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Collegium 1704 mit Monteverdi in der Annenkirche

Collegium 1704 mit Monteverdi in der Annenkirche

Der Lobgesang Marias gehört zu den wichtigsten Texten der Vesper. Im 16. und 17. Jahrhundert erblühten zahlreiche Kompositionen, erst kürzlich waren verschiedene Magnificat von di Lasso, Palestrina und Schütz in Dresden zu hören, auch jenes von Claudio Monteverdi.

Dresden. Die Marienvesper enthält über das Magnificat hinaus einleitende Antiphonen, fünf Psalmvertonungen sowie dazwischen eingeschobene "geistliche Concerti". Auch diese sind mit einem Text versehen, jedoch in der Gestaltung schlichter und von eher erzählendem Charakter.

Václav Luks und sein Collegium 1704 gestalteten das Werk prächtig, nutzen auch die Möglichkeiten, die Wesen von Antiphonen, Psalmvertonungen, Concerti, Hymnus und Magnificat in unterschiedlichen Stimmungen auszuloten. Dazu zählten schon die gregorianischen A-capella-Chöre von Versiculus, Responsorium, Antiphonen und Oratio, die wunderschön von den Frauenstimmen allein (Leitung: Babora Kabátková) gesungen wurden. Erst im abschließenden Benedicamus Domino fanden sie mit den männlichen Stimmen zusammen. Dieser schlichte Rahmen verlieh dem Konzert eine innere Ruhe und Richtung, war Anbeginn und Abschluss - völlig klar, dass es danach, trotz jubelnden Publikums, keine Zugabe geben konnte.

Auch das Orchester gab den unterschiedlichen Teilen der Marienvesper verschiedene Klangfarben. Mit Zinken und Dulzian hatte sich das Collegium im Instrumentarium noch etwas "früher" als sonst (kurz nach 1600 statt um 1704) verortet, blieb dabei aber seinem Klangideal treu: warme, weiche Töne. Schon im Basso continuo, den variabel Harfe, Orgel und Laute bildeten, war dieses Leuchten zu spüren, wobei die Harfe mit perlendem, manchmal in die Nähe einer Barockgitarre gerücktem Ton verzauberte, während die Laute immer wieder auch mit vernehmlich mahnenden oder beruhigenden Basspulsen hervortrat. Über diese drei Instrumente hinaus bereicherten auch Cello, Kontrabass oder Dulzian - wie gesagt: allein schon im Bass. Gemeinsam entfesselten die beiden versammelten Collegia die ganze Pracht aus Monteverdis Zeit mit herrlichen Bläsern, aber auch zwei virtuosen Violinen, wie in der Sonata Sopra Sancta Maria (Konzertmeisterin Katharina Heutjer und Cosimo Stawiarski).

Auch dramaturgisch hatte man dem Werk entsprochen, teilte nicht nur die Sänger entsprechend der Mehrchörigkeit auf, sondern platzierte auch die Solisten in den Kirchenemporen rechts, links und hinten, um zum Beispiel im Concerto Audi coleum das im Text vorgegebene Echo auch räumlich zu gestalten. Schon im Nigra sum hatte Václav Cižek mit anschmiegsamen Vokalen betört, im Pulchra es begeisterten Silvia Frigato und Francesca Aspromonte mit reichem Klang und intonationssicheren, virtuosen Verzierungen. Auch 400 Jahre nach ihrer Entstehung vermag die Marienvesper zu bezaubern!

VON WOLFRAM QUELLMALZ

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