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Christine Traber und Ingo Schulze erfinden "KunstGeschichten"

Christine Traber und Ingo Schulze erfinden "KunstGeschichten"

Sich in der Betrachtung eines Bildes zu verlieren, bringt die unterschiedlichsten Gedankengänge her-vor. Bei jedem neuen Mal können es andere sein, und wirklich spannend wird es, wenn der Blick unter die Oberfläche taucht, wenn Gegenstand, Stimmung, Farbspektrum, Malweise erfasst sind.

Dass man so nachvollzieht, was der Maler sagen wollte, ist möglich, aber kein Muss. Man kann auch seine ganz eigene Geschichte finden.

Ein jetzt im Hanser Verlag erschienenes Buch vor allem (aber nicht nur) für junge Leser lädt auf diese Weise ein zu einem etwas anderen Gang durchs Museum, ermuntert zum Blick unter die augenscheinliche Oberfläche. Christine Traber, studierte Kunsthistorikerin und Theaterwissenschaftlerin, und der in Dresden geborene Schriftsteller Ingo Schulze haben zu knapp zwanzig Bildern - von Thomas Gainsboroughs 1786 entstandenem "Porträt Mrs. Thomas Hibbert" über Caspar David Friedrichs "Fichtendickicht im Schnee" (1828) oder Max Liebermanns "Badende Jungen" (1898) bis zu Pierre Bonnards um 1918/20 festgehaltener "Braunkohlengrube" - "KunstGeschichten" erfunden. Die Gemälde selbst sind dazu jeweils in Gänze sowie in Detailausschnitten zu sehen.

Höchst unterschiedlich sind die Perspektiven und Inhalte der dazu zusammengetragenen Geschichten. Der Leser kann den möglichen Gedanken des Be-rufsmodells Emma Dobigny folgen, während diese Edgar Degas für seine "Büglerin" Modell steht. Er verfolgt den Brief eines Betrachters, der sich über Ferdinand Hodlers schonungsloses Bild der "Lebensmüden" empört. Er lauscht dem fiktiven Gespräch eines Pärchens in Betrachtung von Friedrichs Fichtendickicht oder einer Unterhaltung, die die Autoren dem Paar auf Max Slevogts "Feierstunde" in den Mund legen. Oder den zum Betrachter über van Goghs malerische Intensität referierenden Bäumen auf dem "Blick auf Arles".

Von van Gogh - aus einem Brief an seinen Bruder - stammt auch das dem Buch seinen Titel gebende Zitat: "Wirklich, wir können nur unsere Bilder sprechen lassen". Dass hinter dem "nur" so viel mehr steht, als es die eigentliche Bedeutung des Wörtchens glauben macht, davon legt das Buch ein spannendes und eindrucksvolles Zeugnis ab.

Die in ihm zum Gegenstand genommenen Bilder (die am Ende in einem Glossar alle noch einmal mit ihren Daten und kurzem kunstgeschichtlichen Hintergrund zusammenfasst werden) hängen alle in der Neuen Pinakothek München. Doch sie sprechen die Einladung aus, in jedem anderen Museum dieser Welt, bei jedweden sich bietenden weiteren Gelegenheiten das Auge verweilen und den Gedanken freien Lauf zu lassen. Zumal für junge Menschen, die schwer Zugang zu Malerei finden, kann der Band Anreiz sein, den Selbstversuch zu wagen.

Christine Traber, Ingo Schulze: Wirklich, wir können nur unsere Bilder sprechen lassen - KunstGeschichten. Hanser Verlag, 160 Seiten, 19,90 Euro. ISBN 978-3-446-24758-1. Empfohlen ab 12 Jahren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.02.2015

Sybille Graf

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