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Das Albertinum zeigt eine dem Dresdner Triptychon gewidmete bedeutende Ausstellung

Das Albertinum zeigt eine dem Dresdner Triptychon gewidmete bedeutende Ausstellung

Wer wie die Autorin in den Nachkriegsjahrzehnten in Dresden aufgewachsen ist, dem ist Otto Dix' Triptychon "Der Krieg" (1929-1932) seit Jugendjahren vertraut - nicht zuletzt auch als ein Bild, bei dessen Betrachtung im Kopf die Erzählungen der Älteren über das brennende Dresden, über gesehene Tote und andere Kriegserlebnisse "mitliefen".

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Ein Blick auf das Triptychon in seiner Gesamtheit.

Und es ist natürlich als eines der bedeutendsten Werke der Galerie Neue Meister im Bewusstsein, auch dank der über Jahrzehnte ungebrochen exponierten Hängung im Albertinum. Eine Ausstellung aber, wie man sie seit heute am gleichen Ort sehen kann, hat es zu dem Werk so noch nicht gegeben (siehe auch DNN - die Dresdner Neuesten Nachrichten sind Medienpartner für die Schau - vom 2. April 2014). Und natürlich gibt es einen Anlass: 2014 jährt sich der Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum 100. Mal. Gleich, was Otto Dix selber zu seinem Werk sagte, in seiner schonungslosen, zugleich über rein Dokumentarisches hinaus gehenden Darstellung, bleibt es ein "Stachel" gegen das Vergessen.

Kuratorin Birgit Dalbajewa (Galerie Neue Meister), Kokurator Olaf Peters (Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg), Marlies Giebe (Restaurierungswerkstatt der Galerien Alte und Neue Meister) sowie weitere Wissenschaftler der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden sind für "Otto Dix. Der Krieg - Das Dresdner Triptychon" tief in die Ideengeschichte und malerische Beschaffenheit des Werks eingedrungen. Im Ergebnis wird die lang währende, sich wandelnde Auseinandersetzung des Künstlers mit seinen Kriegserfahrungen an vorderster Front sichtbar. Die sich über drei Räume erstreckende Schau beginnt im sonst für Slevogt reservierten Saal. Hier begegnet man Blättern, die Dix direkt an der Front zeichnete. Oft sind diese ganz realistisch, zeigen etwa zerstörte Häuser und Schützengräben. Für einen "Volltreffer" (um 1917) aber wurde Kubistisches das Mittel der Wahl. Mehr als 500 Arbeiten, darunter auch einige Gouachen, sind - genau im Tornisterformat - in "ruhigen" Phasen entstanden. Menschen waren hier kaum Motiv. Erst nach dem Krieg malt Otto Dix das kleine Selbstbildnis "Sehnsucht"(1918/19). Ebenso schuf er Arbeiten wie die jüngst erworbene Zeichnung des "Kriegsverletzten" (1922) oder Aquarelle, die seine Studien in der Pathologie dokumentieren, etwa von Gehirn und Gedärm. Aus diesen Jahren stammen auch die Vorstudien zum 1940 verschollenen "Schützengraben"(1923), der nur noch als Schwarz-Weiß-Aufnahme präsent sein kann.

Ebenfalls im Slevogt-Saal, in einem als Raum im Raum gestalteten Ge- viert, trifft der Besucher auf den 50 Blätter umfassenden Radierzyklus der "Krieg"(1924), wofür sich Dix unter anderem von Goya anregen ließ. In diesen Blättern reiht sich das ganze Elend des Krieges aneinander. Dix redete nicht groß darüber, aber, was er gesehen hatte, hatte sich dem "Augenmenschen" tief eingebrannt. Dass seine Verarbeitung des Erlebten etwa 1923/24 nicht unbedingt dem Zeitgeist entsprach, zeigen Plakate, die ein "heldisches", aber eher realitätsfernes Soldatenbild vermitteln, das später auch von den Nazis gepflegt wurde.

Im folgenden Raum dann bricht das Dunkel des Krieges ganz über den Besucher herein: Dix' Triptychon hängt vor einer schwarzen Wand. Erstmals seit 1963 begegnet das Werk zudem dem ursprünglich als rechter Flügel gedachten "Grabenkrieg". Das ist schon besonders. Allerdings: Dass Dix schließlich einen anderen rechten Flügel malte, der den Künstler in der Rolle des Verwundetentransporteurs zeigt, hat wohl die Bilderzählung noch geschlossener, noch eindrücklicher gemacht.

Zu sehen sind ebenfalls zahlreiche Vorarbeiten. Dies ist auch für den Nichtkünstler beeindruckend, wird doch hieran ebenso wie an altmeisterlichen Inspirationsquellen von Dürer bis Grünewald und Ergebnissen der maltechnischen Untersuchungen das alltägliche Ringen von Dix um sein Werk sichtbar. Die Schau endet schließlich mit realem Geschützdonner: Im dritten Raum laufen Filme, darunter Wilhelm Pabsts "Westfront". Filme gehören auch zum umfangreichen Begleitprogramm mit Kunstgesprächen, Vorträgen, Führungen, Musik und Theater. Hingewiesen sei ebenfalls auf den aufschlussreichen Katalog.

iBis 13. Juli, Albertinum, 10 bis 18 Uhr, Mo geschlossen,

Der Katalog ist im Sandstein Verlag erschienen, 288 Seiten, 230 Abb., 29,90 Euro, ISBN 978-3-95498-073-4

www.skd.museum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 05.04.2014

Lisa Werner-Art

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