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"Crossover ist die Banalisierung von Kunst" - Am Sonntag treten 2Cellos in der Lukaskirche Dresden auf

"Crossover ist die Banalisierung von Kunst" - Am Sonntag treten 2Cellos in der Lukaskirche Dresden auf

Am Sonntag, 20 Uhr, treten 2Cellos in der Lukaskirche auf. Es ist die erste Tour des kroatischen Duos Luka Sulic und Stjepan Hauser durch Deutschland. Die beiden Mittzwanziger, die beide eine klassische Musikausbildung genossen haben, spielen Klassiker der Pop- und Rockmusik, die sie für ihre Celli neu arrangieren.

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Die beiden Cellisten Luka Sulic und Stjepan Hauser (v.l.) sind mit ihren Adaptionen von Popsongs erfolgreich auf Tour.

Quelle: Smallz & Raskind

Ein im Internet veröffentlichte Kostprobe ihres Könnens hat sie auf einen Schlag bekannt gemacht, im Anschluss gingen sie mit Elton John auf Welttournee. Vor ihrem Auftritt in Dresden hat Uwe Hofmann mit ihnen gesprochen.

Frage: Sie haben eine klassische Musikausbildung absolviert. Warum sind Sie ins Popgenre gewechselt?

Stjepan Hauser: Wir sind nicht darauf festgelegt, nur eine Art von Musik zu spielen. Und wir hatten auch so viele Ideen, da war so viel Adrenalin, waren so viele Visionen. Wir wollten die Möglichkeiten des Cellos ausweiten und unsere Kunstfertigkeit bis zum maximal Möglichen ausnutzen. Zudem wollten wir ein größeres Publikum, junge Menschen für dieses großartige Instrument gewinnen. Wir dachten darüber nach, wie sich das interessant und spannend machen lässt. Deshalb haben wir das Video Smooth Criminal gemacht. Das war der Anfang.

Was ist so besonders am Cello?

Hauser: Man kann es so ruhig wie eine Geige spielen, es kann so wild klingen wie eine verzerrte elektrische Gitarre, es kann sich anhören wie Perkussion, wenn man darauf schlägt, es kann sanft sein oder aggressiv.

Luka Sulic: Es ist ein sehr vielseitiges Instrument. Und mit der Reichweite des Cellos ist es sehr einfach, eine große Zahl unterschiedlicher Stücke zu spielen. Die Geige kann das nicht. Das Klavier kann nicht wirklich singen, da ist ein großer Unterschied. Das Cello hat viele Möglichkeiten. Viele Menschen wissen das allerdings nicht. Sogar in der klassischen Musik ist es nicht das bedeutendste Instrument. Das sind Violine, Klavier und klassische Gitarre.

Spielen Sie immer noch klassische Konzerte?

Beide: Ja, sicher.

Sulic: Im Dezember hatten wir nur klassische Konzerte als Solisten mit einem Orchester.

Hauser: Und wir bauen in jede unserer Shows klassische Stücke mit ein...

Sulic: ...um klassische Musik einem größeren Publikum vorzustellen...

Hauser: ...und die Leute lieben es. Die Menschen lieben klassische Musik, sie muss eben nur auf die richtige Weise präsentiert werden.

Eine Vielzahl von Musikern beschäftigt sich mit der Verbindung klassischer und zeitgenössischer Musikstile. Was hebt Sie von den anderen ab?

Hauser: Wir sind einzigartig, weil unser Sound allein auf dem Klang des Cellos basiert. Es gibt hinter uns keine Band und kein Orchester. Außerdem sehen wir uns nicht als Crossover-Musiker. Dabei wird doch zumeist das Thema eines klassischen Meisterstücks genommen und mit kommerziellen Klängen verbunden, etwa mit Techno-Beats. Das bedeutet die Banalisierung eines Kunstwerks. Wir machen eigentlich das genaue Gegenteil. Wir nehmen großartige Rock- und Popsongs und versuchen, ihnen eine klassische Dimension durch unser Spiel zu verleihen: mehr Dynamik, mehr Farben - klassische Musik ist voll von solchen Details.

Sie haben Ihr Youtube-Video zu Smooth Criminal schon genannt. Es war ein großer Erfolg. Sogar Elton John hat deswegen angerufen. Wer von Ihnen hat den Anruf bekom-men?

Sulic: Ich. Das Video war seit zwei Wochen online und hatte schon drei Millionen Klicks auf Youtube. Elton John hatte es auch gesehen. Er rief an der Royal Academy (in London; d. Red.) an, wo ich damals studierte. Der Direktor rief mich deshalb in sein Büro. Ich wusste natürlich nicht, warum, und dachte, ich sei in Schwierigkeiten. Aber nein: Ich sprach mit Elton John am Telefon! Am selben Tag lud er uns ein, mit ihm auf Tour zu gehen. Mit ihm kamen wir überallhin. Er ist eine unglaubliche Unterstützung für uns seither. Wir eröffneten seine Shows rings um die Welt, was für uns eine großartige Erfahrung war, weil wir dabei lernten, vor einem solch großen Publikum zu spielen. Das ist eine große Herausforderung. Wir sind nur zu zweit und wir müssen allein mit unseren Instrumenten den Sound von einer ganzen Band erzeugen. Gleichzeitig muss man ein so großes Publikum unterhalten können, weil es eben ein Rockkonzert ist.

Elton John ist auch einer der bekannten Künstler, mit denen Sie für Ihr neues Album In2ition zusammengearbeitet haben. Mit wem hatten Sie den meisten Spaß?

Hauser: Das ist schwer zu sagen, schließlich ist jeder unterschiedlich. Mit Lang Lang hat es Spaß gemacht, weil er jung ist und den selben Hintergrund hat wie wir. Außerdem ist er sehr witzig und bringt so viel Spannung und Freude ein.

Sulic: Mit Zucchero war es auch sehr interessant. Wir nahmen in Rom im Studio von Ennio Morricone auf, wo all die Filmmelodien entstanden sind. Der Klang des Raums war so gut, und es war so inspirierend. Zucchero hat eine tolle Stimme, die wunderbar zum Cello passt.

War es schwierig, die Lieder so zu arrangieren, dass eine menschliche Stimme dazu passt?

Sulic: Wir mussten Songs finden, die zum Cello passen genauso wie zum Gastkünstler. Und für jeden von ihnen einen ganz eigenen Stil. Wie bei 'Oh well' mit Elton, das ist von Fleetwood Mac, das ist Rock'n'Roll. Elton schlug diesen Song vor, weil er ihn schon immer mochte. Mit Zucchero war es anders. Seine Stimme ist inniger und wärmer, also musste das Arrangement anders sein und auch das Lied. Es ist "Book of Love" in einer von ihm ins Italienische übersetzten Version.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Lieder aus, die Sie covern wollen?

Sulic: Es muss Musik sein, die wir mögen und von Künstlern, die wir bewundern.

Hauser: Und es muss auf einem Cello spielbar sein.

Sulic: Wenn wir ein nette Tonfolge oder eine Melodie hören, kann man sich sicher sein, dass sie sich noch besser anhört, wenn man sie mit dem Cello spielt.

Was sind die Unterschiede zwischen dem ersten und dem zweiten Album?

Hauser: Das zweite hat Gastkünstler.

Sulic: Außerdem hatten wir das erste Album selbst produziert. Für das zweite hatten wir Bob Ezrin als Pro-duzenten. Im ersten waren unsere Arrangements sehr geradlinig, wie buchstäbliche Übersetzungen der Songs. Auf dem zweiten Album waren wir kreativer.

Sonntag, 20 Uhr, Lukaskirche, Karten kosten 26 Euro zzgl. Vorverkaufsgebühr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2013

Uwe Hofmann

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