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Crosby, Stills & Nass: Woodstock-Wetter in der Jungen Garde in Dresden

Crosby, Stills & Nass: Woodstock-Wetter in der Jungen Garde in Dresden

Sie sind eine der wenigen Bands der Rockgeschichte, die mit Großbuchstaben auskommen. Weit über Fankreise hinaus genügt das knappe CSN. Manchmal auch CSN&Y, kommt darauf an, in welchem Aggregatzustand sich David Crosby, Stephen Stills, Graham Nash und Neil Young miteinander befinden.

Richtig gekabbelt haben sie sich ja nie, sahen sich immer wieder und spielten in losen Formationen. Als Trio aber, so wie sie 1968 begannen, haben sie die meiste künstlerische Zeit verbracht. Als Trio (mit fünfköpfiger Unterstützung) kamen sie auch nach Dresden. Neil Young kommt später.

Schon 1969 in Woodstock kam Neil Young später, stieß erst inmitten des ersten von zwei Festival-Sets zu den Kollegen. Diesmal "verspätet" er sich um zwei Monate. Die Umstände werden journalistisch natürlich dankbar aufgenommen, Gevatter Zufall aber ist schuld daran, dass es in diesem Jahr diese entkoppelten und von vielen Menschen schwer ersehnten Live-Premieren von Crosby, Stills, Nash und auch Young in Dresden geben kann. Für knapp 150 Euro, inklusive zwei Kaltgetränken, ist man dabei.

Jeder für sich schreibt an seiner Definition von Denkwürdigkeit. Die Möglichkeit, dass dieser vorgestrige Juniabend ein besonderer gewesen ist, scheint hoch. Die meisten der 2700 Besucher hatten sich jedenfalls zur Denkwürdigkeit verabredet, gehören doch gerade CSN für uns einst so ahnungslosen Talbewohner zu den verbliebenen Häkchen-Bands. Konsens-Künstler also, Lebensbegleiter, die man - noch dazu in der Garde - gern mal gesehen hätte, bevor die Haare endgültig grau oder ausgefallen sind. Richtig junge Leute waren kaum zu finden im Rund, zur veritablen Familiencombo haben es Crosby, Stills & Nash nur in den USA geschafft. Dort spricht man von ihnen wie nur noch von den Eagles oder "den Dead".

Symbolisch endet Jeff Becks Konservenversion eines Beatles-Songs präzise um 20 Uhr, der imposante Schlusstakt von "A Day In The Life" holt Stills, Crosby, Nash sowie Todd Caldwell (Hammondorgel), Shayne Fontayne (Gitarre), Steve DiStanislao (Drums), Kevin McCormick (Bass) und Crosbys Sohn James Raymond (Keyboards) auf die Bühne. Nicht minder symbolisch beginnen sie mit einem dampfenden "Carry On". Das Stück verkündet zugleich die Tagesordnung, die in zwei Sets von je einer Stunde Länge auch eingehalten wird: Die individuell stark besetzte Backing-Band spielt ohne Degradierung diszipliniert und virtuos, die einst so Gänsehaut machenden vokalen Trio-Harmonies sind tiefergelegt, in den Höhen sind sie etwas zerfleddert und schludrig, speziell in den rein akustischen Parts wie für "Helplessly Hoping", die das Trio auch mal an einen Baum im Großen Garten setzt. Aber weder der kehlstimmige Stills, noch der helle Nash, gleich gar nicht Crosby (der immer wieder nur dankbar ist, sich von den Einschlägen mit gravierenden Drogendelikten und Leberausfällen erholt zu haben) versuchen, ihre so exponierte Stellung in der globalen Populärmusik auszustellen oder Unangenehmes zu verbergen. Dazu gehört, ihre 68, 71 und fast 72 Lebensjahre nicht zu kaschieren oder mit aller Macht dagegen anzuspielen. Sie kamen gelassen, in natura, und genauso gingen sie wieder. Wie Kollege John Fogerty vor sechs Jahren an gleicher Stelle. Das macht auch CSN sympathisch genug, glaubwürdig, rückt sie weg von einer Karikatur ihrer selbst.

Das Vermögen, vor allem voneinander zu profitieren, hat sie durch die Zeit gebracht. Was beispielsweise Stills im Gesang verloren hat, tauscht er adäquat gegen seine noch stets formidable Gitarrenarbeit ein, und da ist es egal, ob er bis in Buffalo-Springfield-Zeiten zurückgeht oder sich sein Drittel am jüngeren Lied "Burning For The Buddha" nimmt. Ende August erscheint übrigens eine herrlich dreckige Bluesrock-Platte mit Stills, Kenny Wayne Shepherd und Barry Goldberg unter dem exemplarischen Titel "Can't Get Enough".

Die stärksten Momente hat das Konzert im verwinkelt-kompakten Material wie "Déjà Vu", "Long Time Gone" oder "Cathedral", die exzellente Mischung der Setlist aber erlaubt das angefütterte Mitsingen des auch in Dresden textsicheren Bürgerchors in "Teach Your Children" oder "Our House" genauso wie den befreienden Rausschwung mit der uneingeholten Shortfolksammlung "Judy Blue Eyes". Allein die live gehört zu haben!

Wenn man sie gehört hat... Denn es war DONNERstag. Im ersten Teil witzelte Nash noch über die Hitze, die jener in Alabama gliche, jedoch "keine globale Erwärmung ist, sondern, wie George W. Bush immer gesagt hat, nur eine Illusion". Bald aber wurden Wettervorhersagen wahr. "No Rain", skandierten drei Männer vier Reihen weiter vorn - Woodstock im Sinn, Matsch im Schuh. Blitze als Skyshow, Wolkenbruch. Wurst- und Biergespräche drehten sich später darum, ob es nicht besser gewesen wäre, spontan 75 Minuten nonstop zu spielen statt 120 mit halbstündiger Pause. Doch nicht mal der Tiefdruck kam Crosby, Stills & Nash ins Gehege. Sie zogen das durch, und das Volk zog mit, ganz gleich, ob nass bis auf den Schlüppi vor der Rampe oder etwas trockener im winzigen Gewölbe vorm Garde-Tor. Das hatte wohl zwei Gründe: 1. wird es das erste und einzige CSN-Konzert in Dresden gewesen sein, und 2. war es gut.

Für die Zeit bis zum Filmnächte-Auftritt von Neil Young & Crazy Horse am 14. August sei die neuerliche Sichtung des Films "Blutige Erdbeeren" empfohlen. Dort haben ja die Großbuchstaben im Soundtrack eine exponierte Stellung, und zwar alle: Y, CSN, CSN&Y.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.06.2013

Andreas Körner

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