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Christian Lollikes "Träume werden Wirklichkeit!" als deutsche Erstaufführung im Kleinen Haus Dresden

Christian Lollikes "Träume werden Wirklichkeit!" als deutsche Erstaufführung im Kleinen Haus Dresden

Christian Lollike, Däne Jahrgang 1973, stellt sein Dramatikertalent seit einem Jahrzehnt unter Beweis, seit vier Jahren auch als Leiter des CaféTeatret in Kopenhagen, wo sein jüngstes Werk "Träume werden Wirklichkeit! Ein Disneydrama" vor rund acht Monaten Uraufführung feierte.

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Thomas Schumacher und Ines Marie Westernströer

Quelle: Matthias Horn

Die deutschsprachige Erstaufführung sicherte sich - wie schon vor zwei Jahren bei Lollikes "Das normale Leben oder Körper und Kampfplatz" - das Dresdner Staatsschauspiel. In Regie von Malte C. Lachmann war jetzt im Kleinen Haus Premiere.

Das Disneydrama spielt mit kindheitsprägenden Figuren der Filmgeschichte, die als Vorbild - vor allem dank Merchandising als Rollenspiel leicht nachspielbar - nachhaltig schädigend wirken. Denn in den "spätkapitalistischen Spätdemokratien", bis vor kurzem Wohlstandsgesellschaft genannt, ist der Weg vom Spaß zum Ernst des Lebens plötzlich unbeleuchtet. Jeder, der sich über das Selbstverständnis von rollbrett- oder BMX-radfahrenden Endzwanzigern wundert, wird dem mehr oder mindernd zögernd zustimmen. Und wird hier eine kluge Analyse voller witziger Analogien, aber auch durchaus mit Hilflosigkeit bis Wut finden.

Denn Lollike verpackt seine anklagende These, dass eine ganze, inzwischen erwachsene Generation durch den weichspülenden Fiktionseinfluss ihrer wahren, also offenen Träume beraubt wurde und daher nur noch sterilisierten Phantasien frönen kann, in eine eigentlich triviale Jetzt- und Echtzeitbegegnung zwischen Frau A und Herrn B, die nur noch auf der Suche nach dem Kick sind. Ein kurzer Quickie - und die depressive Grundhaltung hat sie sofort wieder. Bei Frau A heißt diese auch: Mann und Kind - beide als Püppchen mit im Bett. Nun müssen sie - statt wie gewohnt zu fliehen - plötzlich über sich reden.

Was daraus folgt, ist als Stück ein Fest für ein harmonisch ringendes Duo. Das zelebrieren Ines Marie Westernströer und Thomas Schumacher mit Inbrunst. Nach dem heftig-kurzen A-B-Akt zum Start tauchen beide, um sich zu trösten, jeweils kurz in Variationen ihrer politisch korrekten Jugendhelden ein - und bemerken schnell deren Verklärung. Westernströer wechselt als frustrierte Ehefrau in den leichteren Part der Angebeteten oder den komischen der Psychologin, Schumacher tut sich mit dem Rollenspiel anfangs schwer, aber brilliert dann sowohl als Aladin, Schneewittchens Prinz, Glücksritter, Dagobert Duck, aber auch per Puppenspiel als Hase Klopfer oder die zwei Zwerge - und vor allem als Hardcore-Arielle.

Regisseur Malte C. Lachmann, mit Jahrgang 1989 der jüngste im Inszenierungsteam, beschert dem Staatsschauspiel ein erstaunliches Dresden-Debüt. Er bewahrt geschickt die Balance zwischen immer wieder überbordendem Spiel und dem Abgleiten in Phasen der Ernüchterung bis hin zur Depression, als das jeweilig neue Spielchen nach diversen Höhepunkten nicht weitergeht, weil ein mentaler Abrutsch folgen müsste. Mit Ruhe oder Schweigen, also Phasen der Überlegung oder Askese, können die Rundum-Traumweltsozialisierten nichts anfangen. Die Höchstform, ohne Zielvorgabe jenseits der akuten Projektsteuerung, lässt keinen Raum für Entspannung, der übliche Ausweg über Rauschmittel bleibt hier im Vagen.

So lässt Lachmann das Darstellerduo sowohl körperliche Präsenz als auch diffizile Mimik ausleben, was beide weidlich nutzen, ohne dem Text seine Schärfe oder Relevanz zu rauben. Bühnen- und Kostümbildnerin Anna van Leen baute dazu eine rosarote Vorbühne als Quadrat - die Karriereimagination aller Prinzessinnen. Im Hintergrund ein Vorhang, der für immer neue Auftrittsversuche geschlossen wird. Dazu ein rundes Sofa und eine riesige, bläulich-männliche Spielsachenkiste, die auch als Versteck und Puppenbühne dient.

Im Kleinen Haus wieder am 25. und 31. Mai, 4., 14. und 29. Juni www.staatsschauspiel-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.05.2014

Andreas Herrmann

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