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Comic-Adaption von Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“

Zu zweit geht alles leichter Comic-Adaption von Erich Kästners „Das doppelte Lottchen“

Das doppelte Lottchen“ wurde öfter verfilmt als alle anderen Bücher von Kästner. Nun gibt es auch eine mit Bildern und Sprechblasen aufwartende Version des Buchs, womit Isabel Kreitz nach „Der 35. Mai“, „Pünktchen und Anton“ sowie „Emil und die Detektive“ ihre vierte Kästner-Adaption vorlegt.

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Erich Kästner * Isabel Kreitz: Das doppelte Lottchen. Ein Comic von Isabel Kreitz. 112 Seiten, ab 9 Jahre, Dressler Verlag, 18,99 Euro. Erschienen am Montag.

Quelle: Dressler Verlag

Dresden. Eigentlich hat der zunächst vor allem als Journalist und Satiriker reüssierende Erich Kästner ja nie Kinderbücher schreiben wollen. Erst Edith Jacobson, die Witwe des „Weltbühne“-Verlegers Siegfried Jacobsohn, regte ihn bei einem Autorentreffen an, mal nicht nur über Kinder, sondern auch für Kinder zu schreiben. Das sei schwer, aber er werde es versuchen, ließ er Jacobssohn wissen – und legte los, zunächst mit dem Klassiker „Emil und die Detektive“.

Und wann immer er in späteren Jahren verzweifelte ob der Trägheit der Herzen und der Unbelehrbarkeit der Köpfe, so verspürte er, dessen Bücher für Kinder zunächst und vor allem poetische Plädoyers für die Vernunft in den Zeiten der Unvernunft sind, stets aufs Neue das Bedürfnis, Kindern Geschichten zu erzählen, wie er in seinen „Gesammelten Schriften für Erwachsene“ bekennt.

Aus diesem Bedürfnis heraus erwuchs auch das Buch „Das doppelte Lottchen“, in dem die Geschichte zweier Zwillings-Schwestern erzählt wird, die sich zufällig in einem Kinderferienheim kennenlernen. Während die temperamentvolle und wild gelockte Luise Palfy bei ihrem Vater in Wien lebt, wohnt die brave und mit streng geflochtenen Zöpfen aufwartende Lotte Körner bei ihrer Mutter in München.

Erst haben sie Zoff miteinander, weil Luise es er gar nicht lustig findet, dass „jemand frech mit meinem Gesicht daherkommt“, dann sind sie derart ein Herz und eine Seele, dass die anderen nur noch fragen, wo denn „die Locken und die Zöpfe“ nun wieder stecken. Die Mädchen beschließen ihre Identität zu tauschen. So lernt der Wildfang Luise, der es anders als Lotte mit Ordnung und Fleiß eher nicht so hat, erstmals seine Mutter kennen und die schüchterne Lotte trifft auf ihren Vater. Die Zwillinge versuchen ihre Eltern wieder zusammenzubringen. Zu zweit geht alles leichter - doppelt hält besser, oder?

Die Kulturgeschichte ist voll von Paaren, die ihre Vervollkommnung im Yin und Yang finden. Ob nun in der Musik wie im Fall von John und Yoko, der Literatur mit Romeo und Julia oder auch im Kino mit Thelma und Louise. Und auch die Comic-Welt ist voll mit Paaren, als da wären etwa Batman und Robin, Tarzan und Jane oder auch die berühmtesten Bürger von Entenhausen: Minnie und Micky, Donald und Daisy. Kästner, geboren bekanntlich 1899 in Dresden und gestorben 1974 in München, wollte aus der Geschichte zweier Mädchen, die sich gleichen wie ein Ei dem anderen, während der NS-Zeit ein Drehbuch machen, setzte sie nach Kriegsende jedoch in Romanform um. In Druck ging das Werk 1949, und der Nachkriegsmief ist da durchaus zwischen den Zeilen zu lesen – aber auch die Revolte dagegen. Schließlich geht es um damalige Tabus wie Trennung, Scheidung, das Leben mit nur einem Elternteil und – man staune – auch außerhalb des Haushalts arbeitende Frauen.

„Das doppelte Lottchen“ wurde öfter verfilmt als alle anderen Bücher von Kästner. Nun gibt es auch eine mit Bildern und Sprechblasen aufwartende Version von Kästners Buch, womit Isabel Kreitz, geboren 1967 in Hamburg, nach „Der 35. Mai“, „Pünktchen und Anton“ sowie „Emil und die Detektive“ (siehe DNN vom ....) ihre vierte Comic-Adaption eines Jugendbuchs von Erich Kästner vorlegt. Ob Kästner daran Gefallen gefunden hätte? Vermutlich schon, verfasste er doch selber neue Versionen klassischer Geschichten: „Es ist immer einmal an der Zeit, solche unzerreißbaren Geschichten nachzuerzählen. Sonst schmecken sie den Kindern altbacken ...“ schrieb er im Vorwort zu seiner „Gulliver“-Adaption.

Dieses Mal orientierte sich Kreitz etwas weniger an den farbsatten Zeichnungen von Walter Trier, der das Titelbild und zahlreiche Innenillustrationen für „Das doppelte Lottchen“ und andere Bücher Kästners anfertigte. Kreitz greift zwar Elemente und Kompositionen der Illustrationen auf, setzt diese jedoch in einem weniger reduzierten Zeichenstil als Trier, der anders als Kästner ins Exil ging und 1951 in Kanada starb. Einmal mehr unterstreicht Kreitz, dass sie eine der Großen im Comiczeichner-Gewerbe ist, dass sie ihr Handwerk u.a. an der New Yorker Parsons School of Design gelernt hat.

An sich gilt ihr Interesse insbesondere dem literarischen Comic, der „graphic novel“, wobei nicht zuletzt die Comic-Umsetzung von Uwe Timms Roman „Die Entdeckung der Currywurst“ aufhorchen ließ. Nun ist mit „Das doppelte Lottchen“ die sehr erfreuliche Wieder- oder Erstbegegnung mit einem Kästner-Klassiker zu vermelden. Es sind nicht zuletzt die vielen kleinen akribisch erfassten Details, die beim Betrachten entzücken, etwa wenn die Münchner Frauenkirche kurz anzeigt, wo die nächste Episode spielt, oder wenn ein roter Käfer in einer Straße steht, eine Auto-Marke, die rar geworden ist auf den Straßen. Modernisiert wurde nichts. Handys sind noch nicht mal ansatzweise in Sicht, die Telefone sind schwarz, schwer, sind nicht schnurlos, haben aber noch Wählscheiben.

Das geschriebene Wort spielt durchaus noch immer eine gewichtige Rolle. Es ist nämlich die Anordnung der Sprechblasen, die den Blick über die Seiten lenkt und die Lektüre rhythmisiert - unmerklich, wie es wahrhaft große Kunst beim Comicerzählen verlangt. Und man spürt förmlich, wie fröhlich Luise und ihre Mutter sind, wenn sie – im modischen Outfit der 1950er-Jahre – durch ein schönes Stück Natur Oberbayerns inklusive Bergkette und Kirchlein mit Zwiebelturm wandern und dabei singen: „Es geht auch ohne Auto. Es geht auch ohne Geld. Es lebt sich trotzdem herrlich. Auf dieser schönen Welt.“

Erich Kästner * Isabel Kreitz: Das doppelte Lottchen. Ein Comic von Isabel Kreitz. 112 Seiten, ab 9 Jahre, Dressler Verlag, 18,99 Euro. Erschienen am Montag.

Von Christian Ruf

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