Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 15 ° wolkig

Navigation:
Google+
Christian Thielemann: "Mir geht's hier wahnsinnig gut"

Christian Thielemann: "Mir geht's hier wahnsinnig gut"

"Oder sind wir zu romantisch?", fragte Christian Thielemann fast spitzbübisch und doch nur rhetorisch gemeint in die diszipliniert lauschende Schar, als er gestern in der Gläsernen VW-Manufaktur im Rahmen einer Pressekonferenz Details aus dem Konzertplan seines Orchesters, der Staatskapelle Dresden, für die kommende Spielzeit vorstellte.

Voriger Artikel
Architekt und Sammler: Klaus F. W. Tempel im Alter von 79 Jahren verstorben
Nächster Artikel
Der Dresdner DJ Motin hat am Mittwoch seinen neuen Song veröffentlicht

Zu Spekulationen, ob er zu den Berliner Philharmonikern gehen will, äußerte sich Christian Thielemann gestern nicht.

Quelle: Matthias Creutziger

Gemeint war seine Interpretation von Schostakowitschs Violinkonzert, das er mit dem von ihm hochverehrten Geiger Nikolaj Znaider Anfang 2015 musiziert hatte. Das mit der Romantik nun konnte jeder für sich entscheiden; unter dem eigentlichen Begriff aber findet das Publikum 2015/16 Etliches im Konzertrepertoire, darunter Bruckners 6., die Thielemann dirigieren wird, und Max Reger und seine Mozart-Variationen. Vor allem aber wird von Chefdirigent und Staatskapelle viel Beethoven gespielt, etwa die "Missa solemnis" zum Gedenken am 13. Februar, alle Klavierkonzerte mit Yefim Bronfman als Solist und das Tripelkonzert, hier gesellen sich zu Bronfman die Geigerin Anne-Sophie Mutter und der Cellist Lynn Harrell hinzu.

Der von Thielemann "ungeheuer geschätzte" Klaviervirtuose Bronfman, in Taschkent geboren, ist 2015/16 Capell-Virtuos der Staatskapelle. Neben mehreren Kapellkonzerten gibt er ein Klavierrezital mit Werken von Schumann und Prokofjew und gastiert mit dem Orchester in Bukarest, Luzern, Frankfurt und München sowie Wien und Baden-Baden. Ein anderer Meisterpianist, ja eine Legende, ist zu Gast, wenn die Staatskapelle am 21. Oktober und danach noch einmal in Berlin an die Uraufführung der von Strauss den Dresdnern gewidmeten "Alpensinfonie" vor 100 Jahren erinnert: Der 91-jährige Menahem Pressler, Gründer des Beaux Arts Trio, gibt dann sein Debüt (!) bei der Kapelle.

Vier der Symphoniekonzerte leitet Thielemann, darüber hinaus Tourneen und Sonderkonzerte, darunter das Silvesterkonzert mit dem Chinesen Lang Lang und Werken George Gershwins. Weitere Pultgäste sind Alan Gilbert, Donald Runnicles, Robin Ticciati, Andris Nelsons, Reinhard Goebel, Herbert Blomstedt und Manfred Honeck. Der Erste Gastdirigent Myung-Whun Chung setzt seinen Mahler-Zyklus fort; und in vier Aufführungsabenden stellen sich junge "Debütanten" am Pult der Kapelle vor: Gustavo Gimeno, Antonio Méndez, Kazuki Yamada und Cristian Macelaru. Als Gastsolisten sind neben den schon genannten u.a. die Pianisten Rudolf Buchbinder und Peter Serkin, der Trompeter Håkan Hardenberger, die Geiger Federico Kasik, Leonidas Kavakos, Christian Tetzlaff und Frank Peter Zimmermann angekündigt, außerdem treten Mitglieder aus dem Orchester solistisch in Erscheinung.

Der Capell-Compositeur der kommenden Spielzeit heißt György Kurtág und ist einer der bedeutendsten ungarischen Komponisten des 20./21. Jahrhunderts. Eine Uraufführung von ihm wird es allerdings nicht geben, aber deutsche Erstaufführungen mehrerer seiner Kompositionen. Zwei Werke erklingen beispielsweise in einem Sonderauftritt in der Schlosskapelle: An diesem Ort, wo lange Zeit der einstige Hofkapellmeister Heinrich Schütz wirkte, will die 1548 gegründete Staatskapelle künftig jährlich am 22. September mit einem Konzert an ihre Historie erinnern.

Als Novität kündigt Orchestervorstand Andreas Wylezol zwei besondere Kammerabende in Semper 2 an, in denen sich Mitglieder der Orchesterakademie der Staatskapelle musikalisch präsentieren. Die 2008 wiederbegründete Nachwuchsschmiede des Orchesters, die seit 2011 den Namen des 2001 verstorbenen Chefdirigenten Giuseppe Sinopoli trägt, ermöglicht inzwischen 18 jungen Musikern eine ganz gezielte und auf das Orchester abgestimmte Ausbildung. Voller Stolz verkündete Wylezol, Solokontrabassist der Staatskapelle, die Erfolge dieser Institution, die unverzichtbar sei, da es "unfassbar wenig hochqualifizierte Absolventen" gäbe. In seiner deutlichen Kritik an den Musikhochschulen, auch ausdrücklich der Dresdner, forderte er, mehr Qualität und Elite auszubilden. Nur so könnte man wirklich guten Musikernachwuchs für Klangkörper wie die Staatskapelle gewinnen. Thielemann pflichtete ihm bei, dass durch solche Akademien die Musiker herangebildet werden, die dann auch den spezifischen Klangcharakter der jeweiligen Ensembles weitertragen können.

Zur ausstehenden Wahl des künftigen Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker indessen äußerte er sich nicht. Thielemann, der bei der Sächsischen Staatskapelle einen Vertrag bis 2018/19 hat und gegenwärtig überregional als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für die Simon-Rattle-Nachfolge ab 2018 in Berlin gehandelt wird, sagte: "Mir geht's hier in Dresden wahnsinnig gut! Ende!"

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.03.2015

Kerstin Leiße

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr