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Das 33. Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden mit Künstlern aus zehn Ländern

Spielarten stiller Körpersprache Das 33. Internationale PantomimeTheaterFestival Dresden mit Künstlern aus zehn Ländern

„Pantomime ist mehr als eine Gestalt mit weiß geschminkten Gesicht, die eine imaginäre Wand abtastet“, sagt Ralf Herzog. Der Dresdner Pantomime und seine Mitstreiter vom Verein Mimenstudio e.V. laden vom 10. bis 13. November 2016 zum 33. Internationalen PantomimeTheaterFestival Dresden ein.

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Künstler aus verschiedenen Ländern treffen sich beim 33. Internationalen PantomimeTheaterFestival in Dresden.

Quelle: PR

Dresden. „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt“, soll der Dominikanermönch Johann Tetzel gesagt haben, dessen schlechter Ruf bis heute nicht zuletzt daher rührt, dass Luther & Co (-Reformatoren) in dem scharfsinnigen Verfasser theologischer Schriften einen ernstzunehmenden Gegner sahen und ihn deshalb energisch bekämpften. „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Statue aus der Starre springt“, möchte man hingegen sagen, wenn man sieht, wie all jene eben noch stockstarr stehenden und stark geschminkten Figuren rings um die Frauenkirche sich dann doch bewegen, wenn man erstmal eine Münze hat springen lassen.

Dann gibt es da noch die Pantomimen, die einen nachmachen „und denen man am liebsten einen KO-Schlag verpassen würde, um dann nachzumachen, wie sie so langsam zu Boden gehen!”, wie der Comedian Michael Mittermeier das Dilemma mit den Pantomimen auf den Punkt brachte. Auch Ralf Herzog ist nicht gerade glücklich mit der Vorstellung, die über Pantomimen kursiert. „Pantomime ist mehr als eine Gestalt mit weiß geschminkten Gesicht, die eine imaginäre Wand abtastet“, erklärte er bei der Präsentation des 33. Internationalen PantomimeTheaterFestivals Dresden, zu dem Herzog und der Verein Mimenstudio e.V. vom 10. bis 13. November einladen. Wer ein gutes Gedächtnis hat, wird bemerkt haben, dass das Festival nun auch das Wort „Theater“ im Namen trägt, womit man sich eben abheben will vom Klischee des „Straßen-Pantomimen, der sich für Geld kurz bewegt“, wie Herzog wissen ließ. Das dieses Jahr unter dem Motto „Einen Herzschlag lang“ stehende Festival eröffnet die Möglichkeit, in acht Vorstellungen die faszinierende Vielfalt an Spielarten der „Kunst ohne Worte“ zu erleben. Auch soll gezeigt werden, „welche unterschiedlichen Handschriften Pantomime haben kann“, wie der für die Projektleitung zuständige Jan Romberg vom Mimenstudio e.V. wissen ließ. Er und seine allesamt sich ehrenamtlich engagierenden Vereinsmitglieder wollten zum „Schnapszahl“-Jubiläum viel bieten – und da man erfolgreich beim Einsammeln von Sponsoren- und Fördergeldern war (ein wichtiger Sponsor seit vielen Jahren ist etwa das Autohaus Mellmann in Radebeul), konnte man allerlei hochkarätige Künstler nach Dresden holen.

Die Künstler kommen aus zehn Ländern, sogar Mimen aus den USA und Costa Rica reisen an. Man kommt gern, begnügt sich sogar mit Gagen zu Freundschaftspreisen, um bei diesem „Branchentreffen“, das laut Herzog weit und breit das einzige seiner Art ist, dabei zu sein. Das Dresdner Festival genieße einen guten Ruf in der Mimenszene, viele Künstler würden damit werben, dass sie hier mal aufgetreten seien, versicherte Herzog, dem durchaus klar ist, dass die Pantomime mittlerweile eine „Nischenkunst“ ist, der es aber zutiefst schade fände, wenn das Genre verloren ginge.

Beim Eröffnungsabend am 10. November, 19.30 Uhr im Vitzthum-Gymnasium in der Paradiesstraße 35 steht mit Radim Vizvary einer der herausragendsten Pantomimekünstler auf der Bühne. Unter dem Motto „Menschliche Revolutionen“ wird eine klassische Heldengeschichte erzählt, jedoch im Zille-„Milljöh“ angesiedelt, so dass es sehr grotesk wird. Auch soll erfasst werden, was die Romantik eines Caspar David Friedrich uns heute noch so vermittelt.

Im Stück „Stiller Pakt“, das am 11. November, 19 Uhr, im August Theater zu sehen ist, geht es um die intensive Beziehung zwischen zwei Zwillingsschwestern. Die zwei Mädchen kontrollieren sich gegenseitig und können weder ohne noch miteinander existieren. Die Inszenierung „Die Kleinbürgerhochzeit“, die das Mimenstudio ab 20.15 Uhr im August Theater zeigt, beruht hingegen auf einem Drama von Bert Brecht, aber nach eingehender Prüfung, ob der Text so gut ist, wie man immer sagt, entschied man sich, ihn wegzulassen, wie Herzog trocken flachst. Er hat dafür die Rahmengeschichte erweitert und eine Mimographie entworfen, die durchaus auch eingefleischte Brechtianer begeistern sollte.

Als „visuelle Symphonie in zwei Sätzen“ wird die One-Man-Show gepriesen, die Mai Rojas aus Costa Rica, der mal sogar beim Cirque du Soleil engagiert war, am 12. November, 19 Uhr, im Theaterhaus Rudi präsentiert. Ein Maler wird von der Idee der Schaffung eines lebendigen Bildes dazu verführt, dessen Gestalt anzunehmen. Fantasie und Realität vermischen sich in einer surreale Reise. Auch zwei Vorstellungen explizit für Kinder finden sich im Programm. So bringt das italienische Bottega Theater aus Rom am 13. November, 11 Uhr, im August Theater das Stück „Smile Cafe“ zur Aufführung. Dessen Handlung spielt in einem italienischen Kleinstadtcafe und wird mit der Zeit immer absurder, als Zuschauer sollte man es da vermutlich mit einer Erkenntnis des Mimen Marcel Marceau halten, die da lautet: „Finden uns nicht die bewegendsten Momente im Leben ohne Worte?”

Auf Interesse stoßen könnte auch der multimediale Vortrag über die Geschichte der Pantomime am 12November, 17 Uhr, in dem es auch um zeitgenössische Formen der Pantomime geht und die Beziehungen zwischen Pantomime, Körpertheater und Performancekunst. Hier ist der Eintritt sogar frei. Auch drei Workshops gehören zum Programm. An ihnen kann man nur nach Anmeldung teilnehmen, und einige Erfahrung in Sachen Körperkunst sollte man schon mitbringen, wie Herzog klarstellte.

Tel. 0351/32271528

www.pantomimefestival-dresden.de

Von Christian Ruf

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