Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 6 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Das Begleitbuch zu "Blutige Romantik. 200 Jahre Befreiungskriege" im Militärhistorischen Museum Dresden

Das Begleitbuch zu "Blutige Romantik. 200 Jahre Befreiungskriege" im Militärhistorischen Museum Dresden

Das Faserknäuel an einem Baumwollstrauch ist weiß. Spritzt das erste auf das zweite, ergibt das einen starken Farbkontrast. Das macht sich auch Quentin Tarantino in seinem Western "Django" zunutze.

Voriger Artikel
Militärhistorisches Museum Dresden schließt für Wartungsarbeiten
Nächster Artikel
"Musik - Musiker - Musikerkrankheiten" - Arbeiten von Rainer Frenzel und Antje Menzel im Hofmannschen Gut Dittersbach

Cover

Quelle: PR

Blut ist rot. Dort setzt Ex-Sklave Django (Jamie Foxx) seine Pistole an, zielt auf einen durch ein Baumwollfeld reitenden weißen rassistischen Bösewicht und tötet ihn mit einem einzigen Schuss. Was die Kugel anrichtet, wird nicht gezeigt. Man sieht nur, wie das Blut auf die weißen Blüten der Baumwolle sprüht. Auch eine Form der Darstellung von Gewalt, eine ästhetische, aber auch feige.

Das Signet der Ausstellung "Blutige Romantik" zum 200. Jubiläum der Befreiungskriege, die demnächst im Militärhistorischen Museum Dresden (MHM) eröffnet wird, ist ein grünes, fein geädertes Eichenblatt, das ein zerfetztes Loch aufweist, das wiederum von Blut umrandet ist. Das eindringliche Bildmotiv des verletzten Eichenblattes korrespondiert mit dem Wortpaar "Blutige Romantik". Das Signet ziert nicht nur Plakate, sondern auch die im Dresdner Sandstein Verlag erschienene Begleitpublikation, die - ein Novum in der Geschichte des MHM - erstmals aus zwei Teilen besteht: einem Katalog- und einem Essayband.

Aufgezeigt wird, wie von Protagonisten der deutschen Romantik die Legende von der "deutschen Erhebung" gegen Napoleon zu einem Leitmotiv dieser Epoche wurde. Gefragt wird, inwieweit der Einsatz der Schriftsteller, Philosophen und Künstler zum Sieg über Napoleon beitrug. Erkämpften sie die Freiheit, die sie so oft besangen? Bewegten die Reden Fichtes, die Gedichte Eichendorffs und Körners und die Bilder Schinkels oder Friedrichs ihre Zeitgenossen so sehr, dass wirklich "Alle, Alle kamen", als Preußens König Friedrich Wilhelm III. im März 1813 von Breslau aus sein Volk zu den Waffen rief? Antworten auf diese und viele andere Fragen gibt der Essayband, in dem Autoren unterschiedlicher Fachrichtungen aus diversen Ländern untersuchen, wie weit die Kriegsrealität der Epoche mit ihrer späteren Wahrnehmung übereinstimmt. Verdeutlicht wird, dass sich die Erinnerung an 1813 nicht zuletzt aus zwei Quellen schöpft: aus dem breiten Themenkreis der wilheminischen Gedenkkultur im 1871 begründeten Kaiserreich und dem facettenreichen Napoleonmythos.

Manche tradierte Vorstellung wird korrigiert. So wird darauf hingewiesen, dass unter den Aufständischen, die im Vorfeld der Sprengung eines Pfeilers der Dresdner Elbbrücke durch die Franzosen gewalttätig wurden, weitaus mehr Bürger aus verschiedenen Ständen und sogar Männer von hoher sozialer Stellung waren, als gemeinhin angenommen. Manches Bild wird aber auch bestätigt, etwa dass der Maler Casper David Friedrich, auf dessen Aufenthalte in Krippen Christina Grummt in dem Essayband eingeht, ein ausgemachter Franzosenhasser war. Als sein Bruder es wagte, ihm aus Paris zu schreiben, lässt der Künstler ihn wissen, "Indes grollt es mich so sehr, lieber guter Junge, daß ich Dich bitten muß so lange du in Frankreich bist nicht mehr an mir zu schreiben." Und auf einem Blatt Papier, auf dem er Laub- und Nadelbäume gezeichnet hat, notiert der Maler am 20. Juli 1813 einen Appell an die deutschen Truppen. "Rüstet Euch/ Leute zum neuen Kampf Teutsche Männer / Heil euren Waffen!"

Es gibt einen Aufsatz zur Entstehungsgeschichte des Eisernen Kreuzes, eine Studie über verkleidete Kämpferinnen der Befreiungskriege wie das "Heldenmädchen" Eleonore Prochaska, das als Mann verkleidet am 16. September 1813 in der Schlacht bei der Göhrde "ihre Treue mit dem Tod" besiegelte, wie es auf einem Blatt von 1913 zur Hundertjahrfeier heißt.

Heldenverklärung wird nicht betrieben.Die Gestaltung der Schau warte mit einer "ironischen Distanz auf", verspricht Gerhard Bauer, wissenschaftlicher Leiter des MHM und Kurator der Ausstellung. Das stark romantisierte Bild der Befreiungkriege werde aufgebrochen, "wir wollen beide Seiten der Medaille zeigen, die Grausamkeit eines Krieges nicht verhehlen."

Rund 700 Exponate aus aller Welt (einer der größten Leihgeber ist das Stadtmuseum Bautzen) sollen die Ereignisse in Erinnerung rufen, vor allem aber darauf hinweisen, welche Schicksale mit den Kämpfen verknüpft und welche Orte von Schlachten, Plünderungen und anderen Drangsalen betroffen waren. Nicht eigens mitgezählt sind all die Zinnfiguren von aus dem Depot geholten Dioramen. Es geht um Ereignis-, aber auch Kunst- und Kultur- sowie Rezeptionsgeschichte, lässt Bauer wissen.

Ein wichtiges Leitexponat ist das 1973 entstandene, elf Meter hohe und acht Meter breite Außenwandbild des Dresdner Künstlers Bruno Dolinski mit Motiven aus den Befreiungskriegen. Es stammt vom 2008 abgerissenen Vitzthum-Gymnasium in Zschertnitz und wurde mit erheblichem Aufwand vor die Fassade des Libeskind-Keils im Innenhof zum Foyer montiert.

Blutige Romantik. 200 Jahre Befreiungskriege - Essays. Herausgeber: Gerhard Bauer, Gorch Pieken, Matthias Rogg, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr. Sandstein Verlag, 360 Seiten, 179 meist farbige Abb., 38 Euro

Blutige Romantik. 200 Jahre Befreiungskriege - Katalog. Sandstein Verlag, 224 Seiten, 280 meist farbige Abb., 19 Euro

Beide Bände im Schuber kosten 48 Euro (Subskriptionspreis bis 31. 8.: 35 Euro)

Museumsausgaben (nur im MHM erhältlich): 25, 19 bzw. 35 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.08.2013

Christian Ruf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr