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„Coltfingers letzter Schuss“

Wilder Westen im Sommertheater „Coltfingers letzter Schuss“

Um Coltfinger, der ähnlich wie Goldfinger, einer der schurkischen, doch gleichwohl legendären Gegenspieler James Bonds, ziemlich erpicht auf schnell zusammengerafften Reichtum ist, dreht sich alles im neuen Stück des Sommertheaters Dresden „Coltfingers letzter Schuss“.

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COLTFINGERS LETZTER SCHUSS - Sommertheater Dresden. V. l. n. r.: Antonia Michalsky (Elisa), Simon Fleischhacker (Slaughterman), Dominik Breuer (Coltfinger), Carolin Jakoby (Rosemarie) uns Dennis Dagli (Häuptling Ins Herz Treffender Pfeil).

Quelle: Peter Förster

Dresden. „Der weiße Mann spricht in Rätseln“, meint Häuptling Ins Herz treffender Pfeil, der keine Ahnung hat, was dieser Typ aus Hohenstein-Ernstthal namens Coltfinger eigentlich von ihm will. Ständig schlägt der Kerl, der sich als Aufbauhelfer sieht und greint, dass er eigentlich eine Buschzulage bekommen müsste, ihm würden Geschäfte vorliegen, die nicht gerade eine auf eine Win-Win-Situation für beide Seiten hinauslaufen, sondern bei näherer Betrachtung stets zum Schaden der Indianer und der Natur sind. Aber gut, der Wahnsinn steht unter dem Schutz von Manitu, also auch dieser Coltfinger.

Um diesen Coltfinger, der ähnlich wie Goldfinger, einer der schurkischen, doch gleichwohl legendären Gegenspieler James Bonds, ziemlich erpicht auf schnell zusammengerafften Reichtum ist, dreht sich alles im neuen Stück des Sommertheaters Dresden, das nun bis Anfang September im Club Bärenzwinger zu sehen ist. Verfasst hat das Werk in bewährter Manier Peter Förster, der auch Regie führte. Zum ersten Mal geht es beim Sommertheater in den Wilden Westen, jene Gegend, wo einst mit Mord und Totschlag die Freiheit durchgesetzt wurde, wie einer der Akteure zu Beginn durchblicken lässt.

Fünf Schauspieler tummeln sich auf der Bühne, verkörpern in der Regel mehrere Rollen. Nur Dominik Breuer spielt ausschließlich Coltfinger, der wahrlich kein Menschenfreund, sondern ein ziemlich arroganter Schurke ist, aber dessen Zynismus nun mal auch für die amüsantesten Momente des Abends sorgt, etwa wenn er versichert, nicht in einer Welt leben zu wollen, in der man Blutvergießen nicht verhindern kann. Breuer grinst viel und breit, es wird jederzeit klar, dass ihm seine moralische Verkommenheit ungemein viel innere Befriedigung verschafft. Nur das „pseudobuddhistische Gequatsche“ à la „Der Weg ist das Ziel“ von Ins Herz treffender Pfeil (Dennis Dagli) sowie die Begriffsstutzigkeit seines „Angestellten“ Abraham Slaughterman (Simon Fleischacker) lassen ihm wieder und wieder die Gesichtszüge entgleisen.

Mit von der Partie sind Antonia Michalsky und Carolin Jakoby. Sie übernehmen sämtliche Frauenrollen, zu denen auch zwei Damen aus dem horizontalen Gewerbe zuzurechnenden Escort-Service-Bereich gehören, die wissen, wie man den Körper einsetzt, getreu dem Motto „Es macht die Männer ganz verrückt, wenn unsereiner sich etwas bückt.“ Diese viel Haut zeigenden Saloongirls namens Elisa und Rosemarie lästern über die Männer in einer Art und Weise, die wohl nicht nur Überzeugungen von in der Wolle gefärbten Feministinnen zum Ausdruck bringt, letztlich aber durchaus auch die Männer im Saal grinsen lässt.

Apropos Frauen: Als Coltfinger, „der Mann der unüberlegten Schnellschüsse“, mal wieder einen seiner geldgeilen Anfälle hat, fragt Häuptling Ins Herz treffender Pfeil sich wie ihn, ob der weiße Mann vielleicht einfach mal eine Squaw braucht. Triebabfuhr soll ja manchmal Wunder wirken. Ins Herz treffender Pfeil, der edel, stolz und bescheiden rüberkommt wie weiland Pierre Brice als Winnetou, aber auch schon mal einräumt, dass er jetzt gerne „stoned“ wäre, zeigt sich bereit, Coltfinger die seine in Gestalt von Tanga Tenga Tanga zu überlassen, wobei dieses „Squaw-Sharing“ den Vorteil hätte (uneigennützig ist der Vorschlag nicht), dass er damit selbst frei wäre für deren Schwester Hasi Mausi Hasi.

Wie Coltfinger sich entscheidet, welches Ende es überhaupt mit ihm nimmt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Festzuhalten ist, dass das Stück verdammt amüsant und entsprechend kurzweilig ist, egal ob nun in Reimen gesprochen wird oder nicht. Hübsch sind ein paar eingebaute Sätze zum aktuellen Zeitgeschehen, etwa wenn die Indianer Coltfinger mit „Refugees Welcome“ begrüßen. Mitunter wird auch schon mal aus dem Stück herausgetreten, etwa wenn Jakoby und Michalsky von der Bühne herab erklären: „Für den Fall, dass Oberlehrer im Publikum sind: Mit Kittchen ist nicht Küche gemeint.“

Eingebaut sind immer wieder mal kleine Spitzen, die man als antiamerikanisch werten kann, etwa wenn vom „Land der unbegrenzten Schweinereien“ die Rede ist. Aber gut, es wird eher nicht daran liegen, dass Förster u.a. mit den alten Defa-Indianerfilmen sozialisiert wurde, in denen der rote Mann grundsätzlich gut, der weiße Mann bis auf ein paar Ausnahmen grundsätzlich böse gezeichnet worden war.

bis 18. 8. und 23.8. bis 4.9. täglich außer montags 20 Uhr im Bärenzwinger, Kartentelefon: (0351) 2126723

www.sommertheater-dresden.de

Von Christian Ruf

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