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Christine Schlegel und ihre Anreger: eine Ausstellung in der Galerie Klinger

Bildende Kunst Christine Schlegel und ihre Anreger: eine Ausstellung in der Galerie Klinger

Immer gab es Künstler, die prägend waren für Jüngere. In diesen Kontext ist die aktuelle Ausstellung der Galerie Klinger in Liegau-Augustbad unter dem Motto „Inspiriert“ eingebettet. Im Zentrum steht die Malerei Christine Schlegels (geb. 1950) und die, die sie künstlerisch fundamental prägten.

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Christine Schlegel. Ausbruch, Öl auf Leinwand. 2015

Quelle: Galerie Klinger

Liegau-Augustusbad. Immer gab es Künstler, die prägend waren für Jüngere. In diesen Kontext ist die aktuelle Ausstellung der Galerie Klinger unter dem Motto „Inspiriert“ eingebettet. Im Zentrum steht die Malerei Christine Schlegels (geb. 1950), wobei die Künstlerin die Idee hatte, sichtbar werden zu lassen, wer und was sie künstlerisch fundamental prägte. Drei Namen sind in diesem Zusammenhang besonders wichtig: Peter Graf, Ursula Rzodeczko und Strawalde. Ins Auge fällt: Alle drei hatten nie nominell führende Positionen an der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, wo Schlegel 1973 bis 1978 studierte, gleichwohl war/ist die Wirkkraft ihres Schaffens groß – gerade auf Jüngere.

Schlegel, in einem kunstsinnigen, kreativen Umfeld aufgewachsen und selbst früh Talent entwickelnd – dieses und mehr lässt sich schön im 2015 von ihr herausgegebenen Buch „Kind der weißen Henne“ nachlesen (siehe DNN vom 24. Juni 2015) –, traf an der Abendschule der HfBK auf Ursula Rzodeczko, die hier – neben ihrer Tätigkeit bei der Ausbildung von Kunsterziehern, später auch in Meisterklassen von Gerhard Kettner – die ins Kunststudium Drängenden unterrichtete. Sieht man ihre Bilder – Klinger widmete ihr vor einem reichlichen Jahr eine Personalausstellung (DNN vom 18. Dezember 2014) –, fällt immer wieder ins Auge, wie besonders ihre Malerei im Gefüge des DDR-Kunstgeschehens doch war. Bei ihr scheint der Expressionismus im Nachklang noch zu leuchten. Ebenso aber ahnt man in Bildern der aus Schlesien stammenden Künstlerin wie etwa „In der Dorotheenkirche zu Breslau“ (1992/93) etwas vom Lebensgefühl der Kindheit.

Ursula Rzodeczko, die selbst in Conrad Felixmüller einen behutsamen Lehrer hatte, verstand es wohl besonders gut, den Umgang mit der Farbe zu vermitteln. Für Christine Schlegel war diese Farbenwelt eine Alternative zur Dresdner Peinture, etwa eines Rosenhauer oder Jüchser. Das war ihr zu „naturnah“, wenngleich das Pastose in deren Malerei „ihr Ding“ war. Schöne „fette“ Ölmalerei pflegten auch Jürgen Böttcher/Strawalde und Peter Graf. Böttcher zog – wie bekannt – einen Kreis von Autodidakten in seinen Bann, zu dem Peter Graf gehörte. Als Christine Schlegel Jürgen Böttcher begegnete – es war beim „Frühstück im Freien“, der legendären Ausstellung im Leonhardi-Museum –, faszinierten sie besonders seine Übermalungen. Sie dürfte aber auch die spätere Entwicklung Strawaldes interessiert haben, die zwischen Figuration und Abstraktion changiert. Für Strawalde gewann das Spontane, Spielerische ebenso an Bedeutung wie das Sinnliche, das sich in Form und Farbe realisiert. Ein Bild wie das gezeigte „Für Dobsy“ (2015) hat vieles, das auch dem Schlegelschen Bildverständnis entspricht: ein Grünewaldsches Gelb, das sich locker über die Bildfläche breitet, ergänzt von zeichnerischen Elementen sowie papierner und textiler Collage in anderen Gelbtönen. Im Ganzen bleibt der Formwille tragend.

An Peter Graf beeindruckte die Künstlerin schon früh die Aussage: „Ich male mein Leben“. Wer seine Bilder kennt, weiß, wie zutreffend das ist und wie besonders. So fällt auf, dass der Künstler immer in Kontakt zur Kunstgeschichte war, Anregungen aufnahm, manchmal Bildkonstellationen umdeutete, sei es von Parmigianino, Caspar David Friedrich oder Henri Rousseau. Zugleich verlieh und verleiht er mittels Verfremdung – Brecht war weiteres großes Thema in der Runde um Böttcher – seinen Bildern eine ganz besondere Aura, die mitunter auch surreale Züge in Grafs Malerei förderte. Dies alles – die eigentlichen Surrealisten waren Schlegel malerisch „zu glatt“ – gerät für sie zur Inspiration, wie man Welt, Leben, malen kann. Eine echte Überraschung, die zeigt, in welchem Maße es Graf um Malerei geht, sind für sie die seit etwa 1990 „nebenher“ entstehenden abstrakten Bilder wie das ausgestellte „Geigen im Himmel, Geigen im A…“ (2011).

Der Satz „Ich male mein Leben“, der gewiss das „Draußen“ mit einschließt, könnte auch für die seit längerem – vor allem seitdem sie wieder in Dresden lebt – entstehenden Bilder Schlegels gelten. In ihnen spiegelt sie, was sie erlebt, wahrnimmt, kritisch sieht. Das „serviert“ sie dem Betrachter nicht eins zu eins, sondern mit Hintersinn, Hintergründigkeit, Witz und durchaus surrealer Anmutung – wahrnehmbar in Werken wie „Ausbruch“ (2015), wo ein nur winziger Vulkan Feuer speit, zugleich einer „dressierten“ Frau der Busen aus dem Jackett springt, oder „Das beste Pferd im Stall“ (2016), das nicht zu sehen ist, dafür eine Frau, so dass man sich seinen Teil denken kann.

Malerisch schwelgt die Künstlerin in Farben, ohne laut zu sein. Beispielhaft dafür ist „Sonnenbaden“ (2015), das sich zudem durch raffinierte Schattenbildung auszeichnet. Manchmal auch zaubert sie feine Nuancen herbei wie bei der „Frau mit Hermelin im Winterkleid“ (2015). Schlegel mag es, mit dem Spachtel zu arbeiten, Schichten zu bilden, die Farbe wieder teils abzutragen und dekorative Elemente einzubeziehen – mittels Farbrolle, mit der man früher Tapetenmuster nachahmte. Mit ihren Bildern befindet sie sich in einem Kontext von ganz unterschiedlichen Malern der mittleren Generation in Dresden (und auch darüber hinaus), deren Spanne hier von Giebe bis Kühne reicht.

Die in der Galerie Klinger im Kleinen realisierte Idee, diese Inspirationen im Schaffen Christine Schlegels sichtbar zu machen, könnte auch in einem größeren, musealen Zusammenhang lohnend sein. „Inspiriert“ oder „Inspirationen“ wäre da ebenfalls ein schöner Titel.

Bis 15. Mai, Galerie Klinger, Schönborner Straße 12, 01454 Radeberg OT Liegau-Augustusbad, Mi–Fr 14 bis 18 Uhr, Sa 10–14 Uhr

www.galerieklinger.de

Von Lisa Werner-Art

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