Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Christfried Brödel leitete als scheidender Rektor der Hochschule für Kirchenmusik Dresden die Matthäuspassion

Christfried Brödel leitete als scheidender Rektor der Hochschule für Kirchenmusik Dresden die Matthäuspassion

Jede Aufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach ist ein Großprojekt, jährlich wiederkehrend der Tradition wegen, weil der musikalische Leiter darin ganz Neues fand, weil berühmte Solisten jene in die Bankreihen locken, die sich entsprechend teure Karten leisten.

Voriger Artikel
Parov Stelar spielte in vollem Schlachthof in Dresden
Nächster Artikel
Leidenschaft für Wagner und Strauss: Der Dirigent Wolfgang Sawallisch starb mit 89 Jahren

Fulminanter Schlusspunkt: Christfried Brödel mit dem Dresdner Barockorchester, den Dresdner Kapellknaben und dem Ensemble St. Matthäus.

Quelle: Hartmut Schütz

In der Lukaskirche gab es die Matthäuspassion jetzt aus einem anderen Beweggrund zu hören. Als Schlusspunkt langjähriger Arbeit leitete Christfried Brödel als scheidender Rektor der Dresdner Hochschule für Kirchenmusik ein Konzert, das ein Geschenk war. Ein Geschenk der Mitwirkenden an den Kollegen, Mentor und Lehrer und ein Geschenk als Spende des Erlöses der Eintrittskarten an ein südafrikanisches Kinderheim. Darüber, dass für ihn die Matthäuspassion ein Schlüsselwerk der Kirchenmusik ist, schrieb Brödel im Programmheft. Und ausschließlich bei seiner Bestimmung als Passionsoratorium nahm er das Stück.

Was mitnichten bedeutete, eine theologisch oder musikhistorisch trockene Deutung zu hören zu bekommen. Das Dresdner Barockorchester (Konzertmeisterinnen: Margret Baumgartl und Ulrike Titze) spielte in großer Besetzung, in der sogar der seltene "Luxus" zweier Violen da gamba möglich war. Die Dresdner Kapellknaben (Leitung: Matthias Liebich) sangen den cantus firmus im Eingangschor und im beschließenden Choral des erstens Teiles, und der für das Projekt unter dem Namen "Ensemble St. Matthäus" versammelte Chor dürfte seinesgleichen nicht so bald wieder haben: Etliche Dresdner Sängerinnen und Sänger, Kirchenmusiker, Kollegen und ehemalige Studenten Brödels formten einen hochkonzentrierten, stimmlich professionellen Chor, aus dem jeweils die Solisten zu den Arien heraustraten. Auch da war die Besetzung ungewöhnlich, denn eine solche Vielfalt der Charaktere und die tadellose Gestaltung noch so kleiner Partien ist kaum einmal zu erleben.

Auf so starkem Fundament gelang Christfried Brödel eine werkgetreue Gestaltung der Passion, die vor allem durch den Verzicht auf reichlich überflüssige, aber oft bemühte Übertreibungen oder theatralische Effekte wirkte. Die besondere Konzentration lag durchweg auf der Betonung im Text, um wirklich Entscheidendes sprachlich wie musikalisch herauszuheben. Dies erarbeitete Brödel in allen Chorälen, Chören, Rezitativen und Arien gleichermaßen, trennte dabei die musikalische Gestaltung aller Teile ganz klar nach ihrer Bestimmung, so dass sich im inneren Zusammenhang des ganzen Werkes eine Spannung gewinnen ließ, an der sich die Konzentration beim Hören ohne Bruch aufrecht erhielt.

Durchdrungen wurde diese inhaltliche Genauigkeit von einer lyrischen und dennoch emotionalen Auffassung der Partien des Evangelisten (Eric Stokloßa) und des Christus (Matthias Weichert), die in der Verbindung aus ruhiger Erzählung und unaufgeregtem Dialog Raum gab für genau auf den Moment gesteigerte, dramatisch abgesetzte Szenen. Aller Schwulst bliebt da den Chören erspart, den Ausruf "Barabbam" hat man vielleicht so kurz und bestimmt scharf noch nie gehört. Bemerkenswert war der gestalterische Atem von Eric Stokloßa, der noch die langen Berichte des Evangelisten im letzten Abschnitt mit inhaltlich geschlossenem Bogen formte.

Die Arien gewannen mit den von Christfried Brödel gewählten, relativ zügigen Tempi an Kontur. Lediglich in der letzten Bassarie (Mache dich, mein Herze) wollten sich Gestus und Tempo nicht ganz finden. Das Solistenensemble mit Gertrud Günther und Marie-Luise Werneburg (Sopran), Britta Schwarz und Susanne Langner (Alt), Benjamin Glaubitz (Tenor), Ingolf Seidel (Bariton) sowie Cornelius Uhle und Georg Finger (Bass) sorgte, auch gemeinsam mit exzellenten Instrumentalsoli, für emotional starke Momente. Die Konzentration auf das Wesentliche der Passion, die Christfried Brödel mit dieser Aufführung erreichte, bewirkte, was selten gelingt: Alle achteten am Schluss die Bestimmung des Werkes, niemand applaudierte. Eine Rarität.

Am 28. Februar wird Christfried Brödel in einem Gottesdienst in den Ruhestand verabschiedet. Sein Nachfolger als Rektor der Hochschule für Kirchenmusik Dresden ist der Mainzer Kirchenmusiker Stephan Lennig (DNN berichteten).

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.02.2013

Hartmut Schütz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr