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DaDa Ty im Festspielhaus - Die Klassen Kerbach und Sery zeigen sich außerhalb der Dresdner Kunsthochschule

DaDa Ty im Festspielhaus - Die Klassen Kerbach und Sery zeigen sich außerhalb der Dresdner Kunsthochschule

Was in den 1990er Jahren oft aus der "Not" der Gebäudesanierung auf dem Brühl geboren war, wird zunehmend guter Brauch: Studierende und Meisterschüler bzw. Absolventen der Hochschule für Bildende Künste Dresden suchen sich Orte, um sich der Öffentlichkeit präsentieren.

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Eric Keller. Festplatz. Öl auf MDF.

Quelle: Dietrich Flechtner

Diesmal sind es zwei ganze Klassen, die, nicht zuletzt unter dem Vorzeichen des 250. Gründungsjubiläums der Dresdner Kunstakademie, die Kooperation mit einer anderen Institution - dem Europäischen Zentrum der Künste Hellerau - anstrebten und auf Gegeninteresse stießen.

Unter dem vieldeutigen oder auch nichts sagenden Titel "DaDa Ty" - die Begrüßungs- und Eröffnungsreden zur Vernissage gaben da keinen Aufschluss - werden mehr als 30 aus der Klasse für Bildnerisches Gestalten/Bildforschung von Ralf Kerbach und der Klasse für interdisziplinäre und experimentelle Malerei von Christian Sery hervorgegangene Positionen vorgestellt. Das Spektrum der 34 Beteiligten - die beiden verantwortlichen Professoren zogen als externe Kuratorin Bergit Faßl hinzu - spannt sich von noch wenig bekannten Namen zu bereits im Kunstbetrieb angekommenen.

Zum Gesamteindruck: Wer als Besucher durch die Räume geht - einbezogen wurden der Dalcroze-Saal, eine Raumfolge aus Treppenhaus Ost, anliegenden Studios, der Empore und einem Salon auf der Westseite -, kann zunächst erneut feststellen, dass es die Bildende Kunst in diesem architektonisch wunderbaren Tessenow-Bau gar nicht so leicht hat. Unterzubringen waren Arbeiten ganz unterschiedlicher Medien: Wenn auch Malerei, Zeichnung und Fotografie den Hauptteil der Ausstellung ausmachen, so mussten doch ebenso zahlreiche Objekte, Skulpturen und vor allem Installationen sowie Video und Film ihre Plätze finden.

Das breite Spektrum des Vorgestellten zeugt von einem hohen Maß an ästhetischer und intellektueller Auseinandersetzung. Dabei fällt auf, dass eine Vielfalt von abstrakten und konzeptuellen Positionen angeboten wird - gerade in der Malerei, letztere natürlich auch bei Installationen und im Video. Zugleich gibt es nach wie vor den differenzierten figurativen Ansatz.

Zweifellos ist ein interessanter Einblick in das Wirken dieser beiden Klassen an der Hochschule entstanden, ohne dass die Arbeiten - auf jeweilige Zuordnung wurde verzichtet - verraten würden, welcher Künstler welchen der beiden Professoren zum "Ziehvater" hatte. Das ist - und darauf wies HfBK-Rektor Matthias Flügge zu Recht während der Ausstellungseröffnung hin - eher ein gutes Zeichen, zeugt dieser Umstand doch von einem hohen Maß an künstlerischer Freiheit, die den Studenten zuteil wird und auf deren Boden sich wirklich eigenständige Positionen entwickeln können.

Doch nicht immer zeitigen Vielfalt, technische Beherrschung der Medien sowie intellektuelle Anstrengung überzeugende Ergebnisse. Mitunter fragt man sich, wo ist das "Geheimnis" einer Arbeit - das, was letztlich unerforschlich bleibt in der Kunst, auch wenn der Begriff "Bildforschung" heute zum Repertoire des bildenden Künstlers zu gehören scheint. Geht es nicht auch und gerade um dieses Geheimnis, das Werke die Zeit überdauern lässt, das nach Jahren Menschen noch berührt? Zugegeben, manche Arbeiten sind gar nicht so angelegt, haben eher temporären Charakter - vor allem einige Installationen. So wird der Duft des Heus, der derzeit durchs Festspielhaus zieht, sicher schon bald vergehen. Und irgendwann ist es verwelkt, und die Installation von Wolf Roberto Schimpf, zu der es gehört, wird, sollte sie an anderer Stelle wieder erstehen, doch nicht mehr dieselbe sein (La ricerca della felicità, 2014).

Bleiben werden dagegen Film- beziehungsweise Videoarbeiten, die oft am ehesten die Frage nach dem "Geheimnis" positiv "beantworten". Ob Nina Hoffmanns auf Ringelnatz bezogene "Seemannstreue - eine Liebesgeschichte" (2013) oder die Hannes Broecker und Claudia Scholz zuzuschreibende Videoinstallation "Prolog - Fill the smiles with the tears that/forgot" (2014) sowie auch das eine Performance zeigende stumme "Gewandel 1" (2014) von Kristina Berndt lassen den Betrachter verharren. Und das ist wohl das Beste, was einem Kunstwerk respektive seinem Schöpfer passieren kann. Dies gilt ebenso für Bildwerke wie Stefan Krauths Pigmentdruck mit sonnigem (?) Strand und einer einsamen Person, die einen (Regen)Schirm aufgespannt hält (mit Abstrichen auch für Eric Kellers Bild "Festplatz"). Solch Unerklärliches und Doppeldeutiges, dessen Basis im Aufbau des Bildes mit begründet ist, machen es interessant. Krauth gehört zu den schon etablierten Absolventen wie auch Tony Franz, das Duo Sutter/Schramm oder Rao Fu. Berührt wurde die Schreiberin ebenso von "Spielregeln der Besetzung" (2014), einem wohl mit Tusche gemalten Schwarz-Weiß-Bild, das voller geheimnisvoller, gestaffelter Räume zu sein scheint, in denen ein ganzes Lebenstheater tobt. Sein Schöpfer Andrey Klassen ist ebenfalls schon im Galerien"himmel" angekommen. Dass es auch Witziges - oder sollte man sagen Sarkastisches? - wie Martin Wiesingers Objekt "Menmosynes Rauchopfer" (2014) gibt, sei hier noch erwähnt.

Nicht alles Gezeigte zieht den Betrachter aber so in seinen Bann. Manches macht auch etwas ratlos - so die neben Klassens Bild platzierten, spiegelbildlichen Fotodrucke von Maja Gratzfeld, die auf einem Fundstück (wohl von der Berliner Pfaueninsel, wie der gleichnamige Titel vermuten lässt) basieren. Und manches erinnert, wenn auch nicht an Kerbach und Sery, so doch an andere "Vorbilder", wobei klar ist: Angesichts des Umstands, dass schon "alles" da war, ist es schwer, eine eigene künstlerische Position zu begründen. Manche sind da weiter, manche noch nicht so weit, was in einer solchen Ausstellung verständlich ist. Die Initiative jedenfalls ist durchaus fortsetzungswürdig.

Bis 22.Juni, Festspielhaus Hellerau, Do-So 14-18 Uhr, zusätzlich an Veranstaltungstagen 18-22 Uhr.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.06.2014

Lisa Werner-Art

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