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Cynetart 2013 verspricht das Verschmelzen menschlicher Körper mit Computerkunst

Cynetart 2013 verspricht das Verschmelzen menschlicher Körper mit Computerkunst

Herbstzeit ist Festivalzeit, nicht nur in Dresden. Hier aber - genauer gesagt, im kreativen Vorort Hellerau - hat sich in den vergangenen 16 Jahren ein besonderes Festival etabliert, das es mit der sprichwörtlichen Farbenpracht dieser Jahreszeit durchaus aufnehmen kann.

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MNM V1.0 zeigt unter anderem die aus Hiroshima stammende Musikerin Mieko Suzuki während ihrer Klang- und Körperarbeit.

Quelle: Christian Graupner

Die Rede ist von Cynetart, dem Internationalen Festival für computergestützte Kunst.

Wenn am Donnerstag der aktuelle Jahrgang startet, werden im Festspielhaus Hellerau dank eines "organischen" Programms sechs bun- te Tage und Nächte zu erwarten sein. Kolorit gibt es in einer Ausstellung, deren Installationen zum Mitmachen einladen. Der Spagat zwischen nahezu wissenschaftlicher Ernsthaftigkeit und unterhaltsamen Spaßfaktoren zeigt sich in ankündigenden Sätzen wie diesem: "Ein eigensinniger Kanon aus Vokal- & Perkussions- Loops plakatiert die Thematik totaler (Körper-) Kontrolle in der güldenen Epoche des Glücksspiel-Kapitalismus und dessen Kernschmelze." [sic!] Besucher der Cynetart haben freien Eintritt zu dieser gewiss überraschungsvollen Performance aus Videokunst und interaktiver Darbietung.

Es scheint ein erklärtes Ziel des Festivals zu sein, bisherige Grenzen plattzumachen, niederzuwalzen, wo es nur geht. Dazu wird neuzeitliche Medienkunst und modernste Kommunikationstechnik miteinander verknüpft, etwa beim Projekt "Hipster Phone", einer Kooperation zwischen Dresden und Kairo. Zitat: "In seiner zerlegten Struktur ist das Hipster Smartphone in der Lage, mit seinen hightech Vorbildern aufzunehmen und lädt zu performativer Interaktion ein."

Wem das zu kopflastig klingt, der sollte sich einfach den körperlichen Reflexionen dieses hochgeistigen Angebots aussetzen. Erfahrungsgemäß bietet es, aller technokratischen Grundlagen zum Trotz, als Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft recht bodenständige Unterhaltung. Wer sich da auch mental fallenzulassen versteht, hat mal Genuss, mal Gewinn ganz auf seiner Seite. Am Eröffnungstag beispielsweise verspricht das Metabody-Projekt "Emoticam" eine Besucher-Gefühls-Performance. Die Zuschauer werden Teil der von Pulskameras gesteuerten Installation, heißt es. Tags drauf wird das Festspielhaus während der "Nacht der Experimente" zum Laboratorium, in dem Besucher mit Expertenhilfe Wahrheiten eigener Körperwahrnehmung ergründen können. Die Sensibilität des Empfindens steht im Fokus der gemeinsam mit der Trans-Media-Akademie Hellerau und rund siebzig Kreativen aus der internationalen Medienkunst betriebenen Cynetart 2013.

Angesprochen werden alle Sinne, ob nun Clubbing-Sessions für gefühlige Stimmung sorgen, ob "Under the Chair" im Kollektivtanz fünf ineinander verschlungener Frauenkörper eine Laut-gesteuerte Erotik erzeugen oder ob in der Performance "Hypo Chrysos" von Marco Donnarumme Aktionskunst mit biophysischen Medien erzeugt wird. Um Formen von Biohacking soll es gleich in mehreren Projekten des Festivals gehen. Wer Spaß daran hat, die eigenen Bakterienkulturen zu checken oder gar kleine Städte für Bakterien zu bauen, findet hier geeignetes Spielfeld. Mittels Agar, einer veganen Gelatine, können urbane Strukturen in Miniatur errichtet und von den unsichtbaren Wesen dann in Besitz genommen werden. Um echte Genveränderungen sollen dabei übrigens nicht gehen, versichern die Macher.

Aber menschlich interaktiv geht es zu in der Versuchsanordnung "Quadrolog für zwei Personen", die wechselseitiges Beeinflussen eines Avatars untersuchen soll. Cynetart schreitet Experimentierfelder aus, ist ein Podium für Netzwerke und sieht einen Schwerpunkt im tänzerischen Bereich. Das wird aktuell im Vorhaben "Metabody" umgesetzt, ist begleitet von einer Ausstellung wie "EYEsect" - ein mit Kameras versehener Helm steht dem Publikum für die Infragestellung bisheriger Sehgewohnheiten zur Verfügung und soll neue Perspektiven aufzeigen - und beinhaltet natürlich auch wieder die angesagten Performance-Nights. Unter anderem darf dann ergründet werden, wie "dystopischer" Tanz funktioniert.

Begleitet wird die Cynetart unter anderem von LED-Workshops im Bon Voyage in der Louisenstraße, einem Spiel mit magnetischen Leuchtobjekten, und einem Ausflug in die griechische Mythologie. In Anlehnung an den blinden Propheten Teiresias soll "Tiresias" Bewegungen behinderter Menschen in Musik umwandeln.

Bereits vor der offiziellen Cynetart-Eröffnung gibt es am Mittwoch in der Motorenhalle des riesa e.V. eine Hongkong-Videoshow, die eine Nacht mit höchst unterschiedlichen Sichten auf diese Mega-Metropole zu werden verspricht. Übrigens: Die Eintritts- preise zur Cynetart sind wie immer relativ moderat. Mitzubringen ist aber eine gehörige Portion Neugier.

iCynetart 2013: 14. bis 20. November

www.cynetart.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.11.2013

Michael Ernst

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