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Christa Mayer: „Herodias darf auch mal keifen“

Opernpremiere von „Salome“ Christa Mayer: „Herodias darf auch mal keifen“

Im vorigen Jahr ist sie bei den Bayreuther Festspielen noch als „Entdeckung des Jahres“ gefeiert worden, diesen Sommer gehörte sie dort schon zum umjubelten Stammpersonal und sang erneut die Brangäne in Wagners „Tristan und Isolde“ sowie die Mary im „Fliegenden Holländer“. Richtig zu Hause fühlt sich die Sängerin Christa Mayer aber an der Semperoper in Dresden.

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Christa Mayer

Quelle: Matthias Creutziger

Dresden. Im vorigen Jahr ist sie bei den Bayreuther Festspielen noch als „Entdeckung des Jahres“ gefeiert worden, diesen Sommer gehörte sie dort schon zum umjubelten Stammpersonal und sang erneut die Brangäne in Wagners „Tristan und Isolde“ sowie die Mary im „Fliegenden Holländer“. Richtig zu Hause fühlt sich die Sängerin Christa Mayer aber an der Semperoper in Dresden. Hier ist sie seit 2001 fest engagiert und in zahlreichen Partien zu erleben. In der ersten Premiere der neuen Spielzeit gibt sie ihr Rollendebüt als Herodias in der „Salome“ von Richard Strauss.

Frage: Christa Mayer, „Salome“ ist 1905 in Dresden uraufgeführt worden – wie „dresdnerisch“ ist diese Oper für Sie?

Christa Mayer: Ja, sie ist tatsächlich absolut dresdnerisch, was vor allem mit der „Wunderharfe“ zu tun hat, der Staatskapelle, für die Richard Strauss diese Oper komponiert hat. Ich finde es toll, dass es jetzt eine Neuproduktion gibt und ich mit dabei sein darf.

Spielt der Uraufführungsort für Sie eine Rolle?

In der Arbeit selbst eher nicht. Aber wenn man anfängt, darüber nachzudenken, fühlt man schon diese Aura, dass man hier in einer Tradition am Ort des Geschehens weitermachen darf.

Diese Oper ist aber auch ein Ausflug in die Geschichte – wie historisch ist „Salome“?

Unsere neue „Salome“ ist gar nicht historisch, sondern absolut modern und wird nicht nur für uns, sondern auch fürs Publikum eine spannende Herausforderung sein. Es wird sehr bunt! Es wird die Oper vor dem Tanz und die Oper nach dem Tanz geben. Dieser Tanz der Sieben Schleier ist das zentrale Motiv der „Salome“, aber für mein Empfinden ist es nicht der Tanz meiner Tochter, sondern die Fantasie des Herodes. Am Anfang war er noch der König, den Herodias hätte brauchen können als Schutz vor Jochanaan. Nach diesem Tanz erkennt sie, dass von ihm nichts mehr zu holen ist. Sie kennt keine Skrupel, will alles beseitigen, was sich ihr in den Weg stellt. Und wenn es über die Tochter geht, umso besser, dann muss sie es nicht selber machen. Ich denke, sie wäre den Jochanaan auch so losgeworden, freut sich aber, dass das jetzt auch so geschieht.

Ist „Salome“ also exotisch?

Absolut! Es ist etwas ganz Spezielles zu erwarten. Etwas so noch nie Dagewesenes, wir haben Burlesque-Tänzerinnen auf der Semperbühne, das alles macht schon exotisches Flair aus und soll im wahrsten Sinne des Wortes Appetit machen.

Für mich als klassische Opernsängerin ist „Salome“ ein Stück, das schon in sich ganz viel Kraft hat und musikalisch sehr viel gestaltet. Was hier alles passiert, das geht sehr schnell. Für mich war es sehr spannend, diesen Charakter der Herodias zu entwickeln und zu gestalten. Überhaupt war das eine Zusammenarbeit, die mir viel Freude gemacht hat.

Musikalisch gesehen ist diese Partie für Sie auch ein Stück Neuland?

Ja, das ist für mich ein bisschen die Tür in ein neues Fach. Also zum ersten Mal so eine Frau wie Herodias, die sowohl von der Darstellung als auch vom Gesang kräftig über die Stränge schlägt, nicht nur schönen Gesang produziert, sondern auch ganz charakterstarke Ausdrucksmöglichkeiten finden muss. Ich habe mich da herangetastet und versuche, klug und gesund zu singen. Dann gibt es durchaus Möglichkeiten, Farben in diese Partie reinzubringen und sie sehr persönlich zu gestalten. Das macht mir wahnsinnig viel Spaß und ist ein guter Weg für mich. Gut denkbar, dass er irgendwann mal zur Klytämnestra der „Elektra“ führen wird.

Neben Strauss singen Sie ja auch Opern des anderen Dresdner „Hausgottes“, wie geht das rein stimmlich zusammen?

Gleich nach der „Salome“ kommt für mich ja die zum ersten Mal Fricka in Wagners „Rheingold“, nachdem ich ja schon die Fricka in der „Walküre“ gesungen habe. Stimmlich ist das ein großer Unterschied, Herodias liegt viel höher, ist exaltiert, man kann sich da richtig reinschmeißen. Ich empfinde sie als viel einfacher als die Fricka. Bei Wagner, den ich sehr mag, hat man immer die technische Seite zu beachten, um das Wort mit dem Legato zu verbinden, damit vom Text nichts verloren geht. Herodias darf auch mal keifen.

Man kann durchaus beides nebeneinander singen, braucht aber das Bewusstsein dafür, dass Strauss einen ganz anderen Gesang fordert als Wagner.

Wagner singen Sie nicht nur in Dresden, sondern mit großem Erfolg auch in Bayreuth und zu den 50. Osterfestspielen Salzburg 2017 in der historischen „Walküre“ nach Herbert von Karajan …

Wie historisch das tatsächlich wird, weiß ich gar nicht. Ich hoffe, dass möglichst viel vom damaligen Geist wieder aufleben wird. Es ist eine fantastische Idee, diese Produktion nach fünfzig Jahren wieder hervorzuholen und sie nun mit Maestro Thielemann auf die Bühne zu bringen.

Vorher aber kommt der Salzburger „Otello“ vom vergangenen Jahr nach Dresden, noch eine ganz andere Klangfarbe?

Da bin ich natürlich ganz verzückt von der himmlischen Musik. Ich freue mich sehr auf die wunderbare Ausstattung mit diesen tollen Kostümen und überhaupt auf Verdi in Dresden. Ich freue mich aber auch auf Lied und Konzert, auf Mahler, Mozart und Bach, auf Beethovens Neunte nächstes Jahr mit Marek Janowski zu seinem Abschied vom Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin im Konzerthaus …

„Salome“, Premiere am 24.9., 19 Uhr

www.semperoper.de

Von DNN

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