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Darf ich bitten? Bosse kommt in Dresdens Reithalle

Aufforderung zum Engtanz Darf ich bitten? Bosse kommt in Dresdens Reithalle

„Engtanz“ heißt das aktuelle, mittlerweile sechste Studioalbum des Singer-Songwriter Axel „Aki“ Bosse. Wer jetzt aber Klammer-Blues-taugliche Songs erwartet, der wird enttäuscht. Denn die meisten der elf Titel auf „Engtanz“ sind viel zu gitarren- und schlagzeuglastig, als dass man dazu verträumt übers Parkett schwofen könnte.

Axel „Aki“ Bosses neue CD heißt Engtanz.
 

Quelle: CD Cover

Dresden. Die Zeiten, in denen Paare in der Disco Stehblues tanzen, sich zusammen im Takt wiegen und sich tief in die Augen schauen, sind lange vorbei. Heute tanzt jeder Clubgänger mehr oder weniger für sich allein. Das passt irgendwie zu unserer anonymen Gesellschaft. Singer-Songwriter Axel „Aki“ Bosse weiß das – und fordert Deutschland nun zum Engtanz auf. So nämlich heißt das aktuelle, mittlerweile sechste Studioalbum des gebürtigen Braunschweigers. Wer jetzt aber Klammer-Blues-taugliche Songs erwartet, der wird enttäuscht. Denn die meisten der elf Titel auf „Engtanz“ sind viel zu gitarren- und schlagzeuglastig, als dass man dazu verträumt mit dem Schwarm übers Parkett schwofen könnte.

Bosse hat viel Arbeit in die Platte gesteckt: Der Berliner Kneipenchor ist gleich an mehreren Stellen zu hören, Streicher und Bläser geben der Platte zusätzlich zu mitunter altklug wirkenden Texten Tiefe. Da tut es gut, wenn die Gitarre an der einen oder anderen Stelle mal knarzt oder das Schlagzeug die Oberhand ergreift – sonst würde man den sympathischen Aki, der mit seinen Schlabber-T-Shirts eher auf ein Sommerfestival passt statt in ein schniekes Konzerthaus, glatt vergessen.

Thematisch geht es auf „Engtanz“ um mehr als bloß ums Verknalltsein. Bosse, mittlerweile 35 Jahre alt, ist verheiratet und Vater. Seine Jugend ist vorbei, er ist erwachsen. Also besingt er jetzt das Leben an sich, anstatt sich Zukunftsträumen hinzugeben. Und er scheut auch nicht davor, dem Zuhörer in Großvater-Manier ein paar Weisheiten mit auf den Weg zu geben.

Schon der Opener „Außerhalb der Zeit“ zeigt, wohin die Reise geht: Er handelt von Selbstfindung und dem Hadern mit sich selbst. Dazu gibt es Bläser und einen Chor, der aus dem zu Beginn noch sanften Song nach und nach fast schon eine Hymne für das Leben macht. Die erste Singleauskopplung „Steine“ mutet sogar philosophisch an, wenn Bosse von Streichern und hecktischen Gitarrenriffs begleitet davon singt, dass er auf dem Bett sitzt und Steine isst, an denen er sich die Zähne ausbeißt. Da muss man zweifelsohne zweimal hinhören, um die Botschaft zu verstehen. Der Wahlhamburger räumt auf, gewährt einen tiefen Einblick in sein Seelenleben. Liegt nachts wach und grübelt („Nachttischlampe“), um dann zum Aufbruch aufzurufen („Alles ist vorbei“).

Bosse weiß, dass das Leben nicht immer gerade läuft: Mit 17 beginnt er seine Musikkarriere, doch erst 2013 gelingt ihm mit der Platte „Kraniche“ und dem Song „Schönste Zeit“ der Durchbruch: Goldstatus, Sieg bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“. „Nach all dem ein neues Album zu schreiben, war eine ziemlich große Herausforderung“, gibt der Singer-Songwriter zu.

Es könnte schwer werden, an die Erfolge anzuknüpfen. Da kann es sicher nicht schaden, sich ein bekanntes Gesicht einzuladen. Mit Casper sinniert er zu einem tanzbaren Beat darüber, dass es keinen geraden Weg gibt, das ganze Leben eine „Krumme Symphonie“ ist. Zuhören und lernen, liebe Teenies! Denn das Leben zieht schnell an einem vorbei, und dann heißt es „Ahoi Ade“, und ein Freund muss für immer verabschiedet werden oder die Kinder sind plötzlich erwachsen, wie Bosse in dem letzten Song des Albums schmerzlich feststellen muss. Bei all dem Schnulz und der Tiefsinnigkeit hat Axel Bosse nämlich doch Recht, wenn er zum Engtanz aufruft – mit dem eigenen Leben.

Bosse, 14. März, Reithalle, Straße E (ausverkauft)

Von Isabell Rollenhagen

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