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Christa und Gerhard Wolf stellen in ihrem Buch ihre Malerfreunde vor

Christa und Gerhard Wolf stellen in ihrem Buch ihre Malerfreunde vor

Gediegene Buchkunst, es gibt sie noch. Neben all dem billigen Hochglanz, der inhaltsleer ganze Wälder ausrottet, gibt es hin und wieder bibliophile Kostbarkeiten, die man nicht wieder aus der Hand geben und von den Augen lassen mag.

Kluges Selbstbewusstsein, Geschmack sowie aufrichtige Autoren und mutige Verleger sind die Voraussetzung solcher Ausnahmeerscheinungen auf dem Büchermarkt.

Der 1990 gegründete Projekte-Verlag von Reinhardt Cornelius-Hahn in Halle ist auf dem Weg, sich mit seiner 2010 gestarteten Edition Cornelius zu einem kleinen, aber feinen Anbieter der Buchkunst zu mausern. In prächtiger Ausstattung gelang der Band "Malerfreunde", in dem Christa und Gerhard Wolf ihr, so der Untertitel, "Leben mit Bildern" reflektierten. Das bekannte Autorenpaar hatte bekanntlich schon lange eine Affinität zur bildenden Kunst, von Christa Wolf sind illustrierte Prachtausgaben etwa zu "Kassandra" und "Medea" in guter Erinnerung; Gerhard Wolf gab in seinem Verlag Janus press eine Reihe wunderschöner Grafikbände heraus. Nun, nach dem Tod Christa Wolfs, hält man "Leben mit Bildern" mit einem besonderen Gefühl in den Händen.

Christa und Gerhard Wolf haben eine Auswahl schönster Bild- und Druckkunst herausgegeben und diesen Bildband mit ebenso persönlichen wie Essays und Reden ergänzt. Das vorliegende Ergebnis ist ein Gesamtkunstwerk. Da gibt es angenehmes Wiedersehen mit gut bekannten Arbeiten etwa von Angela Hampel, Gerda Lepke, Nuria Quevedo und Elizabeth Shaw sowie von Vertretern der Künstlergruppe Clara Mosch. Es finden sich aber auch Raritäten aus den Händen von Gerhard Altenbourg, Wieland Förster, Günter Grass, A.R. Penck, Günter Uecker. Und neben Allgemeingut gewordenen Bildern eines Albert Ebert lassen sich die künstlerischen Handschriften von Leuten wie Hartwig Hammer, Martin Hoffmann sowie Anneliese Schöfbeck entdecken. Insbesondere die Plakatkunst von Manfred Butzmann kündet von frühem Formbewusstsein und innerer Haltung, wobei letzte aber vor allem in den profunden Texten der Wolfs zum Tragen kommt.

Da wird persönliche Annäherung les- und erfahrbar, ist einmal mehr die Querständigkeit eines Carlfried- rich Claus beschrieben und entsteht ein Porträt der kaum breitem Publikum bekannten Elena Liessner-Blomberg, das ebenso poetisch stimmt wie die Collagen dieser russischen Avantgardistin, die Anfang der 1920er Jahre nach Berlin emigrierte.

Und doch ist dieses Kompendium kein Katalog. Zu willkürlich ist die Auswahl der Künstlerinnen und Künstler, geschuldet den persönlichen Vorlieben der Autoren sowie ihrer privaten Verbundenheit. Auch das Herangehen an Werk und Urheber erfolgte nie systematisch nach immergleichem Muster, sondern so individuell wie lebendig. Das macht die große Qualität dieses Buches aus und rückt eine Reihe von nicht so gelungenen Farbwiedergaben in den Hintergrund. Mit den Vorstellungen ihrer "Malerfreunde" haben Christa und Gerhard Wolf auch viel von sich selbst erzählt.

Christa und Gerhard Wolf - Malerfreunde. Leben mit Bildern

Projekte-Verlag Halle/S., Edition Cornelius

222 Seiten, 32,50 Euro

ISBN 978-3-86237-081-8

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.12.2011

Michael Ernst

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