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Christian Friedel über Pegida-Demos: "Vielen fehlt das Vertrauen in die Demokratie"

Christian Friedel über Pegida-Demos: "Vielen fehlt das Vertrauen in die Demokratie"

Schauspieler und Musiker Christian Friedel beobachtet den Zulauf zu den Pegida-Demonstrationen in seiner Wahlheimat Dresden mit Sorge.Christian Friedel: Da blitzt in gewissen Momenten etwas auf, was unheimlich ist.

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Der Schauspieler Christian Friedel will am Montag ein Zeichen für Weltoffenheit setzen.

Quelle: dpa

Schauspieler und Musiker Christian Friedel beobachtet den Zulauf zu den Pegida-Demonstrationen in seiner Wahlheimat Dresden mit Sorge. Mit seiner Band Woods of Birnam spielt er Montagabend vor der Frauenkirche für ein anderes Bild:

Frage: Wie empfinden Sie die derzeitige Stimmung in der Stadt?

Christian Friedel: Da blitzt in gewissen Momenten etwas auf, was unheimlich ist. Ich betrachte den stetigen Zuwachs der Pegida-Bewegung mit gewisser Sorge, wenn Unzufriedenheit instrumentalisiert wird für rechte Tendenzen. Das ist eine schreckliche Mischung. Und es ist pervers, die Parole „Wir sind das Volk“ zu verwenden. Das mit dem Mut gleichzusetzen, den die Menschen damals aufbrachten, um die Freiheit zu erringen, ist schrecklich. Ich habe gerade den Film über den Widerstandskämpfer Georg Elser gedreht, der in der Nazizeit spielt. Es gibt da Szenen, wo er nur beobachtet, wie eine Masse stumpf Verführern folgt, das ist schon unheimlich. Der Film kommt zur rechten Zeit in die Kinos, wo sich wieder stumpfe Massen bilden.

Schon vor zwei Wochen setzte auch Roland Kaiser ein Zeichen (Archivbilder):    

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Eindrücke der Dresdner Kundgebung für Weltoffenheit .

Zur Bildergalerie

Können Sie den Unmut der Demonstranten verstehen?

Nein, ich fühle mich in diesem Land nicht unfrei. Den Frust, der sich aus verschiedenen Sachen speist, muss man filtern und die, die nur mit dem Strom schwimmen, wieder zurückgewinnen und in Dialog bekommen. Gerade im Osten war nach der Wende eine große Frustration spürbar, die eher noch gewachsen ist. Die Leute hier sind einerseits verwöhnt, andererseits auch nicht mehr so vom Staat umsorgt. Mit der gewonnenen Freiheit können manche nicht umgehen. Und vielen fehlt das Vertrauen in die Demokratie, das muss auch ein Warnsignal an die Politik sein.

Warum macht Woods of Birnam am Montag mit?

Es ist mir wichtig, als Künstler und Bürger andere Zeichen zu setzen. Wenn es rechte Tendenzen gibt, muss es auch ohne Event selbstverständlich sein, die Stadt nicht beschmutzen zu lassen und ein Bild in die Welt zu senden, dass Dresden etwas anderes ist als Pegida. Deshalb ist es sehr wichtig, dass gerade Dresdner Künstler nun eine Bühne bekommen. Und es ist großartig, was da organisiert wurde, und dass sich auch solche Musiker wie Herbert Grönemeyer solidarisieren.

Können Sie sich die Angst vor dem Fremden erklären?

Ich war gerade in New York und muss sagen, dass wir von den Amerikanern Gastfreundschaft und Solidarität lernen können. Egal ob reich oder arm, sie waren immer freundlich. Sie nehmen jeden herzlich auf, welche Sprache der auch spricht. Deutsche Sturheit und falscher Stolz stehen leider zu oft dagegen. Natürlich ist es wichtig, dass ein Land seine Kultur behält und schätzt, aber gleichzeitig auch den kulturellen Austausch pflegt. Kultur ist ein Gut, das uns inspiriert. Gerade bei Frustration können Musik oder Theater helfen, das sollten wir bewahren. Angst vor dem Fremden blockiert das - und das muss aufhören.

dpa

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