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CocoRosige Zeiten - Die "verrückten" Casady-Schwestern kommen mit neuer CD in die Reithalle Dresden

CocoRosige Zeiten - Die "verrückten" Casady-Schwestern kommen mit neuer CD in die Reithalle Dresden

Die Reithalle im Industriegelände wird wieder zur Reizhalle. Das muss zwangsläufig so sein, wenn die beiden US-Schwestern Bianca und Sierra Casady als CocoRosie wieder in die Stadt kommen.

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Doch nicht von dieser Welt? So sieht Fotograf Rodrigo Jardon die beiden bezaubernden Schwestern Bianca und Sierra Casady.

Quelle: PR

Das war schließlich immer so, und zwar unabhängig von den Orten, an denen sie aufgetreten sind. 2004 als Duo in der Blauen Fabrik, als sie noch kaum wer kannte, zuletzt 2010, als Clubs längst zu halben Arenen geworden waren. Diejenigen, die dereinst in der Neustadt mit auf dem Boden gesessen und jene auf Anhieb sonderbare, ja, obskure Mischung aus Originalität und Musikalität, Spieltrieb und Show staunenden Auges und Ohres verfolgt haben, dürften an CocoRosie drangeblieben sein. Ihre Entwicklung ist so zwingend wie logisch.

Dazu gehört natürlich, dass ausgerechnet die weltläufigen Casadys mit Theaterregisseur Robert Wilson für "Peter Pan" am Berliner Ensemble zusammengearbeitet haben (Bianca: "Es war ein Seiltanz zwischen Struktur und Improvisation"). Auch, dass jede der beiden Frauen inzwischen eigene Projekte verfolgt, überrascht nicht - mit dem Ballett "Nightshift" (Bianca) und der Pop-Oper "Soul Life" (Sierra).

Noch sind nicht alle Rätsel gelöst, Geheimnisse nicht dechiffriert, noch wurden nicht alle Symbole erkannt, sind nicht alle Fährten gefunden und wurde nicht in alle Fallen getapst, die Bianca und Sierra hinterlassen haben und weiter hinterlassen. Das wiederum ist das Beruhigende an ihnen. Alles andere wäre langweilig. Als ihre neue, insgesamt fünfte CD namens "Tales Of A Grass Widow" (City Slang) im späten Frühling dieses Jahres erschien, beschlich einen das Gefühl, jetzt sei doch etwas Durst auf die Strecke gekommen. Was nicht einmal verwundert hätte, legten CocoRosie doch vor drei Jahren mit "Grey Oceans" ihre bis dato beste Platte vor. Ein Meisterwerk frischer Beats und Sounds war das, stringente Kompositionen beherrschten das Klangbild, das Spielzeug war in der Kiste geblieben oder versteckter als sonst im Einsatz, vor allem Piano, aber auch Bassklarinette, Altsaxophon, Trompete und Geige unterfütterten diese beiden seltsamen wie großartigen Stimmen.

Reife wäre ein anderes Wort für den erreichten Stand. CocoRosie gehen natürlich weiter, und doch braucht die neue Platte länger als gewohnt, um wirklich spannend zu werden. Dass ihr treuer Freund und Kupferstecher Antony Hegarty wieder auftaucht, mag den Eindruck der "Nummer sicher" zunächst verstärken. Doch gegen Mitte der Spielzeit fransen die Stücke langsam aus, schwindet die bis dahin frappierende Eingängigkeit, erliegt die Versuchung des Hip Hop doch wieder der Verschachtelung mit Flöten, Harfen, Trommeln. Wenngleich schon ein besonders nachdrückliches Strahlen aus der CD dringt. Liegt es an dem, was Bianca Casady, die sehr gern von Feministinnen vereinnahmt wird, sagte, als man sie wieder einmal nach ihrem Blick auf die Welt gefragt hat? "Die Patriarchie ist endlich vorbei! Das ist mein Slogan der Hoffnung. Wir müssen einfach optimistische Vorstellungen von der Welt projizieren. Ich will keine Päpste mehr sehen, keine Warlords und Präsidenten. Ich fühle gerade globales Erwachen. Wir werden uns bewusst, dass wir es uns Tausende von Jahren in einem sozialen Gefängnis ganz gemütlich eingerichtet haben. Am meisten aber bin ich satt von der ewig männlichen Vorstellung von Gott. Wir jedenfalls bersten vor Optimismus."

In der Diskographie der beiden Casadys mag "Tales Of A Grass Widow" dann doch etwas abfallen, live aber waren CocoRosie noch Ende Mai äußerst hoch in Form. Nachzusehen ist das im arte-Mitschnitt eines Auftritts aus den Pariser Bouffes du Nord (noch über 80 Tage online auf arte.tv). Hervorragend geeignet übrigens zum Vor- und Nachfühlen des Dresdner Termins! CocoRosie 2013 sind eine famose Viermann-Band mit Beatboxer, mit exzellentem Einsatz von Film und Live-Cam, die ausnehmend schönen Schwestern stehen wie gewohnt toll mit fluoreszierenden Röckchen, Lichthaube und Strass verkleidet, aber eben auch herzzerreißend pur auf der Bühne. Sierra kommt wie immer freundlicher und stimmlich "perfekter" daher als die eher spröde Bianca, die mit ihrem naturbelassenen Pressen ungemindert reizvoll das Klangbild prägt. Oper trifft noch immer Gospel, Dancefloor die Probierpackung, und beide haben sich unvermindert lieb.

CocoRosie spielten in Paris das neue Album druckvoller und fast komplett. Sie wirkten extrem gespannt auf sich selbst, musikalisch essenziell, konzentriert und fokussiert. Sollten sie sich das über die letzten Monate bewahrt haben, steht einer noch einmal neu inspirierenden September-Tour in Europa nichts im Wege. Dresden ist die sechste Station von 27 in 31 Tagen. Fehlen werden im Publikum diesmal nur die, die sich zum Berlin-Festival aufmachen, um die Schwester der Schwestern live zu erleben: Björk.

iCocoRosie: Sonntag 20 Uhr, Reithalle; Karten: 27 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.09.2013

Andreas Körner

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