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DNN präsentiert: Artist in residence Hermann Max beim Heinrich Schütz Musikfest

"vor Augen gestellet" DNN präsentiert: Artist in residence Hermann Max beim Heinrich Schütz Musikfest

Er ist eine der Koryphäen der Historischen Aufführungspraxis, ein Charakterkopf im vielschichtigen Sinne: Hermann Max, mittlerweile 74 und nach wie vor auf den Podien nicht nur der Alte-Musik-Szene unterwegs.

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Hermann Max

Quelle: Markus Ploemacher

Dresden. Dresden. Mit den von ihm gegründeten Ensembles Rheinische Kantorei und Das Kleine Konzert ist er Artist in residence des Heinrich Schütz Musikfestes 2015 und angetreten, das diesjährige Thema "vor Augen gestellet" mit seinen Konzerten quasi eins zu eins umsetzen. Mit "VorBilder und NachKlänge" war das Programm überschrieben, dass die Künstler nach Auftritten in Weißenfels und Bad Köstritz am Sonntag in Dresdens Annenkirche präsentierten.

Um die engen Verflechtungen von Musik und Malerei, in diesem Fall speziell der Zeit Heinrich Schütz', ging es also, aber auch um Vorbilder und Nachklänge hinsichtlich der offenbarten Verehrung der Komponisten untereinander (O-Ton Hermann Max: "Heute würde man Plagiat sagen.") oder des individuellen kompositorischen Umgangs mit ein und derselben Textvorlage. In diesem Sinne ließen sich Bilder hören; sie ließen sich aber auch tatsächlich sehen, denn zu jedem der erklungenen Werke wurde per Leinwand ein zeitgenössisches Gemälde gezeigt - etwa Gerrit Dous "Der Astronom" (1650-1655) zu Schützens "Die Himmel erzählen die Ehre Gottes" aus der 1648 entstandenen Geistlichen Chormusik, Gerard van Honthorsts "Fröhlicher Trinker" zu Anton Colanders "Wie ein Rubin in feinem Golde leuchtet" oder Caravaggios von allerhand Symbolik umgebener "Amor als Sieger" zu Johann Hermann Scheins Madrigal "Cupido blind, das Venuskind".

Der inhaltliche Bogen also umfasste geistliche wie weltliche Themen, eingeladen ward auf eine riesige Spielwiese unterschiedlichster Motivik, verwobener Deutungsebenen, versteckter Anspielungen für Auge und Ohr. Schade, dass die Erläuterungen über die Parallelen und Unterschiede zwischen den Schwesterkünsten, die Hinweise zu den "Handwerksmitteln" der bildenden wie komponierenden Künstler von Kunsthistorikerin Miriam Bothe sowie von Hermann Max wegen teilweise streikender Tontechnik einem vermutlich erklecklichen Teil des Publikums akustisch weitgehend unverständlich blieben. Denn längst ist uns die Symbolik in Bild und Ton nicht mehr so vertraut, wie den Menschen, für die dies ein viel alltäglicheres Kommunikationsmittel war.

Umso brillanter aber war der Höreindruck der wunderbaren Rheinischen Kantorei und der feinfühlig unterstützenden Instrumentalisten (die wegen Erkrankung ohne ihren Lautenisten auskommen mussten). Die im Maximum zehn Sängerinnen und Sänger vermochten einen ausgewogen-vollmundigen Chorklang - z.B. in den drei Geistlichen Madrigalen aus Scheins "Israelsbrünnlein" - ebenso zu erzeugen, wie sie sich in einzeln besetzter Vier- oder Fünfstimmigkeit stets absolut treffsicher zueinander fügten. Eine hoch sensibilisierte und doch stets angemessene Interaktion untereinander fügte sich in der Ernsthaftigkeit der geistlichen Werke ebenso ausdrucksstark wie in ausgelassenen Trinkliedern oder der unverhohlenen Offenherzigkeit in Sachen Liebe, wie sie Adriano Banchieri in "Rizzolina a Orazio" und "Rizzolina canta" einfing. Dass das Ganze auch stimmlich stets exzellent umgesetzt war, durfte man von der Rheinischen Kantorei natürlich erwarten, doch verdient es erwähnt zu werden als Grundlage auch für Hermann Max, in den Interpretationen stets aus dem Vollen zu schöpfen und rhythmische, gestische wie klangliche Motive bis hin zur unglaublich wild anmutenden Musik Domenico Mazzocchis in "Pian piano, aure tranquille", die aus dem "sanften Wehen" in die "grausam Lieb" mündet, überaus plastisch umzusetzen. Chapeau! für diese wunderbaren Musiker.

Sybille Graf

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