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Collagen von Anton Paul Kammerer im Zahnärztehaus Dresden

Alles hängt mit allem zusammen Collagen von Anton Paul Kammerer im Zahnärztehaus Dresden

Anton Paul Kammerer ist ein skurriler Geschichtenerzähler. In seinen Collagen im Zahnärztehaus Dresden öffnet er dem Betrachter seine imaginäre Welt aus Zufall und Notwendigkeit. In seinen fein durchdachten Collageblättern nutzt er sein Reservoir alter Schriften und Dokumente.

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Anton Paul Kammerer, Sonnig. Zeichnung/Collage, 2011.

Quelle: Zahnärztekammer

Dresden. Anton Paul Kammerer ist ein skurriler Geschichtenerzähler. In seinen Collagen im Zahnärztehaus Dresden öffnet er dem Betrachter seine imaginäre Welt aus Zufall und Notwendigkeit. In seinen fein durchdachten Collageblättern nutzt er sein Reservoir alter Schriften, Dokumente, Katasterblätter, Fotografien, Zeichnungen und allerlei andere Versatzstücke (darunter Bücher, Abbildungen, Stiche mit Blumen-und Tierzeichnungen, Geldscheine, Zeitungsausschnitte) und verarbeitet sie zum Teil auch mit eigenen zeichnerischen Eingriffen und Kommentaren. Alles hängt mit allem zusammen.

Bemerkenswert und typisch für sein Schaffen ist ein großes Blatt, ein Querformat, das den obskuren Titel "Aus dem Leben der Sekretärin des Privatdetektivs" (2000) trägt. Die etwas muffige, leicht verstaubte Atmosphäre mit den Schwarz-Weiß-Fotos des Zigarre rauchenden Detektivs und der vor ihrer Schreibmaschine sitzenden Sekretärin am unteren Bildrand des Blattes entsteht durch eine gewisse Enge abgeteilter Bereiche, in denen kommentarlos erzählt wird. Conan Doyle und Agatha Christi lassen grüßen. Ein Farbfleck und ein Stiefel, sowie eine Taschenuhr und ein Zehn-Pfund-Geldschein, ein Zeitungsrest und ein Katasterblatt sind jeweils den einzelnen "Feldern" eingeschrieben und vielleicht Indizien zu einem konkreten Kriminalfall.

Wie man sich überhaupt in der Welt der Bilder von Kammerer in einer unendlich scheinenden detective story vorkommt, die sich der Betrachter selbst erzählen kann. Neben den konkreten Aussagen haben die Blätter einen hoch dekorativen Wert, und das nicht im abwertenden Sinn. Sie fügen sich gut in den jeweiligen Raum und bereichern ihn mit ihrer subtilen Ästhetik.

Lyrisch gestimmt sind seine Gartenblätter mit Blumenbildern ("Gärtnern auf Papier Nr. 1und 5", 2011), dagegen eher elegisch die Blätter zur "Winterreise 1 und 2" (2006) mit der markanten Liedzeile Wilhelm Müllers als Zitat "Fremd bin ich eingegangen, fremd zieh ich wieder aus". Kammerer fängt unterschiedliche Stimmungen ein und gibt ihnen Ausdruck in einem oft eigenwilligen Titel, der zum Bild immer gehört, um Assoziationsketten zu erzeugen.

Schlichter, aber nicht weniger reizvoll dagegen ist die Collage "Sonnig" (2011), eine vollmundige Arbeit mit dem orangenen Tagesgestirn, ins Zentrum des Blattes gemalt. Darunter wie so häufig finden sich mehrere Feldabschnitte, in denen Kammerer eine Fotografie von seiner Ehefrau in jungen Jahren und eine daneben sich öffnenden gelben Fläche platziert hat: Zeit und Raum als harmonisches Ganzes erstrahlen im Licht. Geheimnisvoll aber bleiben Fragen offen.

Eine zweite Leidenschaft Kammerers ist die Musik, speziell sind es die Lieder von Bob Dylan. Er hört sie häufig in seinem Atelier während der Arbeit. Schließlich besitzt er nahezu alle CDs von ihm. Vor einiger Zeit entstand eine Serie von Collagen zum "Songbook" des amerikanischen Folk-Pop-Sängers. Ein Dylan gewidmetes Blatt ("Für Robert Zimmermann", 2005, so der bürgerliche Name von Bob Dylan) findet man auch in der aktuellen Ausstellung.

Anton Paul Kammerer wurde 1954 in Weißenfels geboren, studierte von 1975-80 an der HfBK Dresden. Seit 1981 ist er freischaffend und war Mitbegründer der freien Künstlergruppe B 53 gemeinsam mit Andreas Küchler (gest. 2001), Jürgen Wenzel und Bernd Hahn (gest. 2011).

2000 bezog Kammerer ein eigenes Atelierhaus in Burgstädl. Er erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen. Dank dem stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Sachsens Dr. Ralph Nikolaus, selbst Sammler und Kunstfreund, konnte mit Anton Paul Kammerer die 44. Ausstellung im Zahnärztehaus organisiert werden. Gleichzeitig ist die Präsentation ein würdiger Abschied, denn Nikolaus geht in den wohlverdienten Ruhestand. Die Dresdner Künstler verdanken ihm viel.

Bis 12. Februar. Zahnärztehaus, Schützenhöhe 11, Mo/Di und Do/Fr 14-16 Uhr.

www.zahnaerzte-in-sachsen.de

von Heinz Weißflog

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