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Das 2. Sinfoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle

Das 2. Sinfoniekonzert der Sächsischen Staatskapelle

Es ist vergleichsweise selten, dass ein Mitglied der Sächsischen Staatskapelle das Solo in einem der großen Konzerte spielt. Doch womöglich kam gerade diese Konstellation den Intentionen von Antonín Dvorák zu seinem Cellokonzert h-Moll op.

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Am Pult der Staatskapelle: Zubin Mehta.

104 besonders entgegen, denn mit Isang Enders (Konzertmeister der Violoncelli) spielte im 2. Sinfoniekonzert ein Cellist, der neben ganz eindeutigen Fähigkeiten als Solist auch das Vermögen bewies, besonders differenziert mit dem und im Orchester zu spielen, wo es das stark auf Korrespondenz zu den übrigen Instrumenten setzende Werk verlangte.

Dirigent Zubin Mehta gab einen leidenschaftlichen Beginn vor, dem sich Enders mit derselben Energie anschloss. Doch ebenso gab es ganz innig gespielte Dialoge mit den Holzbläsern (Andreas Kißling, Flöte; Céline Moinet, Oboe) und immer wieder feinste Farbschattierungen noch in höchsten Lagen des Cellos. Fesselnd angelegt und bruchlos zu Ende geführt war der immense Bogen von ausladender Dramatik hin zu größtem Gefühl im langsamen Satz. Mit der Kadenz tauchten Solist und Orchester dafür den Klang in kammermusikalische Noblesse, aus der Zubin Mehta den Finalsatz fast behutsam wachsen ließ. Kein Hineinstürzen des Solos, wie es sonst oft zu erleben ist, auch hier blieb die Balance zwischen allen Stimmen erhalten und die herrliche Leidenschaft wirkte unter allem bis zum Schluss. Eine Spur zu groß im Dialog mit dem Violoncello geriet der geigerische Furor, so als wolle die neu ins Orchester engagierte 1. Konzertmeisterin Yuki Manuela Janke nachweisen, dem Solisten wenigstens ebenbürtig zu sein. Solches Konkurrenzdenken ist der Musik Dvoráks aber ebenso fremd, wie es auch sonst nirgends in dieser starken und zurecht gefeierten Aufführung zu bemerken war.

Ob man Dvoráks liebevolles musikalisches Andenken an eine sehr enge Freundin im Cellokonzert so pauschal ins Reich des Profanen verweisen kann (nichts ist doch weniger profan als die Liebe) wie der Einführungstext des Programmhefts, sei dahingestellt. Tatsächlich rahmten das Cellokonzert zwei Werke, deren Sujets ins Profane, wenn nicht Triviale zielen. Die Ouvertüre zu Paul Hindemiths Oper "Neues vom Tage" zu Beginn des Konzerts veredelte Zubin Mehta noch mit einer Klangschönheit, die der quirligen, auch einmal nicht ganz ehrlich poesievollen Musik fast entgegenstand. Schließlich geht es in der Oper um Ehekrach, Intrigen, Klatsch und Tratsch und Hindemith lässt musikalisch keinen Zweifel am satirischen Gedanken des Ganzen. Erst am Ende der Ouvertüre gestattete Mehta, dass dies auch hörbar durchbrach und erlaubte etwas ungeschliffeneres Spiel.

Was bei Hindemith Vorwand ist, gerät in Richard Strauss' "Sinfonia domestica" op. 53 zum Selbstzweck und das Stück mit seinen Längen bleibt trotz oder gerade wegen seines aufgesetzten Humors schwer auszuhalten. Die Stringenz, die dem Komponisten bei literarischen oder anderen Vorlagen gelang, fehlt - und alles ertrinkt in Üppigkeit: Saxophone und Harfen dienen nur noch, den Klang zum Schwall zu vergrößern, statt ihn zu färben. Selbst die vielen Passagen, die Zubin Mehta mit Augenzwinkern und Vergnügen zelebrierte, halfen da nicht sehr. Am Ende die ausladende Doppelfuge als Ziel des Ganzen und wie ein Beweis, dass Strauss in so etwas besser sei als Kollege Max Reger. Da blieb der Applaus freundlich, aber doch weit verhaltener als nach dem fulminant gespielten Cellokonzert, mit dem die Staatskapelle beim Gastspiel in Prag am kommenden Mittwoch fraglos reüssieren dürfte. Hartmut Schütz

weitere Aufführungen des 2. Sinfoniekonzertes der Staatskapelle: heute und morgen, jeweils 20 Uhr, Semperoper

MDR Figaro überträgt das Konzert am Dienstag live

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.09.2012

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