, der vor 15 Jahren mitwirkte, als das Zwingertrio in einer Inszenierung an der Comödie Dresden das tollpatschige wie liebenswürdige Gaunergespann verkörperte.

www.boulevardtheater.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.06.2015

Christian Ruf

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