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Christian Thielemann eröffnet die Wagner-Festspiele in Bayreuth mit Musikern aus Dresden und Leipzig

Christian Thielemann eröffnet die Wagner-Festspiele in Bayreuth mit Musikern aus Dresden und Leipzig

Mehr denn je sind die Bayreuther Festspiele dieses Jahr sächsisch geprägt. Wie stets sind viele Orchestermusiker aus Dresden und Leipzig mit dabei, aber auch einige Sängerdarsteller der Semperoper.

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Blickt nach Bayreuth, wo morgen die Festspiele beginnen: Christian Thielemann.

Quelle: Arno Burgi, dpa

Am Pult der Eröffnungspremiere von "Tristan und Isolde" steht morgen mit Christian Thielemann nicht nur der Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle, sondern nun auch der Musikdirektor der Festspiele.

Frage: Sind die Wagner-Festspiele Bayreuth so langsam fest in sächsischer Hand?

Christian Thielemann: In der Tat, könnte man denken. Es ist schön, wenn man so viele Menschen kennt, die da mitwirken. Man ist einander vertraut, versteht sich, das ist herrlich und bestimmt die Klangqualität, die Beherrschung der Materie. So können wir inzwischen hoch pokern.

Evelyn Herlitzius ist Ihre Isolde, Christa Meyer singt die Brangäne, Georg Zeppenfeld ist König Marke - und sogar Stephen Gould, der Tristan, hat mehrfach in Dresden gastiert. Eine Wunschbesetzung?

Ich verstehe mich mit Frau Herlitzius wahnsinnig gut und bin sehr froh, dass sie hier eingesprungen ist. Es ist ein Vergnügen, mit ihr zu musizieren, gerade dort, wo es in den Vorstellungen nicht mehr um verbale Feinheiten geht, sondern wo man gemeinsam fühlen muss.

Zahlreiche Musikerinnen und Musiker kommen von der Staatskapelle sowie vom Gewandhausorchester und aus dem MDR-Sinfonieorchester - ein Wiedersehen mit Freunden?

Das ist unglaublich, wie viele Gesichter man hier kennt in dieser sächsischen Kavalkade. Dass sich die Musiker auch untereinander gut kennen, ist hilfreich. Die Atmosphäre ist dieses Jahr sehr entspannt, mehr noch als in den vorigen Jahren.

Sie sind nun Musikdirektor in Bayreuth, künstlerischer Berater waren Sie ja schon - was verändert dieser Titel?

Eigentlich ändert sich gar nicht so viel. Ich habe vorher nur punktuell beraten, jetzt berate ich ziemlich überall. Ich kümmere mich mehr ums Orchester und auch um den Chor. Wenn Sie so wollen, bin ich praktisch ein Edel-Assistent - wer mich um Rat fragt, bekommt ihn auch. Man ist häufiger bei Kollegen in Proben, tauscht sich aus, berät sich...

Auch mit Ihrem Kollegen vom "Ring"?

Ja, natürlich! Der hat ja zwei Jahre bei mir gesessen, als ich den "Ring" gemacht habe. Wir haben uns öfter über Details unterhalten. Klar, wir sind laufend im Gespräch.

Trotzdem bleibt Bayreuth eine auf die Ferienzeit beschränkte Angelegenheit, auch wenn man im administrativen Bereich das ganze Jahr über zu tun hat. Das passt aber hervorragend mit meinen Dresdner Verpflichtungen. Vertraglich ist da ja festgelegt, dass ich keine andere Chefposition annehme. Mit einer Ausnahme: Bayreuth. Denn Bayreuth beeinträchtigt Dresden überhaupt nicht. Im Gegenteil, das befruchtet sich mitunter gegenseitig. Wenn ich in Bayreuth gute Sänger höre, nehme ich die vielleicht mit nach Dresden oder Salzburg.

Damit leiten Sie von Dresden aus nicht nur die Osterfestspiele Salzburg, sondern mit Bayreuth ein weiteres herausragendes Festival. Mehr geht gar nicht, oder?

Mehr geht nicht, nein. Mehr mache ich auch nicht. Was meinen Sie, wie viele Angebote gerade aus Amerika ich absagen muss, weil man gar nicht mehr dazu kommt. Seitdem sich das hier nun so glücklich vereint, ist an die Met, an Covent Garden, all das, wo ich früher so gern dirigiert habe, nicht mehr zu denken. Das ist auch eine Frage der Lebensqualität. Ich bin in dieser Hinsicht gewiss ein Super-Preuße und schenke mir nichts. Aber irgendwann muss auch der beste Preuße wissen, wann Schluss ist.

Gilt das auch für die Sachsen, die Sächsische Staatskapelle?

Es ist doch wunderbar, dass die Kapelle in allen drei Städten den Ton angibt beziehungsweise ihn in Bayreuth zumindest mit angibt. Dass ich das zusammen mit der Kapelle machen darf, das bindet mich sehr. Da gehen Herzensanliegen und Pflicht Hand in Hand entwickelt hat.

Außer in Berlin und Wien gastiere ich nicht mehr. Bayreuth ist gewisserma- ßen mein Gastieren. Ansonsten fahre ich mit der Kapelle durch die Welt. Das alles wertet die Staatskapelle nochmals auf. Wir merken ja, für welches Repertoire wir eingeladen werden, dass wir als etablierte Mar- ke gesehen werden. Nicht nur in Dresden.

Stichwort Semperoper: Ist mit Peter Theiler nun ein Intendant gefunden, der auch Ihren Intentionen entspricht?

Ich war jetzt sogar in Nürnberg, wo er derzeit noch Intendant ist. Dort hatte ich ja meine erste Position als Generalmusikdirektor, jetzt kommt auch der Dresdner Intendant von dort. Fast eine Déjà-vu-Geschichte. Noch hübscher ist die Tatsache, dass Herr Theiler vorher in Gelsenkirchen war, wo ich ja auch mal verpflichtet war.

Ich glaube, er passt sehr gut nach Dresden, er hat großes Verständnis für die Kapelle und deren Eigenständigkeit als Konzertorchester, was ja nur mit den Wiener Philharmonikern vergleichbar wäre. Er hat mit großem Vergnügen zur Kenntnis genommen, das ist eine große Aufgabe, die sich von der in Nürnberg beträchtlich unterscheidet.

Wenn er hier künftig, wie angedeutet, im Schreker- und Korngold-Feld wildern will, bin ich völlig seiner Meinung. Da gibt's etliche Titel, die ich noch nicht dirigiert habe. Natürlich werden wir weiterhin das Italienische bedenken, auch seine Vorlieben im französischen Fach.

Die Semperoper wird bei seinem Amtsantritt sechs Jahre ohne Intendant gewesen sein - ein Problem?

Nein, kein Grund zur Sorge. Ich muss ja sagen, dieses Haus hat etwas, das ich noch nie irgendwo sonst erlebt habe, eine Art Selbsterhaltungstrieb. Und auch die Fähigkeit dazu. Wolfgang Rothe (kommissarischer Intendant, d.R.) macht eine hervorragende Arbeit, das ist natürlich kein Idealzustand, aber ich kann nur sagen: Hut ab vor dem, was er geleistet hat und leistet!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.07.2015

Michael Ernst

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