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Christian S. Malchow singt die Titelpartie im neuen "Don Carlo"

"Starke Gefühle" Christian S. Malchow singt die Titelpartie im neuen "Don Carlo"

Sein erster "Don Carlo" ist gar nicht sein erster "Don Carlo". Christian S. Malchow singt am Sonnabend zur Premiere an den Landesbühnen Sachsen erstmals den Titelpart dieser Verdi-Oper. Während der Proben hat er aber manches Mal daran zurückdenken müssen.

"Don Carlo" an den Landesbühnen Sachsen mit Christian Salvatore Malchow und Stephanie Krone.

Quelle: Hagen König

Radebeul. Sein erster "Don Carlo" ist gar nicht sein erster "Don Carlo". Christian S. Malchow singt am Sonnabend zur Premiere an den Landesbühnen Sachsen erstmals den Titelpart dieser Verdi-Oper. Während der Proben hat er aber manches Mal daran zurückdenken müssen, dass er in diesem klangvoll dramatischen Klassiker des Musiktheaters schon während seiner Zeit im Chor der Semperoper mitgewirkt hat.

Der aus Lübeck stammende Tenor kam nämlich auf durchaus verschlungenen Wegen zu seinem Traumberuf des Opernsängers. "Musik habe ich von klein auf geliebt und immer sehr gern betrieben", sagt er im DNN-Gespräch während der Endprobenphase. "Aber ich sah das immer als Hobby, der Beruf eines Sängers war nie mein Ziel, sondern mein Traum." Lange Zeit hielt Malchow diesen Traum für nicht greifbar, obwohl er bereits beizeiten Flöte gespielt, im Kinderchor gesungen, Klavier spielen gelernt hat und mit elf Jahren in die Knabenkantorei ging und ihr zwölf Jahre lang treu blieb.

Doch statt geradenwegs die Musikerlaufbahn anzugehen, lernte Christian S. Malchow erst einmal den Beruf eines Groß- und Außenhandelskaufmanns, arbeitete nach dieser Ausbildung sogar noch eine Weile bei einer Mineralölgesellschaft. Aber die Weichen für eine bewegte Vita waren da längst schon gestellt. "Eine Klassenfahrt nach London gab 1994 den Ausschlag", erzählt er. Jahre später kehrte er wieder an die Themse zurück, wollte ganze drei Monate lang bleiben - mehr als ein Jahr ist daraus geworden. Im berühmten Wimbledon-Hotel unterhielt Malchow die noblen Gäste mit Lounge-Musik am Klavier, erntete dafür Sandwich & Tea.

Nach seiner Rückkehr wirkte er im Opernchor seiner Heimatstadt mit, wechselte nach Abschluss seines Gesangsstudiums an die Semperoper, wo er sich äußerst wohlgefühlt hat. "Ich wollte die Erfahrung von den Brettern lernen und erlebte hier beispielsweise Zubin Mehta, das war eine Offenbarung für mich!" Auch die Zusammenarbeit mit Sir Colin Davis faszinierte den jungen Mann - und das Vertrauen des damaligen Intendanten Gerd Uecker. "Ich werde nie vergessen, wie sehr er mich unterstützt hat." Als ein Wechsel des Sängers ins hiesige Opernstudio in Aussicht stand, habe ihm Uecker geraten, lieber an ein kleines Haus zu gehen, dort aber die großen Partien zu singen.

Das erste Vorsingen erfolgte im nahen Freiberg - wo Malchow ausgerechnet von Jan Michael Horstmann am Klavier begleitet worden ist und bald darauf auch Manuel Schöbel kennenlernen sollte. Mit beiden ist er heute in Radebeul eng verbunden - Musikchef der Eine, Intendant der Andere. Dazwischen lagen Stationen, auf denen der Sänger reifen und sein Repertoire kräftig erweitern sollte.

In Freiberg sang er den Cavaradossi der "Tosca", 2010 wechselte er ans Theater für Niedersachsen nach Hildesheim und erarbeitete sich die Partien des Radames in Verdis "Aida", des Rodolfo in Puccinis "Bohème" sowie des Erik in Wagners "Fliegendem Holländer". All diese Stationen mag er nicht missen, bekennt Christian S. Malchow, sie hätten ihm eine sehr gute Starthilfe für die Landesbühnen gegeben, deren Ensemble er seit dem 1. Januar 2014 fest angehört. Intendant Manuel Schöbel hatte ihn also nicht vergessen, sondern besann sich auf die Freiberger Meriten dieses Tenors. Der sich durch die Leitung des Hauses "gut aufgehoben" fühlt, dem das gemeinsame Musizieren" mit Jan Michael Horstmann eine "sehr große Freude" bereitet und der die "absolut vertrauensvolle Zusammenarbeit" mit Schöbel als "sehr wichtig" erachtet.

Gefragt, wie problematisch denn an seiner neuen Wirkungsstätte die damit verbundene Reisetätigkeit sei - gleich nach der Radebeuler Premiere wird "Don Carlo" etwa in Eisleben und Bad Elster gezeigt -, bezieht Christian S. Malchow einen ganz klaren Standpunkt: "Das ist anstrengend für uns, keine Frage, aber es muss unbedingt sein. Es ist ganz wichtig, dass auch die Menschen in kleineren Städten kulturelle Angebote bekommen!" Sonst würden manche vielleicht in die Semperoper, viele aber gar nicht mehr ins Theater gehen. Mit viel Disziplin und Konzentration, so der niedersächsisch-sächsische Sänger, sei dieser spezielle Auftrag der Landesbühnen gut zu realisieren.

Wesentlich problematischer, aber ebenfalls spannend sei der stetige Wechsel der Genres in Malchows Repertoire. Mal singt er im "Weißen Rössl", dann wieder im "Maskenball", mal "Eine Nacht in Venedig", nun den "Don Carlo". Das gebe es nicht nur spieltechnische Unterschiede zwischen Operette und Oper, sondern vor allem gesangliche Herausforderungen. An dieser Stelle sei der Künstler für sich selbst verantwortlich und müsse einschätzen, was er bewältigen kann.

Für die Neuinszenierung von Verdis "Don Carlo", gesungen in Originalsprache, was auch nach Malchows Meinung der Musikalität dieser Oper sehr entgegenkommt, fühle er sich bestens gewappnet, nicht zuletzt auch durch seine Erfahrungen im Chor der Semperoper. "Ich hätte mir damals nicht träumen lassen, dass ich einmal diese Titelpartie singen werde", schaut er zurück. Vor allem aber blickt er nach vorn und freut sich auf eine spannende Interpretation in der Regie von Michael Heinicke: "Dieser Carlo wird mal nicht wie sonst üblich als strahlender Held dargestellt. Er kommt der historischen Figur wesentlich näher, und da war er eher ein cholerischer Fiesling. Ich hoffe, dass es für das Publikum spannend wird", ergänzt er. "das ist ja das Schöne an unserem Beruf, dass wir den Menschen Freude machen können und ihnen ein paar Stunden starke Gefühle auf der Bühne vermitteln können."

"Don Carlo": 16.1., 19 Uhr (Premiere), Radebeul, dort wieder am 24.1., 25.3., 24.4.; am 22.1. Kulturwerk MSH Eisleben, am 22.4. König Albert Theater Bad Elster

VON MICHAEL ERNST

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