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Christian Thielemann und Staatskapelle Dresden triumphieren in Baden-Baden mit Strauss’"Ariadne"

Christian Thielemann und Staatskapelle Dresden triumphieren in Baden-Baden mit Strauss’"Ariadne"

Wenn gegenwärtig jemand der Musikwelt exemplarisch vorzuführen vermag, wie man Richard Strauss zum Ereignis macht, dann ist es Christian Thielemann.

Seine "Frau ohne Schatten" war letzten Sommer die Salzburger Festspieloffenbarung. Überraschend war das nicht. In Baden-Baden, wo Andreas Mölich-Zebhauser seit Jahren emsig an einer übers Jahr verteilten deutschen Salzburg-Variante bastelt, hatte der Primus unter den deutschen Kapellmeistern davor schon mit Strauss-Interpretationen vom Feinsten begeistert: 2009 mit einem starumfunkelt aufstrahlenden "Rosenkavalier" und, im Jahr darauf, mit einer "Elektra", wie man sie so aufgehellt und hochmusikalisch - gleichsam nicht als gesteigerte "Salome", sondern vom "Rosenkavalier" aus begriffen - auch noch nicht gehört hatte. Da war Thielemann noch Chef der Münchner Philharmoniker und damit auch der Reiseleiter beim Betriebsausflug seines damaligen bayrischen Nobelorchesters in die Welt der Oper.

Jetzt, eine große, viel Staub aufwirbelnde und die künstlerischen Gewichte in der Luxusabteilung der mitteleuropäischen Festspiel- und Orchesterlandschaft neu ordnende Rochade später, steht er bei "Ariadne auf Naxos" in Baden- Baden wieder am Pult. Gibt wieder den Zauberer an der Oos. Doch diesmal ist es nur geografisch ein Orchester-Ausflug auf ungewohntes Terrain.

Jetzt ist er nämlich mit seinem künftigen Orchester, der Sächsischen Staatskapelle, angereist. Zwischen Thielemann und den Dresdnern wirkten die inneren Anziehungskräfte schon lange. Als es publik wurde, dass er dem glücklosen Fabio Luisi nachfolgen wird, war das die natürlichste Entscheidung, die man sich denken konnte. Und als die Dresdner und ihr künftiger Chef im Handumdrehen jene Leerstelle ausfüllten, die die Berliner Philharmoniker bei ihrem abrupten Wechsel von "ihren" Osterfestspielen in Salzburg zu Mölich-Zebhauser nach Baden-Baden hinterließen, herrschte allseits Erleichterung über ein Arrangement, das die Dinge irgendwie ins rechte Lot bringt. Für die Sächsische Staatskapelle, Salzburg und die Musikwelt ist das ein Stück von vollendeter Wiedervereinigung und obendrein eine Win-Win-Situation wie aus dem Lehrbuch.

Nun also (als Prunkstück der "Winterfestspiele") die vom kongenialen Gespann Hofmannsthal und Strauss als Schauspiel/Opern-Zwitter gedachte "Ariadne auf Naxos". Wobei ja auch die gängige Opernversion, in der vom Schauspiel nur die Sprechrolle des Haushofmeisters blieb, ihren Charme aus der Melange zwischen selbstreferenziellem Witz und zelebrierter Opulenz bezieht. Um dafür eine so klug planende und mit ihren Ressourcen haushaltende Sängerin wie Renée Fleming mit einem Ariadne-Debüt auf hochdramatische Pfade zu locken, bedarf es eines Dirigenten wie Christian Thielemann. Der trägt diese Stimme auf Händen, verführt sie zum technisch perfekten Verströmen und Erblühen und lässt dabei das Orchester dosiert immer in die gleiche Richtung strömen. Thielemann steigt eben nicht nur in die Feinheiten der Partitur ein, sondern er vermag seinen großen Bogen gleichsam schützend über die Stimmen zu spannen. Mag sein, dass auch noch eine gute Tagesform dazu kam - selbst der etwas wagnerversehrte Robert Dean Smith wurde so zu einem Bacchus auf Augenhöhe: mit tadelloser Strahlkraft, deutlich und eingebettet in die geradezu perfekte kammermusikalische Strauss-Balance zwischen Graben und Bühne à la Thielemann. Auch Sophie Koch als schnell auf den Boden der Tatsachen landender Jung-Komponist, der mit Unverwüstlichkeit gesegnete Eike Wilm Schulte als Musiklehrer, Jane Archibald als koloraturleichte Zerbinetta und ihre Truppe oder die drei Strauss-Rheintöchter (Christina Landshamer, Rachel Frenkel und Lenneke Ruiten) sorgen mit für das Eventniveau, um das es in Baden-Baden ganz unverhohlen geht. Dazu passt dann auch der mit reichlich Selbstbewusstsein haushofmeisternde René Kollo.

Konnte man in Baden-Baden beim "Rosenkavalier" und der "Elektra" auch bei den Inszenierungen noch mit den aufpolierten Herbert-Wernicke-Schmuckstücken aus Salzburg und München glänzen, lieferte jetzt Philippe Arlaud ein zwar neues, aber eher laues Arrangement. Schmerzfrei, bühnenfüllend und schön symmetrisch. Mit stilisierten Vorhangversatzstücken, großer Revuetreppe, stimmungsvoller Toteninsellandschaft im Hintergrund und dem unverbindlichen Kostümchic von Andrea Uhmann. Dass die Stühle gen Schnürboden entschweben, wenn sich Ariadne und Bacchus in höchsten Strauss-Sphären näher kommen, war ganz hübsch. Und funktionierte besser, als die bunten Luftballons, die Zerbinettas Truppe steigen ließ.

Aber wegen der Inszenierung war wohl eh kaum jemand angereist. Eher schon in der Hoffnung auf eine ordentliche Dosis Strauss-Glück. Und die gab es ja tatsächlich.

Aufführungen: 22. Februar, 20 Uhr; 25. Februar, 19 Uhr, Festspielhaus Baden-Baden

www.festspielhaus.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.02.2012

Joachim Lange

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