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Clemens Jahn ist Hausmeister und Kirchner - und er schreibt Lieder für Kinder

Clemens Jahn ist Hausmeister und Kirchner - und er schreibt Lieder für Kinder

Diesmal ist ein kaputter Stuhl zu reparieren. Letztens während der Chorprobe ist die Sopranistin damit zusammengebrochen. Nun steht er umgekehrt auf einem Tisch.

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In der Heilig-Geist-Kirche in Blasewitz: Clemens Jahn arbeitet als Hausmeister und Kirchner, hat aber auch eine enge Bindung zur Musik. Jüngst nahm er einige seiner Kinderlieder in einem professionellen Studio auf.

Quelle: Dietrich Flechtner

Clemens Jahn streicht Holzkaltleim auf die Zapfen, drückt die Beine fest, arretiert sie mit einer Schraubzwinge.

Eine von unzähligen Arbeiten, die Tag für Tag in und um das Gemeindehaus der evangelischen Kirchgemeinde Dresden-Blasewitz auf den 53-Jährigen warten. Als Kirchner und Hausmeister ist er hier und in der Bethlehemkirche in Tolkewitz verantwortlich dafür, dass genügend Stühle im Saal stehen, der Flügel an der richtigen Stelle platziert ist, die Behänge, Paramente genannt, in der vorgeschriebenen liturgischen Farbe am Lesepult hängen, Kerzen und Blumen den Altar schmücken. Er muss das Haus sauberhalten, draußen auf den Wegen Schnee räumen und streuen, aufsammeln, was andere auf die Wiese im kleinen Park gegenüber der Heilig-Geist-Kirche fallen lassen.

Ein Mann fürs Praktische. Doch dass er nicht nur handwerkliches Geschick besitzt sondern auch musisches Talent, hat sich längst herumgesprochen in der Gemeinde. 15 Jahre ist es her. Der aus Barleben bei Magdeburg stammende Pfarrersohn, gelernter Funkmechaniker, war mit Frau und den zwei Söhnen nach Dresden gekommen. Die Kinderbibeltage standen bevor. Er beteiligte sich an der Vorbereitung. Brücken und der Turmbau zu Babel sollten Thema sein. "Wir fanden aber einfach kein passendes Lied dazu", erinnert er sich.

So setzte er sich hin und schrieb: "Wer zu Gott will, muss nur hören auf sein gutes Wort. Türme, die wir bauen, stören, bringen uns nur fort. Wer zu Gott will, muss nur schauen, wo sein Nächster steht, und zu diesem Brücken bauen, über die man geht." Fertig war der Refrain. Dazu drei Strophen, genau zugeschnitten auf jeden der drei Bibeltage. Das alles auf eine einprägsame Melodie.

"Im Jahr darauf haben mich die Kinder gefragt, wo denn das Lied diesmal bleibt. Da habe ich gemerkt, dass es gut angekommen sein muss. Seither habe ich mit einer Ausnahme jedes Jahr ein neues geschrieben." Über biblische Gestalten wie Jona, Mirjam, Jakob, Paulus und Jeremia. Aber auch über den Lobgesang des Franz von Assisi, über Wunder, vergangenes Jahr über das Herz, passend zum Motto des Kirchentages.

"Gib uns unser täglich Brot ohne Angst vor Hungersnot, sieh auf unsre Sorgen", beginnt der Refrain für dieses Jahr. Clemens Jahn hat das Lied mehrere Male zur Gitarre gesungen und aufgenommen. Jetzt hört er es immer wieder, feilt weiter am Text. Bei den Worten erlaubt er sich keine Nachlässigkeit. "Unsere Sprache ist ein so wertvolles Gut, oft aber wird sie so ungut behandelt", sagt er.

Das Sprachgefühl habe er von seiner Mutter mitbekommen. "Sie war literaturbesessen. Hat, wenn sie im Geschäft in der Warteschlange stand, den ganzen 'Faust' auswendig gelernt." Die musikalische Ader habe ihm sein Vater vererbt. Der hatte ursprünglich angefangen, Musik zu studieren. "Doch dann kam er mit kaputten Handgelenken aus dem Krieg heim."

Kindern Christentum und Bibelwissen zu vermitteln, damit hat Clemens Jahn schon angefangen, als er selbst dem Konfirmandenalter gerade entwachsen war. "Bis heute fasziniert mich, wie offen und ehrlich Kinder sind. Die kaufen einem nicht einfach alles ab, die wollen es genau wissen und sagen einem direkt, wenn ihnen was nicht gefällt."

Und scheinbar mühelos lernen sie in drei Tagen so ein Lied. "Später, zum Gottesdienst, singen sie es dann vor der Gemeinde, als wär's das Normalste von der Welt." Kinder, so seine Erfahrung, darf man ruhig fordern. Klar und verständlich müssen seine Texte sein, aber nicht simpel.

"Manchmal wünschen sich Eltern, dass ich eines dieser Lieder noch einmal singe, bei einer Taufe zum Beispiel", erzählt Clemens Jahn. Geschrieben seien sie ja für die Kinderbibeltage. Doch offenbar stecke etwas drin, das über diesen speziellen Anlass hinausreiche. "Es sind biblische Geschichten, die in die Gegenwart geholt werden. Das könnte man auch andernorts in der Christenlehre oder im Kindergarten singen." Deshalb hat er die Lieder jetzt, unterstützt von einem Freund mit klassischer Gitarrenausbildung, im Studio eingespielt und zu einer CD zusammengestellt, "Wünsch dir ein Wunder" lautet deren Titel.

80 Stück davon hat er schon verkauft. "Aber das ist jetzt nicht mein Sprung in eine Liedermacher-Karriere", betont er.

Zielgruppe: Kinder von 6 bis 12 Jahren aus Kirchgemeinde, auch Freunde, deren Eltern nicht Kirchenmitglieder sind

Methode: Gemeindepädagogen vermitteln biblische Geschichten und deren Bedeutung für Gegenwart und eigenes Leben, indem sie Kinder malen, basteln, singen oder Theater spielen lassen

Zeit: n den Winterferien; über mehrere Tage von morgens bis nachmittags; Abschluss in der Regel mit Familiengottesdienst

Sachsen: m Jahr 2010 insgesamt 179 Veranstaltungen (Kindernachmittage, Kinderbibeltage oder Kinderbibelwoche) mit rund 5000 Kindern von etwa 20 400 Christenlehrekindern insgesamt

Dresden: n Blasewitz und Striesen vom 22. bis 24. Februar in Räumen um Versöhnungskirche, ökumenisch veranstaltet, also gemeinsam von Gemeinden unterschiedlicher Konfessionen - von Blasewitz, Loschwitz, Gruna-Seidnitz (evangelisch-lutherisch), Zion Striesen (evangelisch-methodistisch), Mariä Himmelfahrt Striesen (katholisch) und dem CVJM; für rund 100 Kinder, geleitet von rund 20 Pfarrern, Gemeindepädagogen, Ehrenamtlichen; Näheres unter Tel. 0351/3100041, Internet www.kirchgemeinde-dresden-blasewitz.de

CD: Clemens Jahn, "Wünsch dir eine Wunder. Lieder (nicht nur) für Kinderbibeltage"; 10 Euro; Näheres auf der Internetseite http://sites.google.com/site/roterbaer/meinelieder

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.02.2012

Tomas Gärtner

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