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Das 7. Dresdner Neujahrssingen führte als Heidenspaß in die Welt der "One-Hit-Wonder"

Unsterbliche Oden von Kurzzeithelden Das 7. Dresdner Neujahrssingen führte als Heidenspaß in die Welt der "One-Hit-Wonder"

Thematische Dramaturgie funktioniert offenbar besser als geografische. Diese Erkenntnis kann man nach sieben Editionen des Dresdner Neujahrssingen durchaus gewinnen.

Beste Stimmung beim Neujahrssingen im Schlachthof.

Quelle: Andreas Herrmann

Dresden. Thematische Dramaturgie funktioniert offenbar besser als geografische. Diese Erkenntnis kann man nach sieben Editionen des Dresdner Neujahrssingen durchaus gewinnen. Denn sowohl die ersten drei Runden mit dem Fokus auf die Mutterländer vaterländischer Rockmusik, als in Englisch oder Deutsch geträllert ward, als auch der sechste Jahrgang, der vor einem Jahr "Around the World" führte, hatten in Summe nicht den Spaßfaktor der Abende mit übergreifendem Motto.

Dies war bei Kino- oder Höllenhits so - und nun auch am Wochenende, als es ins Reich der "One-Hit-Wonder" ging - also um unsterbliche Oden von musikalischen Kurzzeithelden, so man deren Chartplatzierungen als alleinigen Maßstab nimmt. Bei Klaus Lages "1000 mal berührt" - dargeboten von Frank Rotzsch, besser bekannt als DJ Bongo und danach sofort hinten an seinen Trommeln zugange - ist das mit dem einsamen Hitwunder nicht ganz so eng zu sehen, bei Kerstin Klauer und Marc Hartmann, wie gewohnt in den schicksten Kostümen und diesmal als Nickerbocker & Biene verkleidet, mit "Hallo Klaus" vertreten, schon eher. Die meisten der Fronthelden sind alte Bekannte: Dieter Beckert (als Percy Sledge), Mirko Glaser (als Nick Kamen), Michael Schröter (als Europe), Ulf D. Neuhaus (als Clowns und Helden), Sascha Aust (als Michael Sembelle) sind Urgesteine, auch über die Qualitäten von Michael Heinemann (als Passenger) oder Ernst S., die als "Caravan of Love"-Quintett auftraten, braucht man in Dresden nicht aufzuklären. Die Überraschung des Abends bot hingegen Uwe Stuhrberg - der "Die Tagesreise", eigentlich von der Bürkholz-Formation 1973 erfunden, später von Lift 1979 adaptiert und berühmt gemacht - besser als Werther Lohse just vor drei Wochen nebenan im großen Saal darbot.

Das Ganze geschieht im bewährten Rahmen per Doppelabend am ersten Wochenende des neuen Jahres - eine ausgereifte Proficombo unter Leitung von Tom Vogel, die die Titel mit allen Interpreten ordentlich probt. Abnehmende Tendenz zeigt nur die Anlehnung ans einstige Original, dem Hallenser Weihnachtssingen, wo ausschließlich Gastronomen singen. Hier sind es meist Leute mit Bühnenerfahrung, der Fokus liegt auf der Einmaligkeit von Show und Arrangement, also auf dem Heidenspaß im Augenblick, den das Publikum gerne teilt.

Wieder ging es in den Alten Schlachthof, der kleine Saal bietet eine größere Bühne als die Scheune und doppelte Fülle, die sich nun lohnt: Im vergangenen Jahr goutierten das 1300 Leute an beiden Abenden, dieses Jahr in Summe rund 150 mehr, der Sonnabend geriet mit 850 Besuchern gar ausverkauft, viele bleiben nach dreieinhalb Stunden Show und 31 Songs noch bei der sofort einsetzenden Tanzmusik.

Auch wurde die Bühnengröße besser als im Vorjahr für einigermaßen gewagte Choreografien genutzt - so wie Klaus M. Braune in Cameos "Word up" oder ein Duo namens Sado Opera, das "Your're unbelievable" von EMF anno 1990 interpretierte. Der Herrenchor bot vor der Pause "Hmmm" von den Crash Test Dummies, das Damensextett den "Ketchup Song". Zur Zugabe standen dann alle 42 Interpreten gemeinsam nebeneinander und würdigten einheimisches Liedgut: Mit "Allein, allein" von Polarkreis 18 wurde das Motto noch einmal in aller Sentimentalität deutlich, ehe der Abend mit "Radar Love" von Golden Earring ausklang.

Aufmerksame Besucher vermissten die stete Plakatwerbefigur Klaus Weichelt - im Vorjahr noch mit Rammsteins "Moskau" auf Weltreise. Showmaster Olaf Schubert war hingegen anwesend - wie gewohnt im Duett mit Harald Schroth. Sie boten, diesmal per O-Zone und "Dragostea din tei", den osteuropäischen Einschlag, diesmal aus Moldawien.

Derart bes(ch)wingt beginnt bereits heute der Vorverkauf für 2017: Am 6. und 7. Januar heißt es im Alten Schlachthof lokal- statt europatriotisch: "All we need is love" - der frühe Vogel hat beste Karten.

Andreas Herrmann

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